„Solch dubiosen Fall noch nicht erlebt“

Babenhausen - Noch immer hat die Polizei keine heiße Spur, wer das Ehepaar Toll erschossen hat. Die Staatsanwaltschaft hat in diesem mysteriösen Fall die Belohnung für Hinweise, die zur Lösung des Falls beitragen, wie berichtet, auf 25 000 Euro erhöht. Von Dirk Beutel

Seit 20 Tagen arbeiten 30 Ermittler in einer Sonderkommission weiterhin auf Hochtouren an der Auswertung der Spurenlage, die zum aktuellen Stand keine neuen Erkenntnisse erbracht hat. Dennoch gehe die Polizei einem „nicht uninteressanten Ansatz“ nach, sagte Kriminaldirektor Rudolf Balß. Näheres dazu wollte die Polizei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt geben. Der 62 Jahre alte Immobilienmakler und seine 58 Jahre alte Frau lebten sehr zurückgezogen, was das Privatleben der beiden sehr überschaubar mache. Dennoch hatte der Mann umfangreiche Geschäftsbeziehungen, die die Sonderkommission derzeit abarbeitet.

Wir haben rund 350 Vernehmungen geführt, ohne einen einzigen Hinweis auf die Tat zu finden“, erklärte der Leiter der Sonderkommission, Erich Kern. Bis alle Kontakte nahtlos überprüft worden sind, dürfte die Liste auf 1000 Vernehmungen angestiegen sein, vermuten die Beamten.

Das Hinweistelefon ist weiterhin unter 06151/ 9694804 geschaltet. Zur Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit hat die Sonderkommission eine Internetseite eingerichtet, wobei das Internet in die Medienarbeit einbezogen wird. Es sind Informationen sowie Fotos dargestellt, um damit weitere Personen zu erreichen, die zum Umfeld und den Lebensgewohnheiten der Opfer Angaben machen können: www.polizei.hessen.de

Auch von der durch Schüsse schwer verletzten Tochter (37) des Paares sind keine Informationen bezüglich der Mordsache zu erwarten. Die autistische Frau liegt noch immer im Krankenhaus. „Es ist wohl mehr ein Zufall, dass sie überlebt hat“, so Rudolf Balß. „Wir gehen im Grunde von einem Dreifachmord aus.“ Die Tochter ist vermutlich mehrere Stunden blutend durch das Haus der Eltern geirrt, bis sie den Weg ins Freie fand und von Passanten gefunden wurde. Auch auf ein mögliches Mordmotiv ist die Polizei noch nicht gestoßen. „Einen solch dubiosen Fall habe ich selbst noch nie erlebt“, räumte Rudolf Balß ein. Der Tatort gebe keine eindeutige Spurenlage wieder. Weder für einen Einbruch, noch für einen Kampf.

Dennoch sind sich die Ermittler sicher, dass es sich bei der Bluttat um keinen Zufall handele: „Keine Frage, es gibt ein Motiv. Wir sehen es nur noch nicht, daher können wir nur spekulieren“, so Balß. Insbesondere die Tatwaffe, eine Walther P 38, bereite den Ermittlern Kopfzerbrechen, da es sich hierbei um eine unregistrierte Militärpistole handele, die zum Standardinventar der Wehrmacht gehörte und später in der Bundeswehr zum Einsatz kam. Zwischen den dreißiger und fünfziger Jahren wurde die Walther millionenfach produziert. „Von diesem Massentyp liegen noch Zehntausende in irgendwelchen Kellern oder Dachböden verstreut und unterliegen nicht unserer Kontrolle“, sagte Rudolf Balß.

Quelle: op-online.de

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