Mit einem Schuss Glück

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Welchen Punkt auf der Holzscheibe hat die Gewinnerin des Vorjahres wohl ausgesucht? Beim Silvesterschießen des Schützenvereins Hergershausen geht es vor allem um Glück.

Hergershausen - Der Silvesterwunsch, im neuen Jahr viel Glück zu haben, verbindet Menschen. Nicht ums Können, sondern eben um das begehrte Glück geht es auch beim Silvesterschießen des Schützenvereins in Hergershausen. Von Michael Just

Am letzten Tag des Jahres zählt bei den Sportschützen nur ein reiner Glückstreffer. Glücksschuss deshalb, weil es auf dem anvisierten Holzteller kein festes Ziel mit Ringen gibt, sondern meist nur eine Landschaft, die diesmal aus Bergen, Bäumen und einem See bestand. Jeder Schütze zielt nun traditionell auf einen Punkt auf dem Teller, von dem er glaubt, dass dies jene geheim gehaltene Stelle ist, die die Gewinnerin des vergangenen Jahres bereits vor dem Wettbewerb festgelegt hatte. Die Lösung wird wie immer in einen Umschlag unter Verschluss gehalten und erst am Ende der zweistündigen Veranstaltung präsentiert.

Rund 30 Schützen machen jährlich diesen Spaß mit, bei dem mit einem Kleinkaliber geschossen wird. Durch ein Teleskop, dass auf die Waffe montier ist, visiern die Schützen das 50 Meter entfernte Zielobjekt an. Dann wird ruhiger geatmet, bevor der Schuss fällt. Jeder Teilnehmer hat nur einen Versuch.

Teller mit eingravierten Namen des Gewinners vom Vorjahr

Der Teller, in dem stets der Name des Gewinners vom Vorjahr eingraviert ist, wird von demselben gestiftet. Die Zielscheibe geht durch die Schüsse auch nicht zu Bruch., sodass sie, um die Erinnerung an vergangene Veranstaltungen wach zu halten, im Schützenhaus des Vereins aufgehängt werden.

„Zum einen macht die Sache Spaß, zum anderen können auch Mitglieder gewinnen, die nicht regelmäßig am Trainingsbetrieb teilnehmen“, weiß Schießwart Ernst Stanzel. Schließlich gelte es, keinen Meisterschuss abzuliefern, sondern nur in der Nähe des unbekannten Punktes zu sein – und das habe eben wenig mit Können, sondern einfach nur mit Glück zu tun.

Besagten geheimen Fleck hatte Lieselotte Stöhr als die Gewinnerin des Vorjahres ausgesucht, und damit wie gewohnt ein heiteres Kopfzerbrechen zwischen ihren Kollegen in Gang gesetzt. „Vielleicht ist es eine Tannenspitze. Von dort aus würde sich nämlich gut messen lassen, wer am nächsten dranliegt“, mutmaßt Reinhard Ergang. Am Ende hatte er tatsächlich recht, wie die Öffnung des Umschlags zutage brachte. Und auch bei dieser Veranstaltung konnte sich eine Frau freuen, denn jene Tannenspitze traf Gudrun Spaniol fast genau.

Auf dem zweiten Platz landete Johann Czermak, den dritten belegte Manfred Glaser. Für ihren Sieg erhielt Spaniol ein Fläschchen und die ehrenvolle Aufgabe, die Scheibe für das folgende Jahr zu stiften. Mit dem Wissen, der Glückspilz des Tages zu sein, ging für die Hergershäuserin sicherlich auch die Hoffnung einher, dass Fortuna das ganze Jahr anhält.

Quelle: op-online.de

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