Syrische Flüchtlingsfamilie

Ostern mit anderen Riten

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Beim syrisch-orthodoxen Gottesdienst in Großostheim zogen die Gläubigen feierlich in die Kirche ein.

Sickenhofen - Die syrische Flüchtlingsfamilie Hadad feiert das Fest als Christen so wie Deutsche - mit kleinen Ausnahmen. Von Michael Just 

Die Familie Hadad in ihrer Wohnung in Sickenhofen. Zu Besuch ist Pfarrer Stefanos Stefan (zweiter von rechts) von der Kirchengemeinde der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien in Aschaffenburg.

Der Bürgerkrieg in Syrien bringt derzeit viel Leid über die dortigen Menschen. „Mein Schwager ist noch da. Mit seinen 25 Jahren müsste er nun nach dem Studium zum Militärdienst. Aber er versteckt sich, weil er als Christ von Assads Armee mit Sicherheit als Kanonenfutter eingesetzt werden würde“, erzählt Osama Hadad. Jetzt vor Ostern denkt der 45-Jährige, der mit seiner Frau und den beiden Kindern im Alter von einem und drei Jahren in Sickenhofen wohnt, oft an das Familiemitglied, zu dem es aufgrund gekappter Telefonleitungen so gut wie keinen Kontakt gibt. Die Flüchtlingsfamilie gehört der syrisch-orthodoxen Glaubensrichtung an, für die jetzt, wie für viele ihrer deutschen Mitbürger, das Osterfest bevorsteht. Mit seiner Familie, seinen Schwiegereltern und einem weiteren Schwager wohnt der Kardiologe im dritten Stock eines alten Sandsteinhauses gegenüber der Kirche. „Im letzten Jahr entschieden wir uns zur Flucht, nachdem die Sicherheit mit Kämpfen und Autobomben in Damaskus für meine Familie nicht mehr gewährleistet war“, berichtet der Arzt auf Englisch. Mit einem Visum konnte man im September 2013 ausfliegen und dem Bürgerkrieg sowie der zunehmenden Christenverfolgung entkommen.

Betreut werden die Hadads vom Landkreis, einem Helferkreis engagierter Sickenhöfer Bürger als auch von der Kirchengemeinde der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien in Aschaffenburg. Sie nutzt für ihre Gottesdienste die katholische Kirche in Großostheim.

Fahrdienst bringt Hadads zum Gottesdienst

Behnan Elizabet ist von der Kirchengemeinde beauftragt, Flüchtlingen unter die Arme zu greifen. In Deutschland geboren spricht sie deutsch, englisch, arabisch, türkisch und aramäisch. Aramäisch ist die Sprache Christus, die auch in den Gottesdiensten und beim Lesen aus der Bibel zum Tragen kommt. Rund 100 Familien mit Wurzeln in Mesopotamien, darunter aus Syrien, der Türkei, dem Irak und dem Libanon, gehören der Gemeinde an. „Wir kämpfen um Arzttermine und vieles mehr. Leider werden Flüchtlinge immer noch wie Menschen zweiter Klasse behandelt“, sagt die 38-Jährige und verweist darauf, dass selbst Notfälle von Kliniken abgewiesen werden, wenn nicht vorher der benötigte Einweisungsschein von einem Arzt vorliegt.

Die syrisch-orthodoxe Gemeinde zeigt sich mit Pfarrer Stefanos Stefan besonders bemüht, die Hadads zu integrieren. So gibt es einen Fahrdienst zu den Gottesdiensten, die jetzt an Ostern zahlreich anstehen. Seit Tagen ist der Priester bereits damit beschäftigt, das große Fest vorzubereiten. Am Palmsonntag trug er ein Kreuz durch die Kirche, das mit Olivenblättern geschmückt war. Da diese, wie die Palmblätter, nicht in Deutschland wachsen, werden sie über den Großmarkt bestellt. „Wir feiern den Tod und die Auferstehung Christi genauso wie die Christen hier. Nur die Liturgie und die Riten sind anders“, erzählt Stefan.

Osterhase spielt keine Rolle

So wird beispielsweise am Karfreitag das Kreuz nach einer Prozession in ein weißes Tuch gewickelt und anschließend in einen kleinen, geschmückten Sarg getan. Am Auferstehungstag wird es wieder aus dem Sarg geholt. Um dem Tod Christi zu gedenken, trinken die Gläubigen zudem eine Mischung aus Essig, Myrrhe und einem alkoholfreien Magenbitter. Damit sollen sie die Leiden Jesu und das Getränk nachempfinden, das der Soldat Christus gab, als dieser am Kreuz Durst hatte.

Am Samstag essen die Gläubigen nach der Messe traditionell eine Art Milchreis, der wie die anderen weißen Milchprodukte die Reinheit Christi symbolisiert. Während der Hase in der syrisch-orthodoxen Kirche keine Bedeutung hat, ist die des Ei umso größer. Die Hülle ist Sinnbild für das Grab Christi, der Inhalt für Leben und die Auferstehung des Heilands.

In die Osterfeierlichkeiten in Großostheim sind die Hadads eingebunden, dazu wollen sie vielleicht auch mal in der Sickenhöfer Kirche vorbeischauen. Pfarrerin Elke Becker hat sich ihnen bereits vorgestellt.

Nach Ostern beginnt wieder der Alltag für die Familie, der nicht einfach ist, denn die Nahversorgung in Sickenhofen gestaltet sich ohne Auto als schwierig. Langfristig wollen die Hadads in Deutschland bleiben. Mit einem Arzt und einer Englisch-Lehrerin bekäme das Land eine gebildete Familie. Um weiter Fuß zu fassen, müssen aber erstmal die Sprachkurse erfolgreich absolviert werden. Wie die Hadads sagen, lieben sie ihr Heimatland und auch eine Rückkehr sei denkbar. Voraussetzung dafür sei aber, dass erstmal das Morden und Töten aufhört in Syrien und wieder der Frieden zurückkommt.

Eindrücke vom Ostermarkt in Babenhausen

Ostermarkt in Babenhausen

Quelle: op-online.de

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