Segelflieger im Schlepptau

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Die Pilotenbrille sitzt: Fluglehrer Michael Eichler (hinten) hat gemeinsam mit seinem Schüler Daniel Forst im Segelflugzeug Platz genommen. Da gilt es erst einmal die langen Beine zu verstauen, denn gleich geht es in den Rückgleitflug.

Babenhausen - Dröhnend erwacht der Motor der Maule M6 zum Leben. Die Maschine rollt an, das Seil spannt sich. Schneller und schneller wird die Maule, während hinter ihr das unterdessen straff gespannte Seil den Segelflieger langsam anzieht. Von Verena Scholze

Nach wenigen hundert Metern ist es bereits soweit, der Motorflieger hebt mit dem Segelflieger im Schlepptau ab.  Schnell geht es höher und höher, bis die Idealflughöhe erreicht wird. Staunend beobachten einige Zuschauer am Boden, wie das Seil ausklinkt und der Motorflieger abdreht. „Das ist der schönste Moment, wenn das Seil ausklinkt und die Stille eintritt“, sagt Jörg Kluge und lächelt. Er ist der Pressewart des Luftsportclub Babenhausen (LSC) und selber begeisterter Flieger.

Der LSC veranstaltete auch dieses Jahr wieder die sogenannte KW 17. Seit 14 Jahren gibt es diesen Lehrgang und zwar immer in der 17. Kalenderwoche und ist eine Kombination aus Grundausbildung, Weiterbildung und Wettbewerbstraining. Die Idee geht auf die Initiative von Ausbildungsleiter und Club-Manager Wolfgang Fuchs zurück.

Infos zum LSC Babenhausen gibt es unter 06073 2880 oder auf http://www.lsc-babenhausen.de.

Nicht nur Piloten, die ihre Kunstflugberechtigung erwerben wollen, sind gekommen, sondern auch Segelkunstflieger, die sich weiterbilden möchten oder Fluglehrer, die sich als Assistenten zu Kunstfluglehrern ausbilden lassen wollen. Dieses Jahr sind es sieben Teilnehmer. „Drei von ihnen sind finnische Kollegen“,erzählt Kunstfluglehrer Manfred Echter, der zwar in der Schweiz lebt, sich aber regelmäßig zu diesem Lehrgang in Babenhausen einfindet. „Der Kontakt nach Finnland entstand bereits vor vier Jahren“, blickt Echter zurück. Die Bedingungen für Segelkunstflüge sind in Finnland sehr gut, allerdings herrschen in Deutschland bessere Material- und Ausbildungsbedingungen“, erläutert Echter.

Die Grundausbildung bei diesem Lehrgang dauert nur fünf Tage. Neben Briefings am Morgen werden vor allem die praktischen Aspekte des Segelkunstfluges gelehrt. Am Ende der Woche müssen die Flieger-Schüler dann die praktische Kunstflugprüfung ablegen. „Vor einem Sachverständigen müssen die Schüler einen Prüfungsflug absolvieren, in dem sie eine festgelegte Reihenfolge von Figuren fliegen“, berichtet Echter.

Bevor es soweit ist, stehen aber erst einmal ein paar Übungsflüge auf dem Stundenplan. Fluglehrer Michael Eichler hat gemeinsam mit Flugschüler Daniel Forst in einem Segelflugzeug Platz genommen. Beide bereiten sich auf den Start vor, der in wenigen Minuten los geht. Viel Platz ist in dem Cockpit nicht vorhanden und Forst versucht, seine langen Beine irgendwie in eine bequeme Position zu bringen. „Daniel wird als erstes in den Rückgleitflug gehen und danach werden wir den Segler ins Trudeln bringen“, erzählt Eichler. „Dies dient dazu, den Schüler mit unterschiedlichen Fluglagen vertraut zu machen und lehrt das Beherrschen von besonderen Flugzuständen“.

Forst lächelt ganz ruhig. Kurz darauf erfolgt der Start, bei dem ein Helfer die ersten zehn bis 15 Meter neben der Flosse herläuft und das Flugzeug hält. „Das ist notwendig, da der Pilot die ersten Meter noch keine Einwirkung aufs Steuer hat“, sagt Pressewart Kluge. Die besten Startbedingungen hat der Pilot bei Gegenwind. Danach wird der Segelflieger in eine Höhe von 950 Metern über Grund oder 1050 Meter über Meeresspiegel geschleppt und ausgeklinkt. „Die Figuren werden bis zu einer Höhe von 450 Metern über Grund geflogen, danach ist Ende und man setzt zum Landeanflug an“,sagt Kluge. Insgesamt befindet man sich rund 15 Minuten in der Luft.

Wilhelm Dürrkopf mit 80 Jahren, einer der erfahrensten Piloten des LSC, weiß aus eigener Erfahrung zu berichten. „Die Schleppseile haben eine Länge zwischen 30 und 50 Meter. Je mehr Erfahrung der Pilot besitzt, desto kürzer wird die Leine.“Dürrkopf ist seit 1962 Kunstflieger und hat in seiner langen Fluglaufbahn an verschiedenen Kunstflugmeisterschaften teilgenommen.

Unterdessen sind Michael Eichler und sein Flugschüler Daniel Forst wieder gut gelandet. Ruhigen Fußes schreiten die beiden neben dem Segelflieger her und bringen ihn mit weiteren Helfern wieder in Startposition, denn die nächsten Flieger stehen schon bereit. „Segelflug und Segelkunstflug ist ein zeitaufwändiger Sport, der viel Stehvermögen verlangt“, berichtet Kluge. „Es ist erforderlich, schwierige Theorie zu beherrschen, die Flugprüfung abzulegen und die Lizenz durch genügend Flugstunden aufrecht zu erhalten.“ Und es ist ein Sport, der weniger kostet als Tennis oder Golf. Aber genauso schick ist.

Quelle: op-online.de

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