Schuss auf den Bembel bringt Sieg

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Am letzten Tag des Jahres geht es beim Schützenverein Hergershausen traditionell nicht um Ringe sondern um einen Glückstreffer.

Hergershausen - Das Silvesterschießen des Schützenvereins Hergershausen liegt bei genauer Betrachtung von der Uhrzeit reichlich spät. Zwischen 14 und 16. 30 Uhr wird am letzten Tag des Jahres angelegt. Von Michael Just

Und damit zu einer Zeit, in der sich die meisten für die Party am Abend vorbereiten. Und dennoch kann sich die jährliche Resonanz mit rund 30 Teilnehmern mehr als sehen lassen. „Ich bin jedes Jahr da. Für den Rutsch ins neue Jahr habe ich ohnehin zuvor schon alles gerichtet“, sagt Wolfgang Faust (52). Der Anlagenmechaniker will den Start ins neue Jahr bei einer Freundin verbringen. Davor gilt es beim Silvesterschießen nochmal auszuloten, ob sich das Glück auf seine Seite schlägt. Denn hier geht es nicht um Können, sondern nur um das richtige Gespür.

Jeder Teilnehmer bekommt einen Schuss mit dem Kleinkaliber-Gewehr. Das Ziel ist ein Holzteller in einer Entfernung von 50 Metern, den in der Regel ein landschaftliches Motiv ziert. Der Schütze muss sich nun auf dem Bild für eine Stelle in der Hoffnung entscheiden, dass dies der von ihm gewählte Punkt und damit jener ist, der im Vorfeld heimlich auserkoren wurde und bis zur Siegerehrung unter Verschluss in einem Umschlag bleibt. Der Gewinn des Silvesterschießens ist auf diese Weise reine Glücksache – und die soll es zum Spaß für alle ja auch sein.

„Ich hatte mir den Fensterladen mit dem Herzchen ausgesucht“, berichtet Faust über sein anvisiertes Ziel auf dem Teller, der einen Jägersmann beim Techtelmechtel mit seiner Angebeteten im Dirndl zeigt. Bei den Kameraden erntet der 52-jährige daraufhin Skepsis, ob das wirklich die geheime Stelle sein soll. Einige glauben an den Hut des Jägers, andere an den Bembel im Bild.

Dass die Weissagung schwierig ist, weiß auch Werner Herget (58). In den 1980er Jahren lag er schon einmal richtig mit seiner Vermutung und trug sich in die Annalen des Silvesterschießens ein. Den Teller gab’s als Souvenir aber nicht mit nach Hause: Der bleibt stets im Schützenhaus und wird mit dem Namen des Gewinners versehen an die Wand gehängt. Wie Herget bedauert, existiert seine Trophäe nicht mehr, da der Teller dem Brand im Schützenhaus 1998 zum Opfer fiel. In den vergangenen Jahren konnte der Verein aber eine beeindruckende Wand mit 14 neuen Exemplaren errichten, die Jahr für Jahr weiter wächst.

Nachdem im letzten Jahr Gudrun Spaniol das Schießen gewann, entpuppte sich diesmal Manfred Koch mit dem richtigen Riecher. Es war der Griff des Bembels, den er richtig vermutete. 2,2 Zentimeter war er davon entfernt. Damit verwies er Inge Grimm und Diana Prinz auf die Plätze, die 2,9 und 3,2 Zentimeter entfernt lagen.

Die Damen bewiesen beim Silvesterschießen schon öfter ihren siebten Sinn. So waren die beiden Vorjahresgewinner mit Gudrun Spaniol und Liselotte Stöhr jeweils Frauen. Diesmal trug aber Manfred Koch die Ehre nach Hause. Ende des Jahres darf der Schütze den neuen Teller stiften und den geheimen Punkt für das Silvesterschießen 2013 aussuchen.

Quelle: op-online.de

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