Besucher schreckt die Hitze nicht:

See bebt auch ohne Star und Feuerwerk

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Trotz der Absage von DJ Jan Leyk ließen sich am Freitag die meisten Besucher die gute Stimmung nicht verderben und nahmen das Ersatzprogramm an.

Babenhausen -  Drei Tage lang verbuchten die Seismologen bedenkliche Ausschläge am Sickenhöfer See. Beim Seebeben schien endlose Party- und Urlaubsstimmung zu herrschen. Von Michael Just 

Trotz der positiven Auswirkungen des Jahrhundert-Sommers blieb ein Wermutstropfen: Einer der groß angekündigten Hauptakteure, Top-DJ Jan Leyk, sagte kurzfristig ab.
Großer Andrang am Sickenhöfer See: Isabella Spall ist am Freitagabend gespannt wie der sprichwörtliche Flitzebogen. Mit Freundeskreis und Mojito in der Hand wartet sie um 20.30 Uhr darauf, dass die House-Party Fahrt aufnimmt. Die 23-Jährige aus der Nähe von Aschaffenburg ist zum ersten Mal beim Seebeben. Trotzdem hat sie gleich das Drei-Tages-Ticket geordert. Ein Risiko sieht sie darin nicht: „Unsere Runde alleine garantiert schon für Spaß“, sagt die Steuerfachangestellte. Nebenbei rückt sie noch ihren Beruf in ein positives Bild. „Auch wenn sich dieser Job nicht so anhört – wir Steuerexperten können richtig abgehen“, meint sie lachend.

Wie eine Nachfrage zeigt, finden an diesem Abend noch zahlreiche weitere Neulinge den Weg an den See. „Ich habe einfach mal den Begriff ,Beach-Party’ und ,Offenbach´ gegoogelt. Da kam plötzlich Babenhausen heraus“, erzählt eine junge Frankfurterin. „Wir wollen uns mal anschauen, was hier los ist“, konstatiert mit Benny Chaudhry ein weiterer Premierengast. Für das Spektakel bekam der 39-Jährige aus dem Taunus einen Tipp von Bekannten. Mit weiteren Infos aus den sozialen Medien war für ihn und drei Freunde das Festival der Babenhäuser Handballer gesetzt.

Elektro, Hip-Hop, Rock und Pop

Die zehnte Ausgabe des Seebebens mit mehreren Tausend Besuchern täglich profitierte ganz augenscheinlich vom Jahrhundert-Sommer. Von Donnerstag bis Samstag deckte das Programm nahezu alle Musikrichtungen ab. Elektro und Hip-Hop war ebenso dabei wie Rock und Pop, was die Cover-Bands am ersten und am letzten Abend mit viel Herzblut zum Besten gaben.

Beim „Seeleben“ am Samstag kam zum Beach-Volleyball-Turnier und einem bayrischen Biergarten noch Dicke-Backen-Musik dazu. Aufgrund der hohen Temperaturen lief an allen drei Tagen bei den Partyhungrigen mächtig der Schweiß. Außergewöhnlich war da der Einsatz von Christina Weiser: Am Äppler-Stand wedelte sie jedem Kunden bei dessen Bestellung erst mal kurz Luft mit einem Fächer aus Pappmaschee zu. Durch die Hitze wurde der Getränkeumsatz in neue Höhen katapultiert.

Die aufgenommene Flüssigkeit wollte zum Teil auch wieder raus, womit sich die größte Kritik vieler Besucher verband: Der Zustand der Dixi-Klos wurde immer wieder als inakzeptabel bezeichnet. Trotz des riesigen Glücks mit dem Wetter verlangte das ungewohnte Vorkehrungen beim Brandschutz. Das Höhenfeuerwerk am Samstag fiel der Prävention komplett zum Opfer. Damit sich die abgemähten Wiesen, die als Autoparkplätze dienten, durch heiße Katalysatoren nicht entzünden, musste vorher tagelang gewässert werden. „Wir haben sogar einen Tank mit 8 000 Liter Wasser auf dem Gelände platziert und Schläuche verlegt. Im Ernstfall könnten wir bis zum Eintreffen der Wehr Erstmaßnahmen ergreifen“, erläutert Wolfgang Kettler vom Organisationsteam.

Bilder: Seebeben in Sickenhofen

Zeigte man sich beim Brandschutz gut gerüstet, war man gegen die Absage von Jan Leyk machtlos. Der Hamburger Top-DJ und Soap-Star der RTL2-Serie „Berlin Tag & Nacht“ sollte als Zugpferd am Freitag für Extase sorgen. Um 18 Uhr, um damit wenige Stunden vor seinem Auftritt, gab er sein Nichterscheinen bekannt. Der Grund: Ein Bandscheibenvorfall samt Klinikeinlieferung. Die Absage durchlief als Info für seine Fans zuerst die sozialen Netzwerke. Erst danach drang die ungute Kunde an den See durch. Das Team der Handballer hätte sich einen anderen Kommunikationsstil gewünscht.

Wie auch immer: Mit der unerwarteten Situation war ein Schock verbunden. „Wir haben natürlich sofort telefoniert und versucht, Ersatz zu finden. Das war in der Kürze der Zeit kaum möglich“, so Kettler. Als Geburt in der Not rückten DJ Rino und DJ Vim, die eigentlich fürs Anheizen verpflichtet worden waren, zum Hauptakt auf. Gleich nach Bekanntwerden der unfreiwilligen Programmänderung teilten die Handballer – ganz auf Ehrlichkeit bedacht – die Entwicklung in den sozialen Medien und am Kassenhäuschen mit. Der Großteil der angerückten Party-Gemeinde entschied sich für das abgespeckte Beben.

Bilder: Seebeben in Babenhausen

Um 22.30 Uhr war das Festival-Gelände so voll wie die Jahre zuvor. Dicht an dicht standen junge Menschen vor der Bühne und bewegten sich im Takt zu den wummernden Bässen. Als Entschädigung spendierten die Handballer und die mit ihr kooperierende Brauerei 500 Liter Freibier. Bis weit in die Nacht wurde am See getanzt und gefeiert – und das ganz ohne Staraufgebot am Plattenteller. „Wir kommen wieder, weil Musik und die Leute, die wir kennengelernt haben, super waren“, kündigte Benny Chaudhry um zwei Uhr an, als er sich zur Rückfahrt in den Taunus aufmachte.

Quelle: op-online.de

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