Was wird aus alten Grabsteinen?

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 Blick über den Sickenhöfer Friedhof; viele freie Flächen zeugen von abgeräumten Grabstellen.

Sickenhofen - Gelegentlich kann man auf den Friedhöfen der Region Menschen beobachten, die Grabsteine und Kreuze fotografieren. Sie gehören dann oft zum Verein für Computergenealogie, der seinen Sitz im nordrhein-westfälischen Erkrath hat. Von Walter Kutscher 

Da arbeiten in ihrer Freizeit deutschlandweit viele Ahnen- und Familienforscher, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Friedhöfe und Grabstätten zu erfassen und zu katalogisieren. Aus dem hiesigen Raum sind momentan folgende Friedhöfe im Internet zu finden: alter und neuer Friedhof in Dieburg, in Münster und Eppertshausen sowie die Friedhöfe von Langstadt, Harreshausen, Harpertshausen, Hergershausen und Sickenhofen.

Die Geschichte der Friedhöfe ist ein Abbild unserer Kultur und zeigt auch hier facettenreiche örtliche Eigenheiten auf.

Am Beispiel des Sickenhöfer Friedhofs lässt sich anschaulich darstellen, wie diese Forschungsarbeiten erfolgen und was mit den Informationen geschieht. Betritt man - vorbei am Kriegerdenkmal - den Friedhof durch den Haupteingang, fallen viele Freiflächen auf, wo sich bis vor wenigen Jahren noch Gräber befanden. Schon bald sind dem Besucher die Namen und Daten der hier Beerdigten entfallen, obwohl man sie jahrelang auf den Grabsteinen gelesen hat und man fragt sich jetzt: „Wer war da noch begraben?“ Hier lässt sich nun bei einem Blick ins Internet diese Frage zumindest teilweise beantworten und durch die Katalogisierung wird klar, dass die Informationen von Grabsteinen und -kreuzen der Nachwelt erhalten werden sollen. Wie der Verein für Computergenealogie auf seiner Internetseite berichtet, begann alles 2007, als eine kleine Gruppe Ahnen- und Familienforscher die Erforschung von Gräbern als informativer historischer Quelle für sich entdeckte. Anlass war ein Bericht in einer Tageszeitung über abgeräumte Grabsteine von Gräbern, deren Liegezeiten abgelaufen waren. Die Friedhofsverwaltung suchte Verwandte, die die Grabsteine übernehmen wollten. Ohne sie würden die Steine geschreddert und als Straßenunterbau verwendet.

Auch Steinmetzmeister Alfred Appel aus Babenhausen kennt dieses Vorgehen: „Grabsteine werden häufig in der Schredderanlage der Firma Hardt an der Straße nach Dudenhofen zerkleinert.“ „Früher“, so Appel weiter, „wurden die Steine auch abgeschliffen und wiederverwendet. Durch neue Vorschriften über die Maße der Grabsteine ist dies nun nicht mehr problemlos möglich, da die Steine beim Abschleifen an Dicke verlieren und somit nicht mehr das in der Friedhofsordnung vorgeschriebene Mindestmaß von 14 Zentimetern bei Steinen bis einem Meter Höhe erreichen.

Weitere Informationen gibt es im Internet.

Auch aus kultureller Sicht sind die Grabsteininformationen bedeutend, ist es doch dadurch möglich, einen Vergleich des Stilwandels der steinernen Denkmale zu verfolgen. Früher wurden häufig neben den genauen Geburts- und Sterbedaten auch Berufsbezeichnungen auf den Grabsteinen angebracht, da viele der Menschen sich damals noch mit ihrer Arbeit persönlich mehr identifizierten als das heute der Fall ist. Heutige Grabsteine sind hingegen in der Regel schlichter gestaltet. Besonders in Großstädten dominieren zudem grabsteinlose Beerdigungsarten (Friedwald, Seebestattung oder anonyme Beisetzungen). Durch das Online-Projekt des Vereins für Computergenealogie wird somit ein Teil der heutigen Bestattungskultur für nachfolgende Generationen archiviert.

Wie der Verein weiter berichtet, ist die Rechtmäßigkeit der Veröffentlichung von Grabsteinbildern gegeben, da bereits mit dem Aufstellen eines Grabsteins die Öffentlichkeit hergestellt wurde. Dennoch werden mit Rücksicht auf trauernde Angehörige keine Grabsteinbilder von Personen veröffentlicht, die im laufenden oder vorhergehenden Jahr verstorben sind.

Quelle: op-online.de

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