„Skateboard fahren ist Lebensstil“

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Springen, Bremsen: Profi bringt jungen Babenhäusern den richtigen Umgang mit dem Brett bei.

Babenhausen - „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ - „Niemand!“ - „Und wenn er kommt?“ - „Dann skaten wir!“, hallt es über die Skate-Anlage Im Riemen. Kurz danach fahren zwei Kindergruppen, die sich vorher gegenüber gestanden haben, auf ihren Skateboards aufeinander zu. Von Michael Just

Die kleinere versucht dabei die größere abzuklatschen. Das ist nicht ganz so einfach, denn von den meisten Jungs und Mädchen stehen nicht wenige das erste Mal auf dem Brett. Was zuerst nur nach Gaudi und guter Laune aussieht, hat einen tieferen Sinn: „Es geht ums Anfahren, Bremsen, Ausweichen oder Wenden. Wie so oft ist es immer das Beste, wenn man spielerisch lernt“, erklärt Christopher Heck.

Der 34-Jährige, der in Dieburg wohnt, fungiert diese Woche an vier Tagen für jeweils drei Stunden als Skateboard-Lehrer. Der Anfänger-Kurs in den Herbstferien ist eine Kooperation zwischen der städtischen Kinder- und Jugendförderung sowie der Volkshochschule (vhs). Fast alle Teilnehmer sind aus Babenhausen. „Viele Eltern hatten angefragt, ob man so einen Kurs nicht mal anbieten kann“, erzählt Ina Hildwein von der Jugendförderung.

„Die meisten Kids wollen immer gleich Rampen fahren und vergessen dabei das Wesentliche“, erzählt Heck. Rampen hochfahren oder runter rollen stelle für ihn eher Überwindung anstatt Können da. Das Anfahren, Bremsen, Ausweichen oder Wenden lerne man hier aber nicht. So mussten seine Schützlinge sich damit anfreunden, dass vor dem Gang in die „Half Pipe“ die Grundbegriffe anstehen. Dazu platzierte Heck einer der größten Kicks beim Skaten, die Sprünge, in die letzte Stunde: „Das kann Monate dauern, bis man das drauf hat. Nehme ich das als Letztes dran, schiebt keiner während des Kurses Frust, dass das nicht gleich klappt“, so Heck.

Im Kurs sind auch Sina (8) und ihr Bruder Jason (8). „Ich konnte mich vorher nur abstoßen“, erzählt Sina. Dass sie schon mehrfach hingefallen ist und die Protektoren wie auch bei anderen Schwerstarbeit leisten, nimmt sie hin. „Ich kann schon fahren, will aber noch ein paar Tricks lernen“, berichtet Joel (9), den seine Mutter für den Kurs angemeldet hat. Zu seinen Lernzielen gehört das Auffahren einer Rampe, bei der er die Beine dann so übersetzt, dass eine Kurve beziehungsweise Wende um 180 Grad folgt. Dass sein Brett an der Spitze durch übermäßige Beanspruchung schon einen Riss bekommen hat, sieht er locker: „Ich kaufe mir nachher gleich ein neues.“

Locker sieht auch sein Lehrer das Skaten. Mittlerweile schon 34 Jahre versprüht Christopher Heck nicht nur durch seine wuscheligen, gefärbten Haare ein teenagerhaftes Flair. Vor 17 Jahren stand er das erste Mal auf einem Skateboard. „Ich fand das schon immer cool“, erzählt er. Damals in den 80er Jahren habe er beim Beobachten der Skateboard-Fahrer in der Fußgängerzone seiner Heimatstadt Schweinfurt ein Schlüsselerlebnis gehabt. Mit zwölf Jahren hielt er dann sein erstes Board in Händen. Nach der Lehre als Einzelhandelskaufmann eröffnete er einen Skateboard-Shop. Irgendwann studierte er Media-Produktion. Heute macht er Filmclips und Imagefilme zum Skaten und zum Mountainbikefahren. Im letzten Jahr brachte er sogar einen Spielfilm in die Kinos, bei dem es unter dem Titel „Born to Skate“ um die Grundphilosophien beim Skaten geht.

Der Film spiegelt seine Einstellung: Denn für ihn „macht man skateboarden nicht nur“, es ist Lifestyle und damit eine Lebensansicht. Als Trendsport bezeichnet er das Brett mit den kleinen Rollen schon lange nicht mehr: „In jedem kleinen Dorf gibt es heute eine Skateanlage.“ So habe sich die Bewegung mittlerweile etabliert und sei fast wie Fußball anzusehen. „Ist es ein Trend, dürfte es noch keine Kurse wie diesen geben“, meint er. Das wäre dann so wie früher, als sich jeder ohne Hilfe in Kursen und Internet manchmal über Jahre alles selbst beigebracht hat. Dass es zu dieser Zeit noch keine Skate-Parks gab, bedauert der bekennende Individualist, der wie er sagt, nie die Gruppendynamik eines Vereins suchte, nicht: „Das ist zwar eine schöne Sache, das wahre Fahren findet aber auf der Straße statt.“ So hält sich seine Freude auch darüber in Grenzen, dass die Aussichten gut sind, dass Skatboarden 2016 olympisch wird: „Früher hatten wir nichts anderes im Sinn als das Skateboarden größer zu machen und zu kommerzialisieren. Jetzt, wo das weitestgehend erreicht ist, wollen viele wieder zurück, da dadurch die ursprüngliche Seele verloren geht.“

Quelle: op-online.de

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