Nationale und kulturelle Herkunft der Babenhäuser

„Scharfmacher entlarven“

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Die Verantwortlichen der städtischen Jugendförderung haben mit einer neunten Klasse der Joachim-Schumann-Schule im Fach Ethik/Religion insgesamt sechs Schautafeln erstellt. Das Thema der Dokumentation: „Kulturen und Menschen in Babenhausen – mit wem wohnen wir zusammen“.

Babenhausen - Eigentlich wollte die städtische Kinder- und Jugendförderung nur einen Raum im JUZ neu anlegen. Mit viel kreativem Geist ist daraus zusammen mit der Joachim-Schumann-Schule eine Dokumentation zum Thema „Kulturen in Babenhausen“ geworden. Von Michael Just 

Groß, nicht ganz so leicht und ziemlich aussagekräftig sind die sechs Tafeln, die ins Foyer der Joachim-Schumann-Schule getragen werden. Auf einer ist ein Fahnenmeer und eine Weltkarte mit jenen Nationen zu sehen, aus denen sich das internationale Babenhausen zusammensetzt. Die Bürger der Gersprenzstadt kommen derzeit immerhin aus 77 Ländern. Darunter befinden sich drei Japaner, 66 Pakistani, 262 Polen, 295 Italiener und vier Kolumbianer. Auf den fünf anderen Tafeln sind jeweils zwei Herkunftsländer im Vergleich gegenübergestellt. Darunter sind die USA und Russland, die Türkei und Deutschland oder Portugal und Pakistan. Auskunft gibt es über Staatsform, Einwohnerzahl, Sprache, Währung und die Religionszugehörigkeit der Bevölkerung.

Im Vergleich: Polen und Italien. Aus beiden Ländern leben hunderte Menschen in Babenhausen.

Die übersichtlich gestalteten Tafeln wurden von rund 25 Schülern einer neunten Klasse im Ethik/Religions-Unterricht ausgearbeitet. Idee und Kontaktaufnahme kamen von Seiten der Jugendförderung. „Bei uns kam im letzten Jahr die Frage auf, was wir nach dem Streichen unseres Jugendraums an die Wände bringen“, berichtet Stadtjugendpfleger Michael Spiehl. Graffitis kamen nicht in Frage, da ein Lerneffekt erzielt werden sollte. Im Zeichen der Flüchtlingskrise wurde das passende Thema mit „Kulturen in Babenhausen“ gefunden. Um die Zusammenarbeit mit der Joachim-Schumann-Schule weiter auszubauen stand der Vorschlag im Raum, die Aufgabe in einem Unterrichtsprojekt anzugehen. „Zu Beginn haben wir uns natürlich gefragt, welches Fach tangiert dieses Thema am Besten? Ist es eher Politik, Erdkunde oder sogar Werken?“, führt Spiehl rückblickend an. Letztlich wurde es Ethik/Religion, was für den Schulseelsorger und Pfarrer Micha-Steffen Stracke vortrefflich passt: „Sich mit den verschiedenen Religionen und Kulturen zu beschäftigen gehört zu den ureigensten Aufgaben des Ethik/Reli-Unterrichts. Dazu garantierten Thema und Aufgabenstellung, dass methodisch gearbeitet und inhaltlich viel gelernt wird“, führt er an.

Um ein ganzes Schulhalbjahr zu füllen, wurden fünf Expertengruppen entwickelt, die sich in die Bereiche „Kultur“, „Recherche & Inhalte“, „Designer“, „Techniker“ und den „Bau-Trupp“ aufteilten. Der Bau-Trupp wurde deshalb ins Leben gerufen, um das Projekt ganzheitlich zu gestalten. Er nahm das Vorbereiten und Streichen der Wände im JUZ in die Hand, den Kauf der Materialien im Baumarkt oder das Aufhängen der Tafeln. Für letzteres bedurfte es bei dem vorliegenden Stahlbeton einer besonders gründlichen Recherche. Zur Aufgabe der Techniker gehörte unter anderem die Sponsorensuche, um keine Kosten entstehen zu lassen. Das Bauzentrum Andre & Oestreicher sowie die Firmen M8-Blechbearbeitung und Kreher-Druck traten als engagierte Partner auf.

Deutschlands UNESCO Welterbestätten

Dass die Schüler möglichst viel über die Kulturen in Babenhausen lernen, wollten sie nicht nur Zahlen aus dem Rathaus oder länderspezifische Fakten aus dem Internet sammeln. Eine Straßenumfrage sollte dazu beitragen, Dinge über das Familienleben oder religiöse Ansichten zu eruieren. „Dabei war besonders auffallend, dass sich viele Kulturen und Nationen über die Religion definieren“, bilanzieren die Schüler Tim Hauck (14) und Aaron Trippel (15). Im Gegenzug dazu spiele die Religion in der Lebenspraxis nur eine untergeordnete Rolle. Die Verbindung Nationalität und Religion zeigt sich für Kursleiter Micha-Steffen Stracke besonders deutlich in der momentanen Auseinandersetzung mit der Türkei, bei der von Seiten Ankaras immer wieder verdeckt versucht werde, die Religions-Karte gegen das Abendland zu spielen.

Mit Blick auf internationale Konflikte sowie die verschiedenen Kulturen in Babenhausen sind die Erkenntnisse der Schüler, die in den letzten Wochen beim Erstellen der Tafeln gewonnen wurden, für Stracke von wertvoller Bedeutung: „Bei solchen Projekten geht es stets darum, Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen oder den Nationen zu entdecken. Nur auf diese Weise lassen sich von den Schülern Hass- und Scharfmacher entlarven“, erklärt er.

  • Die sechs Tafeln im Format 0,7 x 1,40 Meter kommen nicht sofort im Jugendraum an die Wand. Im Schaufenster der Stadtbücherei, Fahrstraße 40, soll zunächst die breite Öffentlichkeit in den nächsten Tagen ebenfalls die Möglichkeit haben, sich ein Bild von den Ergebnissen zu machen.

Quelle: op-online.de

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