Schwarz/Grün ist abgewählt

Babenhausen ‐ Es blieb spannend bis zum Schluss. Die grobe Richtung hatte sich nach dem Trend am Sonntagabend zwar abgezeichnet, doch unklar blieb bis zuletzt, ob es Veränderungen bei den kleinen Parteien geben würde. Von Stefan Scharkopf

Klar ist, dass die Union die eindeutige Wahlverliererin und die Kooperation von CDU und Grünen am Ende ist. Die Christdemokraten haben herbe Verluste eingefahren und kommen auf 29,5 Prozent (2006: 39,4 Prozent). Die Grünen haben zugelegt und 15,3 Prozent (12,3 Prozent) erreicht. Die SPD liegt bei 36,9 Prozent (30,4 Prozent) und ist stärkste Kraft. Die Freien Wähler konnten ebenfalls zulegen und haben 12,0 Prozent (9,6 Prozent) eingefahren. Die FDP liegt bei 4,2 Prozent (5,0 Prozent). Die „Bürger“ fielen von 3,2 auf 2,0 Prozent. In Sitzen bedeutet das: CDU erhält 11, SPD 14, FDP 1, Grüne 6, FWB 4 und „Bürger“ 1. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,6 Prozent.

Denkbar ist nun eine Koalition von SPD und FWB, die aber noch den einen Sitz von FDP oder „Bürgern“ brauchen. Möglich sind freilich auch noch andere Konstellationen. Dass es beispielsweise eine große Koalition geben könnte, ist kaum anzunehmen, dazu waren die Differenzen in den vergangenen fünf Jahren zu groß.

Schnittmenge mit FWB am größten

Eine Zusammenarbeit mit den FWB sieht die SPD als wahrscheinlichste Lösung an. „Da ist die Schnittmenge am größten“, sagte SPD-Spitzenkandidatin Gabi Coutandin am Sonntagabend. Es würden aber auch mit anderen Parteien Gespräche geführt. „Klar ist, dass der Wählerauftrag bei uns liegt. Diese Woche wird es eine Listenversammlung geben, dann werden wir die Richtung festlegen.“ Coutandin rechnet für Mitte April mit der konstituierenden Sitzung des neuen Parlaments.

„Wir haben die Wahl klar verloren, dass ist völlig unstrittig“, sagte Rüdiger Manowski, der die CDU-Liste anführte. „Wir haben alles, was wir erreicht haben, im Wahlkampf herausgestellt, Aber es hat nicht gereicht. Natürlich ist ‚Jenny‘ einer der Gründe, weshalb wir deutlich verloren haben. Ich glaube auch, dass die Unions-Anhänger die Zusammenarbeit mit den Grünen skeptischer gesehen haben, als es umgekehrt war. Dennoch bleibe ich dabei: Wir haben mit den Grünen viel erreicht und die Zusammenarbeit war super.“ Die SPD habe einen reinen Wahlkampf mit ihrer Spitzenkandidatin Gabi Coutandin geführt, die als Bürgermeisterin ja nicht ins Parlament einziehen kann. „Wir haben uns auf unsere Erfolge konzentriert und ich glaube auch, dass wir einen fairen Wahlkampf geführt haben.“ Geht es nach den politischen Gepflogenheiten, ist Manowski nicht mehr Stadtverordnetenvorsteher im neuen Parlament. Es ist Brauch - es gab aber auch schon mal eine Ausnahme -, dass die stärkste Fraktion diesen Posten bekleidet.

Freie Wähler bleiben hinter Erwartungen zurück

Froh darüber, das Ergebnis gehalten und noch zugelegt zu haben ist FWB-Spitzenkandidat Oliver Bludau. Mit vier Sitzen blieben die Freien Wähler aber unter den Erwartungen vieler politischer Beobachter. Eine Zusammenarbeit mit der SPD ist realistisch, die Freien Wähler hatten auch der Bürgermeisterin des Öfteren gute Noten attestiert. „Ohne den Fukushima-Effekt hätten die Grünen ihr gutes Ergebnis nicht eingefahren“, ist sich Bludau sicher. Er schließt eine Zusammenarbeit mit CDU und Grünen aus.

Dass die Atompolitik eine Rolle für das gute Abschneiden der Grünen gespielt hat, räumt Spitzenkandidat Frank Ludwig Diehl ein. Allerdings sei das Ergebnis vielschichtiger zu bewerten. Er teilt die Ansicht, dass die Grünen-Wähler das Zusammengehen mit der CDU weniger kritisch gesehen hätten als umgekehrt. Gepunktet haben sie aber auch etwa im Erloch und in Sickenhofen durch ihre Ablehnung der Westumgehung. „Natürlich ist es so, dass das ‚Nein‘ zu einem Projekt leichter fällt, wenn man direkt betroffen ist, aber wir bemerken schon, dass es auch im Allgemeinen eine größer werdende Opposition gegen Straßenbauprojekte geben wird.“ Tiefer gehende Analysen müssten noch folgen.

"Bürger für Babenhausen" könnten Zünglein an der Waage sein

Für das Abschneiden der FDP führt Spitzenkandidat Manfred Willand den Bundestrend an, der diesmal auf die Kommunalwahl durchgeschlagen habe. Die FDP kann in Babenhausen mit ihrem einen Sitz das Zünglein an der Waage sein. Das sei natürlich eine Option, meinte Willand, dennoch müsse erstmal abgewartet werden.

Das Zünglein an der Waage könnte auch die künftige Rolle der „Bürger für Babenhausen“ sein.

Quelle: op-online.de

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