Hollywood an Kasse drei

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Eingekauft hat Peter Kaiser, gespielt von Udo Rach, aber das Bezahlen macht ihm Probleme. Sein Portemonnaie ist weg.

Babenhausen - An Kasse drei starrt Skriptgirl Heide Benker die Tabelle auf ihrem Klemmbrett an. In die Kästchen soll sie Kameraminute, Szene, Einstellung und Kameraposition eintragen. Kompliziert. „Wir sind jetzt bei 15“, sagt ihr der Kameramann und meint damit die Minuten. Von Katharina Hempel

Sechste Szene, erster Versuch. Filmdreh in Babenhausen. Das Senioren-Team des Offenen Kanals (OK) Offenbach filmt eine Szene seines neuen Streifens im Edeka hinter der Altdörfer Kirche. Organisiert hat das der Babenhäuser Horst W. Günther. Er gehört ebenfalls zu den Hobbyfilmern des Bürgerfernsehsenders. Ursprünglich wollten sie die Szene in einem Supermarkt in Frankfurt aufnehmen, doch dort bekamen sie weder Dreh- noch Sendegenehmigung.

Der Offene Kanal kann nur über Kabel empfangen werden. Wann der Spielfilm dort ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest, doch in unserer Zeitung werden Sie davon erfahren.

Der kleine Spielfilm, den das OK-Team drehen will, trägt den Arbeitstitel „Verwechslung“. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Mehr will Regisseurin Ulrike Kremser, von der auch das Drehbuch stammt, nicht verraten. Beleuchter Ralf Kolitz hat die Scheinwerfer aufgebaut. Die Kameramänner sind bereit. Der Protagonist läuft vor dem Salzgebäck auf und ab. Statistin Gilberte schubst noch schnell ihren Einkaufswagen durch die Gänge. Sie braucht Joghurt und Tomatensoße, um sie auf das Warenband zu legen. An Kasse drei soll die 17-jährige Melanie weiter nach vorne rutschen. „Dann haben wir auch ein junges Gesicht im Bild“, entscheidet Regisseurin Ulrike Kremser.

Die Supermarktleiterin schaltet die Hintergrundmusik aus. Dann kann es endlich losgehen, an Kasse drei. „Szene 6.1/1“, notiert Skriptgirl Heide Benker im Drehplan. Peter Kaiser, gespielt von Udo Rach aus Langen, ist dran. Er platziert Paprika, Käse und Wein in seinen Korb. Die Kassiererin schiebt schneller nach als er räumt. Die Schlange hinter Peter Kaiser wird länger. „Oh nein“, ruft er, „ich habe kein Geld mit.“ Er tastet sich ab, sein Portemonnaie taucht trotzdem nicht auf. Er blickt die Kassiererin entschuldigend an und geht.

Ulrike Kremser (rechts) gibt den Statisten die letzten Regieanweisungen. Melanie (links) wird für ihre Oma, Skriptgirl Heike Benker (Mitte), Haarfestiger kaufen.

Das Skriptgirl schreibt die 20. Drehminute auf. Wieder alle auf Position, dann alles noch einmal. „Du musst noch tollpatschiger sein und den Betrieb noch mehr aufhalten. Klopf deine Hose und dein Jackett ab“, sagt Lichtspezialist Ralf Kolitz in der kurzen Drehpause. Hauptdarsteller Rach: „Das ist gar nicht so einfach, sich dabbisch anzustellen, wenn man seine Routine als schneller Einkäufer hat.“ Regisseurin Ulrike Kremser ruft wieder „Action“. Skriptgirl Heide Benker notiert den zweiten Drehversuch der sechsten Szene. Diesmal klappt alles, das OK-Team ist zufrieden und packt zusammen. „Wir wollen den Betrieb hier ja nicht länger aufhalten als nötig“, sagt Horst W. Günther, der diesmal nur Statist war.

Quelle: op-online.de

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