Vom Schwitzen unter Wasser

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Heidi Kellerzeigt stolz ihre Urkunde.

Babenhausen ‐ Von wegen leichtes Geplansche. Aqua-Fitness ist eine ernst zu nehmende Sportart. Davon ist Heidi Keller überzeugt. „Wer bei uns mitmacht, merkt schnell, dass man auch im Wasser schwitzen kann“, sagt die Trainerin.  Von Veronika Szeherova

Seit zehn Jahren leitet sie beim Turnverein Babenhausen (TVB) Kurse für diese moderne Form der Wassergymnastik. Und bekam nun eine Auszeichnung des hessischen Schwimmverbands verliehen: das Gütesiegel „Sport pro Gesundheit.“ Diese Urkunde ermöglicht es, dass die Kosten für die Teilnahme an den Aqua-Fitness-Kursen von den Krankenkassen übernommen werden. Dass sie die Zusatzqualifikation „Trainerschein B – Prävention“ erfolgreich absolviert hat, freut Heidi Keller sehr. „Denn auch für meinen Beruf und Alltag hat diese Fortbildung viel gebracht“, sagt die Apothekenhelferin.

Es ging um mehr als das reine Sporttraining, auch Themen wie Ernährung, Gesundheit und Konfliktbewältigung wurden abgefragt. „Die psychischen Aspekte werden neben den gesundheitlichen Aspekten immer wichtiger auch im Breitensport – nicht nur der Körper, auch die Seele soll davon profitieren“, erklärt die Babenhäuserin.

Über Vorurteile kann Heidi Keller nur lächeln

Bevor sie sich für einen Aqua-Fitness-Kurs entscheiden, sei es für viele Frauen eine Kernfrage, ob sie dabei abnehmen könnten. Das verneint Heidi Keller deutlich: „Einmal eine Stunde pro Woche Training reicht nicht, um abzunehmen. Erst recht nicht, wenn man sich danach auf der Couch mit Chips vollstopft. Da müsste man langfristig seine Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten umstellen.“ Doch die Trainerin räumt gleichzeitig ein, dass „Übergewichtige in Aqua-Fitness ihren Sport finden können.“ Schließlich werden im Wasser die Gelenke und Bänder geschont, der Stoffwechsel angeregt und mehr Kalorien verbraucht als bei gleichen Übungen an Land. Die Wirbelsäule wird entlastet und Bewegungen fallen wegen des Auftriebs im Wasser leichter.

Über die Vorurteile, die auf den vermeintlichen „Hausfrauensport“ einprasseln, kann Heidi Keller nur müde lächeln. Schließlich hat sie schon ihre eigenen Erfahrungen gemacht, die für reichlich Genugtuung sorgten. Gern erinnert sich die 49-jährige zweifache Mutter daran, wie sie der Basketballmannschaft ihres Sohnes eine Übungsstunde gab: „Es waren gut trainierte junge Männer, die es vorher belächelten, Aqua-Fitness zu machen. Doch in der Stunde mussten manche eingestehen, dass eine 70-jährige Teilnehmerin sich im Wasser gelenkiger bewegte als sie selbst. Als sie aus dem Becken stiegen, waren sie ganz müde und kleinlaut.“ Und lachend fügt die Babenhäuserin hinzu: „Sie hatten am nächsten Tag solchen Muskelkater, dass sie froh waren, dass die Basketball-Saison gerade vorbei war.“

Spaß und Erholung stehen im Vordergrund

Derzeit hat Heidi Keller in ihren Aqua-Fitness-Kursen nur Frauen, aber das „in allen Altersstufen von 18 bis 70“. Über männliche Teilnehmer würde sie sich aber freuen. Ihren Mann habe sie schon oft zu überreden versucht. „Aber er will nicht der einzige sein“, sagt sie schmunzelnd. Und vermutet: „Vielleicht haben Männer zu viel Angst davor, dass die Frauen es besser können als sie. Dabei ist solches Denken genau falsch. Denn Spaß und Erholung vom Alltag steht bei uns im Vordergrund.“

Der nächste Aqua-Fitness-Kurs startet am Dienstag, 18. Januar, von 19 bis 20 Uhr im Dieburger Hallenbad. Anmeldung unter  06073 / 724410 oder E-Mail: TVB_ Schwimmabteilung@web.de

Also wird bei den wöchentlichen Kursen viel gelacht und geredet. Ganz leise wird es aber, wenn Heidi Keller Übungen fordert, die viel Koordination erfordern: „Am schwersten tun sich die Menschen mit gegengleichen Übungen, also unterschiedlichen Bewegungen beispielsweise vom rechten Arm und linken Bein. Da muss man sich schon ziemlich konzentrieren.“ Typische Hilfsmittel bei dem Fitnesssport im Wasser sind Bälle, „Aquanudeln“, und „Aquagürtel“ oder Bretter. „Auch Musik darf nicht fehlen“, sagt die Babenhäuserin, die schon seit 40 Jahren Mitglied beim TVB ist. Bis auf eine kurze Kinderpause war sie auch die ganze Zeit über aktiv im Vereinssport.

Sie begann mit Turnen, zog dann jahrelang als Schwimmerin ihre Bahnen und trainiert auch Schwimmen. Zum Aqua-Fitness kam sie, nachdem sie dreimal an der Bandscheibe operiert werden musste, „was mir eigentlich gar nicht hätte passieren dürfen.“ Darin fand sie für sich den idealen Sport. Dem Schwimmen ist sie aber trotzdem treu geblieben – sie bringt es als Trainerin Kindern bei. „Der TVB gehört für mich einfach dazu“, sagt Heike Keller.

Quelle: op-online.de

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