Gemeinde feiert den 50. Jahrestag der Kirchweih

Babenhausen: Sehr lebendiges Geburtstagskind

Da geht es dem Mainzer Bischof Peter Kohlgraf offensichtlich wie den meisten anderen Menschen im Moment. Als der Applaus für seine Bereitschaft und den Mut, den Festgottesdienst der St. Josef Gemeinde trotz Pandemie mitzugestalten, verklungen war, sagte der Bischof: „Vielen Dank, aber ich war ehrlich gesagt richtig froh, mal raus zu kommen. Ich sitze ja auch fast nur noch vor meinem Computer in Konferenzen“.

Babenhausen - Gemeinsam mit Pfarrer Ferdinand Winter und Diakon Marcus Ostheimer feierte er mit den Gläubigen einen trotz aller Einschränkungen stimmungsvollen Gottesdienst zur Erinnerung an die Weihe der St. Josefskirche am 1. Mai 1971. Der Neubau einer katholischen Kirche, die die ganz in der Nähe gelegene kleinere, baufällig gewordene St. Josefskirche aus dem Jahr 1888 ablöste, war wegen der vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg wachsenden Gemeinde nötig geworden.

Eine sinnvolle Zukunftsinvestition, wie ein Blick in die von Ursula Kurbel aus Beiträgen der Gemeindegruppen zusammengestellte Festschrift zeigt. Denn die aktuell 3 684 Mitglieder in allen Stadtteilen zählende Pfarrgemeinde ist lebendig und vielfältig.

Den Festgottesdienst verfolgten rund 120 Besucher, die Regel konform auf die Kirche, den Gemeindesaal und ein Zelt auf der Wiese verteilt waren. Mehr ging nicht. Mit dem Läuten ihrer Glocken gratulierte die evangelische Gemeinde zum 50. Jahrestag der Kirchenweihe.

„Das Glas ist immer halb voll oder halb leer“, sagte der Bischof aufmunternd: „Es ist doch positiv, dass wir dieses Fest feiern können“. Mit vielen biografischen Erinnerungen wandte er seinen Blick zurück in die Entstehungszeit der St. Josefskirche, die von einer Aufbruchstimmung und einer Hoffnung der Erneuerung auch in der Kirche geprägt gewesen sei. Er schlug einen Bogen von der „Volkskirche“ der Vergangenheit, die er persönlich als Familie empfunden habe, in die Gegenwart der katholischen Kirche, wo es „wie damals Licht und Schatten“ gibt. Die katholische Kirche habe heute „bei vielen kein gutes Image, woran auch die Bischöfe ihren Anteil haben“. Umso mehr danke er den Menschen, die Kirche mitgestalten und bei der nötigen Erneuerung mitmachen.

Mit ihren Musikbeiträge bereicherten Julia Aulbach, Martina Kardas, Franziska Joseph und Maja Seidl den Gottesdienst. Am Ende stellte Verwaltungsratsmitglied Michele Ridente die fünf Vorschläge vor, die es in die Endrunde des Ideenwettbewerbs für ein Kreuz an der Außenfassade der Kirche geschafft haben. Die neunköpfige Jury hatte sie aus 43 eingegangenen Vorschlägen ausgewählt. Bewusst ohne Nennung der Namen der Ideengeber werden die fünf Kreuze mit einer kurzen Beschreibung ab heute in der Kirche ausgestellt. Jetzt sei das Votum der ganzen Gemeinde gefragt, sagte Ridente: „ Alle Gemeindemitglieder, einschließlich der Kinder, sofern sie die Erstkommunion empfangen haben oder in diesem Jahr noch empfangen werden, sind herzlich eingeladen, in der Zeit vom 5. bis zum 19. Mai ihre Wahl zu treffen“.

Soll es ein Holzkreuz auf der Wiese sein, an dem eine Tafel mit Weihe- und Jubiläumsdatum befestigt ist (Idee 1) oder ein Auferstehungskreuz aus Bronze, das von einer Arbeit der Bildhauerin Andrea Zrenner inspiriert ist? Kreuz und Gestalt fließen ineinander. Der Tod wird in neues Leben umgeformt (Idee 2).

Zur Wahl steht auch ein schlichtes, matt glänzendes Aluminiumkreuz, leicht von der Wand abgehoben, um den Schattenwurf der Sonne oder der Straßenlaterne abzubilden (Idee 3). Idee 4 besteht aus zwei sehr ähnlichen Vorschlägen: einem Kreuz aus Mosaikfliesen, bei dem zusätzlich die Möglichkeit bestünde, über eine Spende eine Fliese mit dem eigenen Namen zu versehen. Oder man wählt ein Metallkreuz, das über sich drehende Stäbe besondere Lichteffekte erreicht und symbolisch Himmel und Erde verbindet.

Die Wahlzettel werden in der Kirche ausgelegt und sind auch auf der Homepage verfügbar. Jeder kann seinen Favoriten ankreuzen und den Wahlzettel in die Wahlurne in der Kirche einwerfen. Die Sieger-Idee, dann auch mit dem Namen des Verfassers, wird an Pfingsten im Gottesdienst präsentiert.

Da der Empfang nach dem Gottesdienst aus bekannten Gründen ausfallen musste, erhielt jeder Besucher zum Trost eine Geschenktüte mit einem kleinen Sekt, Orangensaft und ein paar Süßigkeiten zum Mitnehmen. Außerdem die Festschrift, die sich Interessierte auch im Gemeindebüro holen können.

Von Petra Grimm

Pfarrer Ferdinand Winter, der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und Diakon Marcus Ostheimer (von links) beim Festgottesdienst.

Rubriklistenbild: © Petra Grimm

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare