Seemannslieder auf Samui

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Basteln und Musik aus einer anderen Welt: Als Happy-Man brachte Herbert Abwechslung an thailändische Schulen.

Babenhausen - Das Stück „Muss i denn zum Städele hinaus“ ist ein Gassenhauer der Volksmusik. Beim Musikantenstadl und bei unzähligen Heimatabenden erfreut es sich ungebrochener Beliebtheit. Von Michael Just

Wenn das Lied aber am Hafen der thailändischen Ferieninsel Koh Samui gesungen wird, lohnt sich ein genauerer Blick, wer hier die Stimme erhebt. Erst recht, wenn der Musikant aus Babenhausen stammt.

Zum Vorschein kommt dabei der bekannteste Alleinunterhalter der Stadt: Norbert Herbert, besser bekannt als Happy-Man. Mit seinem Akkordeon oder seiner Drehorgel, zu denen er Mundart- und Gaudilieder anstimmt, erfreut der 65-Jährige regelmäßig Märkte, Hochzeitsgesellschaften, Seniorennachmittage, Straßenfeste, Vereinsfeiern oder Jubiläen.

In Südostasien wurde seine musikalische Frohnatur nun ebenfalls zum Ereignis: Mit Akkordeon und Tuba, die sein Kumpel Harry Butte (50) aus Kassel spielte, mutierten die Hessen zu musikalischen Botschaftern im Königreich Thailand. Das Motto: Musik kennt keine Grenzen.

Herberts Stammkneipe auf Samui, vor bald einem Jahr: Er lernte dort an seinem Geburtstag Harry Butte aus Kassel kennen. Schnell war klar, dass sie musikalisch etwas gemeinsam auf die Beine stellen wollten. „Bei deiner Quetsche bin ich dabei“, sagte Butte. Ende des vergangenen Jahres liefen die Happy-Boys vier Wochen lang zur Höchstform auf: Im Internet suchten sie im Vorfeld nach deutscher Gastronomie in Thailand und vereinbarten zünftige Auftritte in Koh Samui, Hua Hin, Bangkok, Pattaya oder Chiang Mai.

Bayrisches Liedgut fehlte ebenso wenig, wie schmissige Seemannslieder von der Waterkant. Sand und Strand gibt es mehr als reichlich in Thailand. Doch will man dort den Klassiker „An der Nordseeküste“ wirklich hören? Man will. „Hier wird Lebensfreude vermittelt. Dazu erinnert mich das an meine deutsche Heimat“, sagte eine begeisterte Frau stellvertretend für viele andere.

2008 reiste Herbert das erste Mal nach Thailand, um Auswanderer zu besuchen. Mit zwei bis drei Reisen pro Jahr kennt der Ruheständler, der früher im Bereich der Landmaschinentechnik arbeitete, das Land mittlerweile so gut wie seine Westentasche. Freunde und deren Lebensgefährtinnen leiteten schon vor den Happy-Boys Auftritte für Herbert ein.

Nicht zuletzt an Schulen verbuchte der Happy-Man Erfolge: Den Kindern, die oft aus bescheidenen Verhältnissen kommen, zeigte er den Spaß, wie sich mit speziellen Luftballons Figuren formen lassen. Selbst die Augsburger Puppenkiste ließ er mit dem Lied „Eine Insel mit zwei Bergen“ in den Klassenzimmern samt Polonaise aufleben.

Für die Happy-Boys interessierte sich sogar Samui Web TV. Der Sender drehte über die beiden Vagabunden einen Film. Als außergewöhnliche Neuigkeit rund um die Urlaubsinsel ist der im Internet zu bewundern (samui-webtv.com). Wer sich als musikalischer Botschafter bezeichnet, kommt nicht drumherum, vor allem die Einheimischen zu erreichen. Dauerurlauber, die sich über ein paar heimatliche Klänge freuen, reichen dafür nicht.

Norbert Herbert im Dress der Happy-Boys: So trat er mit einem Kumpel vier Wochen lang als musikalischer Botschafter in Thailand auf.

Auch bei den Asiaten kam das Duo bestens an. Dafür bedienten sich die Happy-Boys der thailändischen Nationalhymne. Auf Akkordeon und Tuba intoniert, blieben viele Siamesen stehen und staunten nicht schlecht, weil solche Instrumente samt der bunten Zeitgenossen in Südostasien eher unbekannt sind. Schon bei der Ankunft am Flughafen in Samui stimmten die deutschen Vagabunden die thailändische Hymne gleich als Willkommensgruß an. Sie erweiterten mit „Rosamunde“ oder „Aus Böhmen kommt die Musik“.
Wer Norbert und Harry auf ihrer Musikreise beobachtete, merkte schnell, dass ohne Musik bei den beiden gar nichts geht. „Wer das Leben genießen will, braucht Musik. Wir haben Freude daran und möchten, dass andere, sofern sie das wollen, teilhaben“, lautet ihr Credo. An sämtlichen Auftrittsorten in Thailand sind sie auch in Zukunft willkommen. Die ergreifendsten Momente spielten sich im Rückblick um die Nationalhymne ab: „Einige Leute haben mitgesungen, andere salutiert“, erinnert sich Herbert. Danach wollten einige Thais gar nicht mehr aufhören zu jubeln. „Es gibt wohl nichts Schöneres, als Leute über die Musik für sich zu gewinnen“, resümiert der Babenhäuser.

Quelle: op-online.de

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