Grenzgang in Langstadt führt an Bäumen vorbei, die als totes Gehölz noch zu etwas Nutze sind.

Wo sich Habicht und Käfer wohlfühlen

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Rüdiger Manowski (Mitte) begrüßte die Grenzgänger, dann ging es auf die Strecke.

Langstadt - Die Veranstalter der Karnevalsabteilung des TSV konnten zufrieden sein. Bei idealem Wanderwetter setzten sich am Samstagmittag 166 Spaziergänger aller Generationen an der evangelischen Kirche zum neunten Grenzgang in Bewegung. Von Petra Grimm

Angeführt von den beiden Förstern Lothar Seipp und Tino Manthey und dem Vorsitzenden der Karnevalsabteilung, Rüdiger Manowski, marschierten sie rund sieben Kilometer, ehe es zum Abschluss im Sportlerheim bei deftiger Hausmannskost dann gemütlich wurde. Mit Kaffee und Kuchen stärkten sich die Wanderer unterwegs in der Wacholderschneise.

Lothar Seipp erläuterte an verschiedenen Stationen das Thema „Waldverjüngung“. So war beispielsweise an der Biedermannschneise eine etwa 45 Jahre alte Fichtenfläche im vergangenen Jahr stark von Borkenkäfern befallen worden. Im Dezember wurden diese Fichten dann entfernt. Die Douglasien blieben stehen. In diesem Frühjahr habe man durch eine Bodenverwundung dann die dichte Nadelstreu teilweise entfernt, um damit die natürliche Verjüngung, also Vermehrung, der Douglasie zu unterstützen, erklärte Seipp. An einer Stelle mit 110-jährigen Buchen wurde Anfang September vor dem Bucheckernfall auf dem stark vergrasten Boden ebenfalls eine Bodenverwundung durchgeführt, um die Keimbedingungen für die Bucheckern zu verbessern.

So genannte Habitat-Bäume Zuhause für viele Tiere

Bei bester Stimmung ging es weiter entlang der Langestein-Schneise und Pürsch-Schneise, parallel zur Schaafheimer Grenze. Zu sehen waren so genannte Habitat-Bäume, die in ihren Höhlen und Rissen im Stamm vielen Tierarten - Vögeln, Käfern oder Würmern - einen Lebensraum bieten. Sie werden auch Horst-Bäume genannt, weil der Habicht, Bussard oder auch Milan auf ihnen ihre Nester bauen. In tiefen Stammrissen und Rindentaschen finden Fledermäuse ein Quartier. Gefällt werden diese oft schon abgestorbenen Bäume nur, wenn sie am Wegrand eine Gefahr für Spaziergänger sind.

Nabu baut Insektenhotels und Trockenmauer

Von der Wacholder- und Steinkaut-Schneise aus marschierte die Truppe wieder Richtung Langstadt. Lothar Seipp erklärte den Spaziergängern die Frucht- beziehungsweise Samenentwicklung bei der Kiefer, die anders als bei den übrigen Bäumen über drei Jahre geht. Im Wingert ging der Förster auf die Arbeit des örtlichen Nabu ein, der in diesem Gebiet beispielsweise Insektenhotels und eine Trockenmauer gebaut hat. Die Entwicklung einer Kulturfläche zeigte der Förster den Wanderern auch: Auf einer von den schlimmen Stürmen im Jahre 1990 verwüsteten Fichtenfläche waren die Ergebnisse der Aufforstung mit Stiel-Eiche in den Jahren 1992 und 93 zu sehen.

Quelle: op-online.de

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