„Nicht einfach nur eine Mutti“

+
Silke Maaty ist seit 2006 selbstständige Tagesmutter und betreut derzeit vier Kinder. Silke Maaty betreut als Tagesmutter vier Kinder in Langstadt.

Langstadt - Traktor, Bagger, Kipper, alle stehen fein säuberlich an der Hauswand aufgereiht. Um die Ecke, im kleinen Innenhof stehen eine kleine Rutsche und andere Spielgeräte. Es ist schnell klar, dass Kinder im Haus von Silke Maaty eine große Rolle spielen. Von Sonja Achenbach

Als Tagesmutter kümmert sie sich jeden Tag neben ihren eigenen auch um vier weitere Kinder. „Es ist einfach eine tolle Arbeit“, sagt sie und blickt verträumt in die Ferne. Vor mittlerweile acht Jahren kehrte sie ihren zwei Jobs den Rücken und entschied sich, künftig auch den Kindern Fremder eine große Rolle in ihrem Leben zu geben. Die eigene Familienplanung war zu dieser Zeit mit drei Kindern eigentlich schon abgeschlossen, „da kündigten sich noch zwei Nachzügler an“.

Maik und Mark sind mittlerweile neun und zwölf Jahre alt und so etwas wie die großen Brüder für die Tageskinder ihrer Mutter. „Anfangs war das für die beiden nicht so einfach, mich zu teilen“, erzählt Maaty. Ein bis drei Jahre alt sind ihre aktuellen Tageskinder. „Wenn die kleinen von Maik und Mark hören, dass sie mich Mama nennen, dann wird das für sie schnell zur Gewohnheit, mich auch so zu nennen.“

„Tagesmutter ist eben nicht einfach nur eine Mutti“

Ganz so einfach ist der Berufswechsel allerdings nicht. „Eine Tagesmutter ist eben nicht einfach nur eine Mutti, die sich mal schnell etwas dazu verdient.“ Vielen Bedingungen musste sie Rechnung tragen, viele Formulare ausfüllen. Dann ist die Arbeit auch nicht auf die Kinder begrenzt. „Wir sind oft richtige Familientherapeuten und müssen in Extremfällen auch abwägen, ob das Jugendamt eingeschaltet werden muss“, sagt Maaty.

Zunächst kontaktierte sie die „Tageseltern Tageskinder Vermittlung“ in Darmstadt (TTV). Nach 60 Stunden Grundqualifizierung im Fach Pädagogik und einer erteilten Pflegelizenz vom Jugendamt hatte sie es schwarz auf weiß: Sie kann als Tagesmutter arbeiten. Zumindest die kommenden fünf Jahre, bis Vertreter des Jugendamtes erneut kontrollieren, ob das Haus von Silke Maaty kindgerecht eingerichtet ist. Zusätzlich dazu muss die ehemalige Angestellte eines Fitnessstudios und eines Büros 20 Stunden Fortbildung in einem Jahr absolvieren – was sie mehr als Chance, denn als Zwang empfindet. Ein Kurs zur „Erste Hilfe am Kind“ gehört auch dazu.

Mädels und Jungs bis drei Jahre oder über drei Jahre

Bevor dann die ersten Kinder bei der neuen Tagesmutter spielen dürfen, ist noch lange nicht alles erledigt. Da gilt es sich zu entscheiden, ob Mädels und Jungs bis drei Jahre oder über drei Jahre betreut werden. „Natürlich muss sich niemand wirklich entscheiden, aber es gibt Fördergelder jeweils nur für Kinder in Betreuung ab, oder bis drei Jahren“, führt Maaty aus. „Bambini-“ und „Offensive Gelder“ werden vom Landkreis an die Tagesmutter ausgezahlt, richten sich nach den Betreuungsstunden der einzelnen Kinder, sind jedoch auch mit einer Obergrenze ausgestattet.

Es war ein ganzer Berg an Papier, durch den sie sich wühlen musste, bevor Maaty einen Überblick über die möglichen Förderungen gewonnen hatte. „Mit mehr als 1 000 Euro darf man nicht gefördert werden“, berichtet die Tagesmutter.

Dazu kommt dann der eigentliche Stundenlohn der Tagesmutter. Bei Maaty beträgt der generell fünf Euro pro Stunde pro Kind. „Es ist nicht ganz einfach zu erklären aus welchen Töpfen der sich zusammensetzt.“ Einer Verkäuferin könne sie schließlich nicht den gleichen Betrag berechnen wie jemandem, der mehr als 60.000 Euro im Jahr verdient. „Es muss alles im Verhältnis bleiben“, denn die Möglichkeit, zwischen Kindertagesstätte und Tagesmutter zu wählen, solle jedem offen bleiben.

Die Fördermöglichkeiten

Dazu kommen dann noch Fördermöglichkeiten: Bei einem Verdienst von 15.000 Euro im Jahr werden die gesamten Kosten vom Jugendamt übernommen. Dies wird dann in mehreren Schritten bis zu einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro im Jahr gestuft. Wer oberhalb der letzten Grenze liegt, muss die Tagesmutter komplett aus eigener Tasche finanzieren.

Bisher habe sie noch für jedes Kind eine Lösung gefunden, sodass der Nachwuchs im Fordergrund bleibt und die Verwaltung keine Überhand nimmt.

Quelle: op-online.de

Kommentare