Babenhäuser Freibad bereitet Öffnung vor: Beim Dauerkartenverkauf bilden sich Schlangen

Schwimmer in den Startlöchern

Menschen stehen Schlange.
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Schlange stehen für die Dauerkarte: Am kommenden Samstag öffnet das Freibad und alle Wasserratten freuen sich.

Der Stapel mit den grünen Karten schrumpft merklich. Eine nach der anderen wechselt den Besitzer. Hans Geißler ist nervös. Schließlich hätte der 73-Jährige auch gern die „Greencard“, die ihn jeden Morgen zum Schwimmen im Freibad seiner Heimatstadt Babenhausen berechtigt. Drei Dauerkarten für drei verschiedene Zeitfenster gibt es – grün für 9 bis 12 Uhr, beige für 13 bis 16 Uhr und blau für 17 bis 20 Uhr.

Babenhausen – 80 Wartende hat Geißler vor und hinter sich gezählt, die sich am Freitag zwischen 16 und 18 Uhr entlang des Gebäudes mit den Umkleidekabinen schlängelten. Am Freitagabend und noch mal am Samstagmittag waren die Vorverkäufe der 150 Dauerkarten – 50 je Slot – für die Badesaison, die nächsten Samstag, am 12. Juni, startet.

2020 gab es zunächst keine Dauerkarten und später nur welche für Frühschwimmer, erzählt Betriebsleiterin Dalila Kahl. Und alle im Online-Verkauf. Bei den Einfach-Karten für die dreistündigen Zeitfenster am Tag ist das auch dieses Jahr wieder so. Erst recht ein Grund für die 79-jährige Inge Kolb, sich am freitäglichen Präsenztermin in die Wartereihe gestellt zu haben. „Letztes Jahr war mir das mit online zu kompliziert, da war ich gar nicht schwimmen“, sagt sie.

Kahl erklärt, warum der tägliche Kartenverkauf vor Ort weiterhin entfällt. Denn was wäre, wenn eine Familie Schlange stehen würde, um Karten zu ergattern, und dann gesagt bekäme: „Tut uns leid, es darf jetzt keiner mehr rein. Probieren Sie es morgen noch einmal.“ Frust und Enttäuschung wären programmiert, findet sie. Es dürfen wegen Corona eben erst mal nur 200 Gäste auf einen Schlag ins Freibad. „Das ist wenig“, meint der schwimmbegeisterte Geißler, gerade hinsichtlich einer Liegefläche von 20 000 Quadratmetern. Aber auch hinter dieser Grenze steckt eine Überlegung. „Unser Wunsch ist, dass bei uns jeder Gast jederzeit ins Wasser kann“, erläutert Kahl.

Keiner wolle Bilder von Bademeistern sehen, die versuchen würden, Badewillige von einem Becken fernzuhalten, das laut Hygienekonzept schon voll sei. In Babenhausen können also theoretisch alle Gäste gleichzeitig ins kühle Nass, in welchem Becken auch immer: die Wasserfläche gab den Ausschlag für die 200er-Regel je Slot. Nichts sei jedoch in Stein gemeißelt, merkt die Chefin an. Falls sie und ihr Team den Eindruck von eher unterfüllten Becken gewännen, würden sie ihr Konzept anpassen.

Welches Becken wie stark frequentiert würde, sei abhängig vom jeweiligen Zeitfenster und den Hitzeverhältnissen. „Nach unserer Erfahrung von 2020 sollten die Slots mit ihren drei Stunden die richtigen für Babenhausen sein“, sagt die Chefin. Morgens und abends fülle sich bekanntlich das Sportbecken mit reinen Schwimmern, die bei jedem Wetter durchs Wasser pflügten und dann gingen. Mittags kämen Familien und Jugendliche und belegten Wiese, Planschbecken, Nicht-Schwimmerbecken und Sprungturm.

Der Sprungturm ist übrigens geöffnet, die breite Wasserrutsche allerdings wie schon 2020 nicht. „Da könnten wir eine Pulk-Bildung, gerade von Kindern, nicht verhindern“, begründet Kahl. Im Wasser und auf der Wiese dürfe sich aber jeder maskenfrei bewegen, nur am Eingang, in den Sanitärräumen und der Umkleide brauche man eine Mund-Nasenbedeckung. Negative Test sind nicht vorgeschrieben. Ob das Kiosk auf dem Obergeschoss von Küstenmotorschiff Jenny bewirtschaftet ist, weiß sie selbst noch nicht.

Kahl macht deutlich: „Ein Freibad ist enorm wichtig für die Menschen.“ Für manche Familien, die daheim nur einen Balkon haben, sei es quasi ihr Garten, für viele Urlaubsort. Von den Dauerkarten waren nach den zwei Vorverkaufstagen 110 weg, die für den ersten Slot sogar komplett. Die zwölf Mietboxen für Sonnenschirm oder Liegen waren ebenfalls gefragt, da vertröstete Kurt Schäfer vom Förderverein des Bades auf nächsten Samstag. Dafür hatte der Vorsitzende etwas Neues in petto. Während Corona wurden 18 Schließfächer für Wertsachen aufgestellt. Brandneu ist, dass es nächste Woche laut Kahl erneut eine Kaufmöglichkeit geben wird, auch für Frühschwimmer.

Marleen Pielok hat diese nicht mehr nötig. Die 20-Jährige erstand eine Abendkarte. „Ich möchte gern täglich eine Stunde nach der Uni schwimmen“, plant sie. Auf jeden Fall geht sie so dem Stress aus dem Weg, rechtzeitig online zugreifen zu müssen, bevor alle Karten weg sind. Der Online-Verkauf muss noch in die Wege geleitet, der Kiosk-Betrieb geklärt werden – ansonsten ist das Freibad öffnungsbereit. (zkn)

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