Restaurierte Objekte

Signale für den Bahnhof

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Die Bahnsignale lagern auf dem Gelände der Firma Aumann. Kai-Uwe Werner bereitet die alten Stücke auf.

Babenhausen - Kai-Uwe Werner streift den blauen Arbeitsmantel mit dem DB-Logo über und nimmt die Plastikplanen von dem zehn Meter langen Mast. Er wirft einen Blick auf den langen Stahl und registriert, was zu tun ist am Objekt. Von Stefan Scharkopf

Werner begeistert sich für alles, was mit der Bahn zu tun hat. Seine Leidenschaft hat er auch zum Beruf gemacht – er ist Lokführer und hat zudem noch eine Wohnung im Babenhäuser Bahnhof bezogen. Und hat jetzt Grund zur Freude.

Der Bahnhof in der Kernstadt wird, wie berichtet, derzeit mit großem Aufwand umgebaut und saniert. Das Stadtparlament hat sich in seiner jüngsten Sitzung einstimmig dafür ausgesprochen, in der Grünanlage des Vorplatzes eine geeignete Fläche freizuhalten, um im nächsten Jahr oder noch 2014 die Bahnsignale aufstellen zu können, die derzeit auf dem Betriebsgelände der Firma Aumann lagern und an denen Bahnfan Werner werkelt.

Mithilfe der Stadt, des Heimat- und Geschichtsvereins, dem Bauunternehmen Aumann und der Schlosserei Hofmann wurde im August 2009 mit der Aufarbeitung des historischen Signals aus dem Jahre 1918 begonnen. Das etwa zehn Meter hohe Trumm stand bis 1988 am Gleis 2 des Langstädter Bahnhofs. Danach wurde es außer Betrieb genommen. Dr. Klaus Lötzsch, damaliger Vorsitzender des HGV, und Werner beschlossen, das Gerät zu retten. Ziel aller Beteiligten war, das wuchtige Instrument nach dessen Restaurierung beim Bahnhof aufzustellen, doch es gab damals Bedenken. Der Babenhäuser Wilhelm Spiehl machte dieser Tage einen neuen Vorstoß und schrieb Stadtverordnete an. Er warb beim Bauamt und im Magistrat für die Aufstellung und hatte damit schlussendlich Erfolg. Ingrid Schumacher („Bürger“) formulierte daraus einen Antrag ans Stadtparlament, dem sich alle Parlamentarier anschlossen. Ein möglicher Standort wäre die Stelle, an der das Denkmal stand. Geplant ist, dass Signal betriebsfähig mit einem stellbaren Hebel herzurichten.

„Was das Signal so besonders macht, ist, dass es in genieteter Ausführung hergestellt wurde. Es ist ein Einzelstück mit Seltenheitswert“, sagt Kai-Uwe Werner. Bis 1945 wurden diese Anlagen genietet, danach nur noch geschweißt. Es ist ein altes Hauptsignal mit zwei Flügeln – einer wurde bereits ersetzt – in gekoppelter Ausführung. Das Baujahr wird auf die 20er Jahre taxiert. Über Eisenbahnfreunde verschiedener Vereine kam Werner zusammen mit den Signalwerken Wuppertal an Ersatzteile, die für eine Aufarbeitung notwendig waren. Vieles zahlte er aus eigener Tasche.

Zu dem großen Gerät kommt noch ein Vorsignal hinzu, das elektrisch betrieben wurde, aus Merseburg stammt und erst 2012 außer Betrieb ging. Mit der Bahn kam es nach Hanau, von dort holte es die Firma Aumann ab und brachte es auf sein Betriebsgelände. Aufmerksam darauf wurde Werner, als er mit Oberleitungsarbeiten in Merseburg zu tun hatte. Die DB Netz überließ dem Babenhäuser Eisenbahnfreund das Objekt. Das Vorsignal erhielt mittlerweile eine neue Farbscheibe und den passenden Flügel nach westdeutscher Bauart. Wenn die beiden Signale ihren letzten Standort gefunden haben, sind sie sicher ein Blickfang am sanierten Bahnhof. Mehr Infos und Bilder unter www.hessiche-ludwigsbahn.de/link_12572153.html.

Quelle: op-online.de

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