Seit über 125 Jahren Bäckerhandwerk in Hergershausen

Familienunternehmen in dritter Generation

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Hergerhausens Bäckermeister Norbert Klein führt die Landbäckerei in dritter Generation – seit 126 Jahren steht der Name Klein für herzhaftes und süßes Backwerk.

Hergershausen - Tradition – ein Wort, das häufig zu Unrecht benutzt wird und recht abgegriffen ist. In diesem Fall hat es volle Berechtigung: Seit über 125 Jahren hat das Bäckerhandwerk in Hergershausen Tradition. Bäckermeister Norbert Klein führt das Familienunternehmen bereits in dritter Generation.

„Ich wollte nie etwas anderes werden.“ Norbert Klein hat Feierabend und Zeit für ein Plausch. Im Verkaufsraum wird die Produktion des 64-jährigen Bäckermeisters über die Theke verkauft: Käse- und Mohnstückchen, der beliebte Riwwelkuchen, diverse Sorten Brot. Die Nusshörnchen sind aus, schade. Norbert Klein führt fort, was der Großvater einst begründete: die Hergershäuser Bäckerei. Mit seinem Handwerksbetrieb sichert er ein wichtiges Stück Ortskultur. Und bereichert seine Heimatgemeinde um eine Infrastruktur, die nicht mehr selbstverständlich ist. Norbert Klein ist tüchtig. Um 2.30 Uhr klingelt der Wecker, wenig später geht es in die Backstube. Zu viert produziert der Meister mit Gesellen und dem ein oder anderen Lehrling Brot, Brötchen, Torten und Teilchen, Kuchen und Brezeln.

Auch die Filialen in Altheim, Langstadt und Heubach werden täglich frisch mit Backwaren beliefert. Am Freitag geht es früher ran: Um die vielen Kunden zu bedienen, werden die Öfen bereits ab 23 Uhr eingeheizt. Das frühe Aufstehen, die Eigenverantwortung des Selbstständigen – diese Dinge fordern Abstriche. Vielleicht ist das der Grund, dass die Bäckerzunft kleiner wird. Erst vor Kurzem schloss nach 125 Jahren die Bäckerei des Kollegen Nennhuber in Groß-Zimmern – es hatte sich kein Nachfolger gefunden. Norbert Klein, der das Erbe des Vaters und Großvaters fortführt, hofft auf seinen eigenen Filius. Auch Björn Klein hat den Beruf der Väter erlernt und inzwischen seinen Meister gemacht.

Wie alles begann? Johann Klein begründete die Bäckerdynastie der Familie. Er eröffnete 1891 in der Schmalen Straße in Hergershausen eine kleine Landbäckerei. Später übernahm dessen Sohn, Adam Klein, das Geschäft. Und auch für den Sohn stand außer Frage, wohin das Berufsleben führen sollte. Gelernt hat Norbert Klein jedoch außerhalb des väterlichen Betriebs. „Ich bin von 1966 bis 69 in der Bäckerei Robert Schroth in Ober-Roden in die Lehre gegangen“, berichtet er. Damals war er erst 14 Jahre alt. In Sprendlingen und Klein-Auheim vertiefte er sein Können in der Backstube, das auch das heutige Berufsspektrum des Konditors tangiert.

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Norbert Klein ist Ausbilder, hat rund 20 Lehrlingen das Einmaleins seines Handwerks beigebracht. Einer ist geblieben: Erwin Wiche, der den Begriff des treuen Gesellen vorbildlich lebt, mit dem Meister seit über 40 Jahren in aller Herrgottsfrüh in der Backstube steht. Als ihm die Handwerkskammer 2016 eine Urkunde überreicht, macht Norbert Klein kein großes Aufheben um das Firmenjubiläum. 1 000 Euro spendet er an den Hergershäuser Kindergarten. Einen Wunsch hat er noch: Dass seine Arbeit nicht ausstirbt und mit Björn Klein in vierter Generation gebacken wird. Nach alter Tradition. (ula)

Quelle: op-online.de

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