Gesangverein Eintracht

„Singen ist die Muttersprache“

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Der Gesangverein Eintracht aktuell: Zwei Dutzend Sänger zählt der Männerchor, der seit einem Jahr von Ilka Tousheh geleitet wird. Seit 1946 ist Heinz Ewald (dritter von links, vorn) aktiv mit dabei.

Babenhausen - „Das Singen ist die eigentliche Muttersprache aller Menschen“, postulierte einst der Geigenvirtuose Yehudi Menuhin. Beim Gesangverein Eintracht wird diese Muttersprache kultiviert. Und das bereits seit 140 Jahren.

Anno 1878 hob Wilhelm Fendt II. mit 16 musikalischen Männern den Gesangverein Eintracht aus der Taufe. Den würdigen Babenhäuser Sänger wählte man nur ein Jahr später zum Bürgermeister – der inzwischen auf 35 Aktive angewachsene Männerchor intonierte ein Ständchen. In dieser Tradition, der „Begeisterung für wahre Sangeskunst“, wie es in der Eintrachtchronik nachzulesen ist, steht der (Männer-)Chor noch heute. Die zwei Dutzend Sänger repräsentieren den Idealismus aus der Jugend des Gesangvereins – Frauen hatten erst deutlich später Zugang zum Gesangswesen. „Wir sind keine Popsänger“, sagt Reinhard Munzel aus dem Eintrachtvorstand. „Im 19. Jahrhundert wurde ein wunderschönes klassisches Repertoire für Männerchöre geschrieben“, erläutert der Fachmann. Diese Chorliteratur üben sie mit einer Frau ein. Die Dirigentin und Opernsängerin Ilka Tousheh hat, übrigens als erste Frau in der 140-jährigen Vereinsgeschichte, die Leitung des Männerchores vor einem Jahr übernommen. Auch der Kinderchor, dem rund 20 Nachwuchssänger angehören, wird von ihr geleitet. Das Singen bei der Eintracht ist schon seit Längerem nicht nur Männersache. „Women & Voices“ (seit 1999) unter Leitung von Rodrigo C. Affonso ist das weibliche Pendant zu den Sängern. Und hat ihn mit 30 Aktiven zahlenmäßig überflügelt.

Die Eintracht anno 1951: Der Männerchor wurde damals von Michael Frank geleitet, der mit seinem Ensemble sogar bei bundesweiten Gesangswettstreiten große Erfolge erzielte.

Zurück in die Eintrachthistorie: Rasch wurde der Gesangverein zu einem kulturellen Eckpfeiler der Gersprenzstadt. Im Januar 1879 fand ein Sängerball statt, ein Indiz, dass man gesellschaftliche Verantwortung übernahm, mittels Chorgesang die Gemeinschaft pflegte und Babenhausens Bürger bei Veranstaltungen begeisterte. Der Gesangverein steht auch für Beständigkeit. 20 Jahre stand Gründungsvater Fendt an der Spitze der Eintracht, auch der 1903 gewählte Thomas Kraft führte den Verein 20 Jahre an. Zwei Weltkriege musste der Gesangverein überstehen, gefallene Mitsänger und das Grauen menschlicher Abgründe verarbeiten. Als 1946 wieder erste Lieder angestimmt wurden, war ein junger Heimkehrer von der Front mit dabei: Heinz Ewald. Bis heute fehlt der begeisterte 72-Jährige bei keiner Probe, ist außerdem im Kirchenchor und in der AGV Bruderkette Schaafheim aktiv. „Singen ist gesund und man geht immer gut gelaunt nach Hause“, bringt es Manfred Kunkel auf den Punkt. 1988 stieß er zum Gesangverein dazu, saß zwei Jahre später bereits im Vorstand und steht seit 2006 beständig an der Spitze des Vereins.

14 Jahrzehnte Gesangsverein – das ist eine Leistung, die Flexibilität verlangt. Die Eintracht hat es geschafft, ist vital und um Nachwuchs bemüht. Bereits in Kindertagesstätten wirbt der Verein um junge Talente. Der jüngste Zweig, der Kinderchor Babenhausen, wurde 2014 an den Gesangverein Eintracht angekoppelt und hat sich in kurzer Zeit über die Grenzen der Stadt hinaus einen Namen gemacht. Die Opernsängerin Katja Boost-Munzel bereichert als Stimmbildnerin und Organisatorin die Arbeit mit den Kleinsten, Ilka Tousheh leitet die Formation. Im Gegensatz zum Sportverein können beim Singen mehrere Generationen, vom Fünf- bis zum 90-Jährigen gemeinsam aktiv sein, machte Kunkel noch ein bisschen Werbung. Sein Verein bietet Menschen ab dem Kindergartenalter eine musikalische Heimat. Und beim Jubiläumskonzert „Dreiklang“ am Sonntag formiert sich die gesamte Eintrachtfamilie zum großen Chor.

Die musikalischen Feiern des Chors

Im Geburtstagsjahr hat die Eintracht ein attraktives musikalisches Programm geschnürt. Mit dem Gemeinschaftskonzert aller drei Chöre und Solisten, kurz „Dreiklang“, am Sonntag, 18. März, in der evangelischen Stadtkirche erwartet Besucher gleich ein Höhepunkt. Beginn ist um 18 bei freiem Eintritt. Nach zahlreichen auswärtigen Gastauftritten der Eintracht-Ensembles ist im Herbst wieder ein Heimspiel: Der Männerchor hat am 6. Oktober den hamburger Musicalstar Kristin Riegelsberger zu Gast, die gemeinsam mit den Herren die Hits der 50er und 60er Jahre in die Stadthalle Babenhausen bringt. Der Frauenchor lädt zusammen mit dem Kinderchor für 4. November zum Frühstückskonzert „Coffee and Tea“ (Stadthalle) ein. Das musikalische Jahr endet mit dem Advents-Mitsingkonzert am 9. November in der Stadtkirche. Alle Infos zur Eintracht gibt es auf www.gv-eintracht-babenhausen.de. (zah)

Quelle: op-online.de

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