Silber für den „Kulturpapst“

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Bürgermeisterin Gabi Coutandin und Stadtverordnetenvorsteher Rüdiger Manowski überreichen die Auszeichnung an Dr. Klaus Lötzsch (von links).

Babenhausen ‐ 233 Kilometer sind es bis nach Bouxwiller, 368 Kilometer nach Lichtentanne. Aus beiden Partnerstädten scheuten die Bürgermeisterinnen Danielle Buchi und Inge Krauß die lange Anfahrt für eine außergewöhnliche Ehrung nicht: Dr. Klaus Lötzsch wurde die Silberne Verdienstplakette der Stadt Babenhausen verliehen. Von Michael Just

In den zurückliegenden 30 Jahren vergab man die Plakette einschließlich der jüngsten Ehrung nur sieben Mal, darunter fünfmal an Menschen, die sich für Historie interessieren.

Laut Ehrenordnung sollen diese Auszeichnung jene Persönlichkeiten erhalten, die sich auf politischem, kulturellem, wirtschaftlichem, sportlichem, sozialem oder wissenschaftlichem Gebiet in besonderer Weise hervortaten und so das Ansehen Babenhausens über die Grenzen der Stadt hinaus mehrten.

„Er mischt sich ein, wenn es um Kultur geht“

Wie Stadtverordnetenvorsteher Rüdiger Manowski sagte, habe das Parlament aufgrund einer Initiative des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) den Beschluss für die Verleihung einstimmig gefasst, um die Verdienste von Lötzsch auf dem Gebiet der Heimatpflege und der Städtepartnerschaft zu würdigen. Wie groß das Engagement des gebürtigen Dresdners in den letzten Jahren war, lässt sich kurz formuliert kaum sagen: In den politischen Gremien der Stadt ist der diplomierte Chemiker seit 1985 aktiv. Er war Stadtrat, Stadtverordneter, Fraktionsvorsitzender, aber auch Mitglied und Vorsitzender des Umwelt-, Finanz-, und Sozialausschusses. Aktiv ist er immer noch im Kreistag und im Ortsbeirat Sickenhofen. Er war Mitglied in der Altstadtkommission und im Renovierungsbeirat der Stadtkirche. Dem Gruppenwasserwerk Dieburg steht er seit 2003 als Vorsitzender vor, seit 1986 leitet er als Vorsitzender die Geschicke des lokalen Heimat- und Geschichtsvereins. Zahlreiche Ausstellungen gehen auf seine Initiative zurück, die Zahl der Publikationen erweisen sich fast als unzählig. Das Engagement von Lötzsch für das Babenhäuser Schloss und die Organisation der ehemaligen „Art-Tage“ sind ebenfalls untrennbar mit seiner Person verbunden. Für seine Verdienste wurde Lötzsch bereits der Landesehrenbrief und von der Stadt Bouxwiller die Ehrenmedaille verliehen.

Er mischt sich ein, wenn es um Kultur geht“, sagte Laudator Georg Wittenberger. Als langjähriger Mitstreiter im HGV kennt er das Engagement von Lötzsch wie nur wenige. Besonders anschaulich stellte er dar, dass auch „Diplom-Chemiker“ - eine Bezeichnung, die erstmal nur Nüchternes und Sachliches hervorrufe - auch Herzensanliegen für Kunst, Kultur, Geschichte und Philosophie entwickeln können. Im dem vorliegenden Fall habe es der Ausgezeichnete gar bis zum Beinamen eines „Kulturpapstes“ gebracht.

Für die gute Sache manchmal unnachgiebig

Heute brauchen wir in unserer Stadt gerade dieses gesellschaftliche Engagement wie die Luft zum Atmen. Das ist quasi ein kommunales Lebenselixier“, führte Bürgermeisterin Gabi Coutandin an. Ihre Kollegin aus Bouxwiller lobte die Hauptverdienste des Sickenhöfers in Sachen Völkerverständigung und Städtepartnerschaft. „Man kann schon sagen, Klaus Lötzsch gehört fest zum Stadtbild von Bouxwiller“, so Danielle Buchi. Weitere Dankesworte, die auch an Frau Karin gingen, kamen von Kreis, CDU-Stadtverband, HGV und der ehemaligen Stadtarchivarin Ria Fischer, die selbst Preisträgerin dieser Auszeichnung ist.

Wie Georg Wittenberger sagte, führe das konsequente Ziel der Kulturerhaltung bei dem Geehrten auch dazu, dass er für die gute Sache manchmal unnachgiebig oder gar zornig sein kann. Wie Lötzsch in seiner Dankesrede sagte, sei dieses Herzblut aus der faszinierenden Geschichte von Babenhausen erwachsen. „Mancher Bürgermeister sah es vielleicht als Last, dass ich zu oft vorstellig wurde“, schmunzelte Lötzsch, der aber keine Entwarnung gab: „Ich werde auch weiterhin ein wachsames Auge auf alles haben, was unserer kleinen Stadt mit der großen Geschichte Schaden könnte.

Quelle: op-online.de

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