Schulzes Autobahn der Zukunft

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Karlheinz Schulz in seinem Arbeitszimmer.

Babenhausem - Karlheinz Schulz hat eine Vision: Haushohe T-förmige Gerüste ragen inmitten der Autobahn in die Luft. Kilometer um Kilometer folgen sie dem Verlauf der Straße, ziehen sich über das ganze Land, trennen Fahr- und Gegenfahrbahn. Von Domenico Sciurti

Auf ihren Dächern sind Solarplatten befestigt, die gen Sonne blicken – um die wertvolle, erneuerbare Energie aufzusaugen.

Ein fast 90-Seitiges, querformatiges DinA5-Büchlein hat Schulz fertiggestellt, in dem er aufzeigt, wie die Autobahn als Plattform zur Sonnenenergiegewinnung genutzt werden könnte. Seite für Seite stellt der 84-jährige gebürtige Berliner in seinem Werk Thesen und Alternativen zur derzeitigen Energiegewinnung dar, klärt über Sonneneinstrahlung sowie Fotovoltaik auf, zeigt detailtreue Grafiken. Gleich zu Beginn des Buches sagt er, dass in Deutschland über 8000 Kilometer Straßenfläche für sein Projekt „Solektron“ genutzt werden könnte.

Die Idee zu seinem Konzept, das er in mehr als 20 Jahren immer wieder be- und überarbeitet hat, sei ihm während eines Spaziergangs auf Mallorca gekommen. Zunächst habe er ein Bild gezeichnet, basierend darauf entwickelte er mit der Zeit sein heutiges Konstrukt. Ausgangspunkt seiner Idee ist die sogenannte „Stunde Null“ – wenn alle fossilen Energiequellen auf der Erde aufgebraucht sind und auch die Atom-Energie, wie hierzulande bereits beschlossen, keine Alternative mehr darstellt. An diesem Punkt setzt der Theoretiker an, und kreiert eine andere Welt, eine saubere Welt, in der die Autobahn genutzt wird, um alle Bürger mit Energie zu versorgen.

Seit 15 Jahren lebt Schulz nun schon in Babenhausen

In dem Arbeitszimmer in seinem Bungalow sitzt er vor zwei Bildschirmen. Der eine –ein flacher, moderner schwarzer; so wie es ihn in fast jedem Büro gibt. Der andere viel älter, grau, etwa 20 Zentimeter tief, das Bild flackert – ein Brücke zwischen den Zeiten. Als wäre er der Beweis dafür, dass Schulz schon lange an seinem Konzept arbeitet. An den Wänden hängen Grafiken, meist von Autos. Die hat Schulz gemacht, als er noch arbeitete. Von Berufswegen ist er nämlich nicht etwa Energieexperte, sondern Grafiker. Deswegen auch strahlt sein Konzept Professionalität aus.

„Ich gehe davon aus, dass die Solarautobahn umsetzbar ist“, sagt Schulz. „Sie müsste selbstverständlich so gebaut werden, dass sie auch standfest ist.“ Viele Menschen hätten „Solektron“ schon begutachtet, nie habe jemand gesagt, dass es technisch nicht machbar wäre, meint er. „Ich bin damit aber nie weitergekommen, weil alle sagen, das Projekt sei zu teuer“, ergänzt er. Ablehnungsschreiben von Daimler Chrysler, der Unternehmensgesellschaft Solarwirtschaft sowie dem Projektentwicklungsunternehmen Juwi, und auch des Stahl-Informations-Zentrums bezeugten das. Dennoch, die Idee, die Autobahn als Solarenergiegewinnungsplattform zu nutzen, scheint anzukommen. So schreibt ein Montagetechnikhändler beispielsweise: „Ihre Idee ist sicher gut, kommt aber vermutlich 30 Jahre zu früh.“ Schulz ist also seiner Zeit voraus.

Ideen hat Karlheinz Schulz viele. Nicht nur, die Autobahn als Energiegewinner zu nutzen, hat er konzipiert. In einer anderen Zeichnung will er sie gar Doppelstöckig machen, um den Verkehr zu entlasten. Aber nicht immer greift er so hoch und will gleich ganze Landschaftsstrukturen neu definieren. Eine seiner kleineren Erfindungen ist beispielsweise ein Sitzkissen zur „Druckschmerz-Linderung“.

Hobby-Erfinder

Obwohl viele Ordner, die im Arbeitszimmer von Karlheinz Schulz stehen, Ideen und Ansätze zu weiteren Innovationen beinhalten, die er nebenberuflich niedergelegt hat, sieht Schulz sich selbst nicht als Hobby-Erfinder. „Ich mache das mit Leidenschaft“, sagt er dazu. „Es ist nicht nur ein Hobby.“ Die Rechte für die Solarautobahn hat er sich denn auch vom Patentamt sichern lassen. Das Sitzkissen hat er selbst in Auftrag gegeben und ein paar davon produzieren lassen. Viele liegen bei Schulz zu Hause. Von seinen Ideen ist bisher nur wenig in die Realität umgesetzt worden. Doch das stört den Babenhäuser nicht. Er ist sich zwar der Bedeutung bewusst, die die erneuerbaren Energien für die Zukunft haben. Persönlich hat er aber keine Eile. Schulz hat eine Vision. Er selbst sieht sich als Ideengeber. Für die Umsetzung müssen nun andere sorgen.

Quelle: op-online.de

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