Ein „Stück Rottke“ für Zuhause

Sonderausstellung „Pinseldramen“ im Territorialmuseum

+
Der in Babenhausen aufgewachsene Helmut Rottke (kleines Bild) ist für eine Ausstellung zurückgekehrt. Bei der Vernissage durften sich die Gäste ein „Stück Rottke“ herausschneiden.

Babenhausen - Seine Kindheit und Jugend hat Helmut Rottke in Babenhausen verbracht. Danach zog es ihn in die große, weite Kunstwelt. Seine mit Chinatusche und Goldbronze angefertigten Werke sind nun im Territorialmuseum zu sehen. Von Michael Just

„Auf dem Grund meines Unterbewusstseins liegen alle Bilder: Dramen, Tragödien, Komödien. Wie von einem Fremden erdacht, malt mein Unterbewusstsein die Bilder, die ich nur zu heben brauche. Ich spüre, ich bin ein Medium.“ Es waren bemerkenswerte und tief greifende Worte, die Helmut Rottke über sich und seine Kunst zur Sonderschau fand, die ihm zu Ehren am Wochenende im Territorialmuseum eröffnet wurde. Bevor der Künstler vor die Besucher trat, sprach der Babenhäuser Uwe Friedrich. Dass der Rechtsanwalt und Notar im Ruhestand die Vernissage unter dem Titel „Pinseldramen“ einleitete, geschah nicht von ungefähr: Er ging mit dem Künstler in Babenhausen einst zur Schule. Rottke wurde 1940 in Berlin geboren, verbrachte nach dem Krieg seine Kindheit aufgrund von Flucht aber in der Gersprenzstadt. 1960 studierte er Grafik und Kunst an der Werkkunstschule Offenbach, danach zog es ihn für sein weiteres kreatives Schaffen nach Nordrhein-Westfalen.

2016 trafen sich die einstigen Schulkollegen während einer Ausstellung Rottkes in Essen, bei dem dieser Werbeplakate für Theater zeigte. „Zuvor hatten wir uns jahrzehntelang aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn, verloren“, erläuterte Friedrich.

Rottke zu vergessen wäre seinen Worten nach ohnehin schwierig gewesen: „Sein Zeichentalent ist den Mitschülern schon damals aufgefallen. Diese Begabung war erstaunlich, sogar ein stückweit befremdlich.“ Das Wiedersehen im Folkwang Museum wurde zur Grundlage für die nun eröffnete Schau im Territorialmuseum. „Ich fragte bei ihm an und er machte sich Gedanken, verbunden mit Freude sowie Verbundenheit zur ehemaligen Heimat“, so Friedrich weiter, der nicht verschwieg, dass in diesem Fall auch ein wenig Hartnäckigkeit gefragt war. Dass der Künstler die Einladung auf die eher kleine Bühne in Babenhausen annahm, ist für Friedrich bemerkenswert und wundervoll. Schließlich sei der ehemalige Artdirektor, der das Unternehmen Rottke Design und Werbung in Düsseldorf gründete und danach bei internationalen Gestaltungswettbewerben mehr als 50 Auszeichnungen und Medaillen gewann, ein anderes Umfeld gewohnt. Ausstellungen in Paris, New York oder Taiwan zeugten von einem weltweiten Renommee.

Neues Museum in Babenhausen eröffnet

In seinem Lebenswerk als Grafik- und Kommunikationsdesigner widmete sich Rottke, neben der Produktwerbung, auch der Promotion für Kunst- und Kultureinrichtungen. Mit der Ausstellung in Babenhausen verlässt der Wahl-Düsseldorfer nun ein wenig dieses Terrain und gibt ein Beispiel für originäres, künstlerisches Schaffen wieder. Seine „Pinseldramen“, mit Chinatusche und Goldbronze kreiert, sind eine Weiterführung der asiatischen Kalligrafie. Die entstandenen Figuren und Objekte liegen zwischen gegenständlich und abstrakt, sodass die Interpretation letztlich im Auge des Betrachters liegt. In seinen Eröffnungsworten brach Friedrich, der Mitglied im Babenhäuser Künstlerkreis ist, ergänzend eine generelle Lanze für die Kunst: Meist sei der Mensch ein zweckgerichteter Apparat, in dem das täglich notwendige dominiere. Kunst werde daher von vielen als weniger essenziell betrachtet. Doch genau das Gegenteil sei der Fall: „Weil wir Menschen mit Leib Seele, Herz und Verstand sind, brauchen wir manchmal mehr als das Notwendige. Manchmal brauchen wir sogar das nicht Notwendige mehr als alles andere“, zitierte er einen Auszug aus einer Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler. Mit der Ausstellung werde nun ein weiterer Mosaikstein gesetzt, Babenhausen als Kulturstadt zu etablieren.

Wie es sich für einen Künstler höheren Rangs gehört, hatte Rottke noch eine Überraschung parat. Mit Chinatusche und Goldbronze hatte er zuvor eine mehrere Meter lange Rolle bemalt, die im Territorialmuseum ausgebreitet wurde. Jedem Besucher der Vernissage oblag es, mit einer Schere sich ein Eckchen auszuschneiden und ein „Stück Rottke“ mit nach Hause zu nehmen. Das führte auf wunderbare Weise die Worte von Friedrich in eine andere Richtung weiter: Kunst ist nicht nur notwendig, sondern für alle da. Die Ausstellung ist bis zum 17. Dezember während der Öffnungszeiten des Territorialmuseums, Amtsgasse 32, zu sehen.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare