Erfolge mit therapeutischem Reiten

Selbstbewusstsein auf Pferderücken

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Seit zehn Jahren gibt es beim Reit- und Fahrverein therapeutisches Reiten und Voltigieren.

Babenhausen - (mj) Manchmal braucht es einen Stuhl, um auf den Rücken eines Pferdes zu gelangen. Als der nicht zur Verfügung steht, rennt das Mädchen weg und holt sich die gewollte Kletterhilfe. Darauf, dass man das Mädchen nicht kurz anpackt und ihm aufs Pferd hilft, hat Mike Reining eine Antwort.

„Bei Kindern mit Down-Syndrom muss der gewohnte Rhythmus eingehalten werden. Jede Veränderung kann für sie Stress bedeuten.“

Bereits seit Mai 1999 wird im Reit- und Fahrverein Babenhausen (RuF) eine heilpädagogische Förderung mit dem Pferd angeboten. In diesem Jahr wird das therapeutische Reiten beziehungsweise Voltigieren zehn Jahre alt. Zur Feier beging man das kleine Jubiläum mit diversen Vorführungen sowie Kaffee und Kuchen in der Reiterschänke. Besonders freute die Verantwortlichen, dass mit Sharon Jäger und Robin Erbacher die Teilnehmer der ersten Stunde den Kontakt nicht verloren haben. Beide erhielten eine Urkunde.

Dass vor zehn Jahren das therapeutische Reiten auf der Schwedenschanze eingeführt wurde, ist vor allem der Verdienst von Iris Reining. Angesprochen, ob sie einem behinderten Kind nicht Reitunterricht geben könne, willigte die Langstädterin ein. Die Kompetenz dazu bringt die Diplom-Pädagogin mit: Schon vor vielen Jahren, als sie noch für die Dieburger Werkstätten für Behinderte tätig war, erwarb sie im westfälischen Münster dafür eine Lizenz. Zudem ist sie Mitglied im Kuratorium für therapeutisches Reiten.

Gutmütige Vierbeiner sind Freunde der Kinder

Einer der wichtigsten Grundlagen stellt das Pferd in Sachen Gutmütigkeit und absolutem Gehorsam dar.„Dass man ihm Bälle und Ringe um die Ohren schmeißt, macht nicht jedes Pferd mit“, weiß Reining. Mit „Jörn“, einer Norweger-Rasse, verfügt man derzeit über einen besonders gutmütigen Vierbeiner. Die Kinder, die das Angebot wahrnehmen, sind zwischen vier und 16 Jahre alt. Von den Regelkindern unterscheiden sie sich durch geistige und körperliche Behinderungen, motorische Probleme, einige haben das Down-Syndrom. „Reiten fördert das Gleichgewicht, es nimmt Ängste, und das Selbstbewusstsein und -vertrauen der Kinder wächst“, beschreibt Reining die Ergebnisse. Ihre Arbeit verlangt ein Höchstmaß an Ausdauer, denn die Fortschritte sind für Unbeteiligte kaum zu sehen und eröffnen sich meist nur den Therapiekindern und ihren Eltern. „Insgesamt macht die Sache viel Aufwand. Der größte Lohn ist aber zu sehen, wie die Kinder sich immer wieder über den Kontakt mit dem Pferd freuen“, sagt Reining.

Die 52-Jährige hat sich über die Jahre zu einer Expertin entwickelt, wie sich Tiere als Kommunikationsmittel einsetzen lassen. Wie sie weiß, sind tiergestützte Therapien und damit eine aktive Lebenshilfe nicht nur mit Pferden, sondern auch mit Katzen, Hunden oder sogar Meerschweinchen möglich. So nähmen Meerschweinchen in der Seniorenpflege und hier speziell bei der Kontaktaufnahme zu älteren, verschlossenen Menschen eine immer größere Bedeutung ein. Bei Pferden hat Reining schon erlebt, dass Kinder, die nicht redeten, mit Hilfe des Vierbeiners ihre Sprache wiedergefunden haben. „Für Tiere sind Menschen oft viel eher bereit, etwas zu tun und innere Hemmnisse zu überwinden“, erklärt sie.

Die Bedeutung von Tieren als Kommunikationsbrücke hat auch der Vorstand des RuF in den letzten Jahren erkannt. Wie Manfred Willand sagt, ist man stolz, so eine aktive Gruppe zu haben. Gerne würde man das Angebot verstärken, dennoch sei dies nicht einfach umzusetzen.

„Dazu brauchen wir Therapeuten, Helfer und nicht zuletzt ausgebildete Pferde, die sehr teuer und selten sind.“ Dennoch werde man die Abteilung weiter nach besten Kräften unterstützen: „Schließlich ist es schon eine tolle Sache, wenn man sieht, mit welcher Begeisterung die Kinder zum therapeutischen Reiten kommen. Dieser Anblick tut dem Verein, dem Vorstand und allen Beteiligten richtig gut“, so Willand.

Quelle: op-online.de

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