„Fast wie eigenes Haus“

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Doris Strauß arbeitet seit der Eröffnung der Einrichtung vor 30 Jahren im Servicebereich.

Babenhausen-Harreshausen - Doris Strauß kennt das Haus wie ihre Westentasche.

Als das Seniorenzentrum Bethesda vor 30 Jahren seine Pforten öffnete, begann auch Strauß dort als Praktikantin, lernte den Beruf der Hauswirtschafterin und arbeitet seitdem in den verschiedenen Servicebereichen. Sie ist sozusagen das Urgestein der Senioreneinrichtung in Harreshausen. Niemand ist so lange dabei wie sie. Gemeinsam mit der Einrichtung feiert die Hergershäuserin das 30-jährige Bestehen.

„Das Haus ist fast wie mein eigenes. Ich fühle mich hier so wohl, dass ich gar nicht mehr ‚umziehen‘ möchte“, lacht die 48-Jährige. Sie hat die baulichen und inhaltlichen Entwicklungen der Einrichtung mitgetragen. „Das Haus ist immer mit der Zeit gegangen. Als Unternehmen darf man nie auf der Stelle treten. Das gibt der Markt nicht her“, weiß Strauß. Mit der Zeit sei die Arbeit in allen Bereichen stressiger geworden, die familiäre Atmosphäre der Anfangstage ein wenig verloren gegangen. „Heute ist der Aufwand für alle Tätigkeiten aber auch viel höher. Früher musste noch nicht so viel dokumentiert werden. Alles muss für Außenstehende nachvollziehbar sein.“ Dagegen seien die Wohnbereiche und Zimmer gemütlicher, heller und freundlicher als noch vor drei Jahrzehnten. Doris Strauß zweifelte anfangs, ob sich ein Pflegeheim in ländlicher Region wegen der schlechteren Infrastruktur lohne. Nach 30 Jahren weiß sie: „Der Zuspruch gibt dem Haus recht.“

Die Aufteilung des Unternehmens in vier Tochtergesellschaften und das Sozialwerk vor fünf Jahren hat Strauß anfangs als schwierig empfunden. „Ich wurde in verschiedenen Bereichen zu unterschiedlichen Arbeitszeiten eingesetzt. Das war anstrengend“, erzählt sie. Seit vier Jahren ist Kontinuität in ihren Arbeitsalltag eingekehrt. Sie ist in der Reinigung beschäftigt, teilt sich mit neun Kolleginnen die Arbeit. Strauß schätzt den kollegialen Zusammenhalt und den Kontakt zu den Bewohnern, der ihr seit 30 Jahren eine Herzensangelegenheit ist. „Wenn ich merke, dass jemand reden möchte, hänge ich nach meiner Arbeitszeit auch mal zehn Minuten dran.“ In drei Jahrzehnten hat die 48-Jährige viele Bewohner kommen und gehen sehen. „Bis heute bin ich immer wieder überrascht, wie schnell ein Mensch im Alter abbauen kann“, sagt die Hergershäuserin.

In der Freizeit findet Doris Strauß im Sport die Abwechslung. Neben Fitnesstraining läuft sie leidenschaftlich gerne und nimmt mindestens einmal pro Jahr an einem Marathon teil. Mit dem Fahrrad zur oder nach der Arbeit im Laufdress nach Hause ist keine Seltenheit. Darüber hinaus ist die Jubilarin eine ausgesprochene Hobbyfotografin.

Eine Anekdote gibt Strauß noch zum Besten: „Auf einer der ersten Weihnachtsfeiern wollte der erste Heimleiter, Herr Jacoub, mit feinem Dress schnell in der Küche aushelfen. Mit glatten Schuhen kam er ins Schleudern und landete fast in meinen Armen. Nach einer peinlichen Schrecksekunde fielen wir alle in herzhaftes Gelächter, Herr Jacoub eingeschlossen.“ 30 Jahre einem Arbeitgeber treu zu bleiben, findet Doris Strauß nicht schlimm.

Im Gegenteil: „Das beweist doch nur, dass ich mich hier wohl fühle und die Arbeit nie langweilig geworden ist.“

 st

Quelle: op-online.de

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