Singende Nonnen in Hot Pants

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Die singenden Nonnen in Hotpants.

Babenhausen - Die Haare sind unter der Haube versteckt, die schwarzen Kutten gewähren nicht einen Millimeter Einblick auf die darunterliegenden Körper. Dann geht plötzlich poppige Musik los, und die keusche Nonnenkluft fällt zu Boden. Von Kathrin Rosendorff

Beide Frauenkörper bedecken nur noch Hot Pants und High Heels - sowie bis zu den Ellenbogen reichende Handschuhe. So beginnt die Sister-Act-Show der Waliserin Melanie De‘Vall und der Irin Angela Callan.

„Es ist eine Reunion nach 16 Jahren“, erzählt die Sängerin Melanie De'Vall, die mit einem Mann, zwei Huskys, drei Kindern (22, 16 und 9) und der gleichen Anzahl an Katzen in einem süßem Fachwerkhäuschen in Harresheim wohnt. Ihre Gesangskollegin, die Seligenstädterin Angela Callan, muss an diesem Morgen ihrem Tagesjob nachgehen. Im Esszimmer grinsen aus dem Holzregal zwei Weihnachtsschoko-Männer zwischen den Familien- und Tierfotos. An der Wand hängt ein Schild auf dem steht: „Love is a beautiful dream“ (Liebe ist ein wunderschöner Traum). Es ist zehn Uhr morgens. Es gibt Toasts, salzige Butter, Marmelade. Und Zigaretten.

Die Waliserin Melanie De‘Vall und ihre Kollegin Irin Angela Callan.

„Sister Act war ein Reißer, doch dann entschlossen wir uns, unsere Solokarrieren zu verfolgen“, erzählt De'Vall und zieht an der ersten Zigarette während des Interviews. „Damals habe ich mir geschworen, das war es mit Sister Act. Ich werde doch nicht mehr mit Ende 40 in Hot Pants auf die Bühne treten“, so die 47-Jährige, dann schmunzelt sie. Die Beine wirken schlank - wie die von der fast gleichaltrigen Popqueen Madonna, nur statt eines Personaltrainers fährt sie jeden Tag 20 Kilometer auf dem Fahrrad, die Huskys nebendran. Aber die Knack-Figur war nicht der eigentliche Grund, warum die beiden Sängerinnen wieder zusammen gefunden haben. „Es ist einfach so: Einzeln sind wir sehr gut, aber kommen unsere Stimmen zusammen, dann knallt es wie beim Feuerwerk“, so De'Vall, die solo nicht wie bei Sister Act 50er, 60er Pop, sondern Celtic Folk und Rock singt.

Gesungen hat die Jüngste von sechs Kindern, eigentlich schon immer. „Ich bin in einem kleinem, walisischem Fischerdorf aufgewachsen. Und wir haben alle gesungen. Wir hatten keine Mikros, also haben wir auf den Hafentoiletten geübt, da gab es einen Super-Klang“, erzählt sie und lacht, dann zieht sie an der nächsten Zigarette. Ihre Stimme ist nahezu so tief (seit der Kindheit, sagt sie) wie Barry Whites und rauchig (da helfe das Kettenrauchen) wie die Joe Cockers. Auch „Hunka, Hunka“-Elvis ist stimmlich drin.

Genau in diese drei Herren verwandelt sich Melanie De'Vall auch in der Sister-Act-Show. Ein bisschen grotesk ist das weiße Elvis-Kostüm samt lustiger Tolle. „Aber das ist ja genau die Marktlücke, die wir schließen wollen. Ich meine, viele Leute haben gute Stimmen. Aber wir können auch über uns lachen. Und das bringt auch unsere Zuschauer dazu, wirklich Spaß zu haben.“ Ihre Gesangskollegin Angela Callan wird da zur Amy „Beerhouse“, die mit übertriebener Vogelnestfrisur und einem Täschchen voller Puderzucker um sich schlägt.

Wegen der Liebe ist Melanie De'Vall nach Deutschland gekommen. In einem Aerobic-Kurs, den sie leitete, lernte sie ihre „Gesangsschwester“ Angela Callan kennen. „Da hat das mit dem Singen und Sister Act überhaupt erst angefangen. Sie sagte: „Du bist doch aus Wales wie Tom Jones und Bonnie Tyler, die können doch alle singen. Du doch dann auch, oder?“

Buchungsmöglichkeiten gibt es auf http://www.melaniedevall.de.

Quelle: op-online.de

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