Wo sich Gans und Knoblauchkröte wohlfühlen

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Biotoptour

Hergershausen - Hier brütet der seltene Eisvogel. Fühlen sich Weißstörche heimisch. Tummeln sich Biber. Haben viele Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste ein geschütztes Zuhause gefunden. Von Ursula Friedrich

Das rund 200 Hektar große Gebiet in der Gersprenz-aue bei Hergershausen ist ein reiches Zeugnis für die Bemühungen, eine der Zivilisation angepasste Landschaft durch behutsame Renaturierungsmaßnahmen an die Natur zurückzugeben.

Um einen Einblick zu gewinnen, hatte Kreisbeigeordneten Christel Fleischmann zur siebten Biotoptour durch die herbstlichen Auenlandschaften eingeladen. Rund 80 Besucher haben sich am frühen Sonntag morgen der Biotop-Führung durch die taubenetzten Hergershäuser Wiesen angeschlossen.

Keineswegs deutsche Wurzeln

 „Was hier so herrlich blüht, ist das indische Springkraut“, erläutert Dr. Wolfgang Heimer, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Dass die Pflanze, wie der Name erahnen lässt, keineswegs deutsche Wurzeln hat, liegt auf der Hand. Ein Resultat von Globalisierung und Klimaerwärmung, erläutert Heimer. Überall, wo der Mensch seine Hand im Spiel hat, wirken sich diese Entwicklungen unmittelbar aus. Ob dies die Begradigung der Gersprenz ist, die in den Vierzigerjahren zwischen Münster und Hergershausen betrieben wurde, um Wiesen in Äcker zu verwandeln. Oder das Ansiedeln von Pflanzen und Tieren, die eigentlich auf anderen Kontinenten heimisch sind. Auch das Nutria, eine südamerikanische Biberratte, fühlt sich an der Gersprenz heimisch, Kanada- und Nilgänse sind ebenfalls zu beobachten.

Positiv wirkte sich die Erkenntnis aus, die wertvollen Auenlandschaften Stück für Stück zu renaturieren. Ein Prozess, der 1980 durch die Ausweisung zum Naturschutzgebiet begann, so Heimer. Sukzessive wurden Flächen erworben und in artenreiche Feuchtwiesen zurückentwickelt, aber auch der Beweidung durch Schafe, Pferde und Rinder überlassen. Die Natur eroberte sich ihr Reich zurück, Röhrichte, Gehölze und artenreiche Wälder entstanden.

Kostenintensive Renaturierung der Gersprenz

Die wohl kostenintensivste Maßnahme war die abschnittsweise Renaturierung der Gersprenz und ihrer Seitenarme, die heute wieder wie vor 100 Jahren in Mäandern durch die Landschaft fließen. Das Land Hessen, Naturschutzverbände, Wasserverband und Landkreis finanzierten die zahlreichen Maßnahmen, deren Kostenhöhe kaum noch beziffert werden könne, so Heimer. Das Resultat der Bemühungen ist ein kostbarer Lebensraum für Vögel, Insekten, Flussbewohner, Säuger und Pflanzenwelt. „Ich wusste gar nicht, was wir hier alles haben“, staunte eine Besucherin, „dabei wohne ich in Hergershausen.“ Knoblauchkröte, Uferschnepfe, Sumpfschrecke, Ameisenbläulinge, ja sogar Orchideen zeigen sich dem ambitionierten Naturfreund.

Um Konflikte dieses Kleinods mit erholungssuchenden Menschen zu vermeiden, wurden Rad- und Wanderwege mit Aussichtsspunkten angelegt, die viele Naturbeobachtungen ermöglichen. Vogelliebhaber haben bereits jetzt die Ferngläser geputzt, um den Zug der Kraniche mitzuerleben, die in den Gersprenzauen gerne längere Rast einlegen.

Quelle: op-online.de

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