Riten zum Jahreswechsel

Sorgt Sauerkraut für Wohlstand?

Harreshausen - OP-Umfrage: Wie es Harreshäuser mit Riten und dem Aberglauben zum Jahreswechsel halten.

So soll das Essen von Linsen, Erbsen oder Sauerkraut für Wohlstand sorgen, Wäsche waschen und aufhängen zum Jahreswechsel dagegen Unglück bringen. Mit Bleigießen versuchen einige Bürger sogar direkt, Entwicklungen abzulesen. Unser Mitarbeiter Michael Just hat in Harreshausen nachgefragt, welche Traditionen samt Aberglaube es zum Jahreswechsel gibt.

Wilfried Diehl

 Wilfried Diehl (69), Rentner: „Ich bin nicht abergläubig. Im Leben sollte man nicht alles glauben und Ernst nehmen. Ohne Aberglaube bin ich die letzten knapp 70 Jahre ganz gut gefahren. Bleigießen haben wir an Silvester nie gemacht, dafür aber gut gegessen, vor allem Sauerkraut mit gepökeltem Rindfleisch. Ob das Sauerkraut Geld brachte, weiß ich nicht, wir sind zumindest zufrieden. Statt abergläubig zu sein, sollte jeder sein Leben in die Hand nehmen und das tun, was er für richtig hält.“

Friedl-Ulrike Kotzbauer

Friedl-Ulrike Kotzbauer (66), selbstständig: „Zwischen den Jahren wird keine Wäsche gewaschen, das ist einfach von früher so überliefert. Am Neujahrstag kommt bei uns traditionell Fisch auf den Tisch. Als ich noch klein war, gab es zuhause immer Forelle oder Karpfen. Der lebte immer noch und ist in der Badewanne geschwommen. Als er dran glauben musste, sind meine Mutter und meine Schwester stets geflüchtet. Da ich robuster war, musste ich den Fisch halten, während mein Vater die Sache erledigt hat. Selbstverständlich wurde von dem Karpfen eine große Schuppe in den Geldbeutel gelegt, damit im neuen Jahr das Geld nicht ausgeht. Am 6. Januar wurden zudem die Kerzen vom Christbaum ganz runterbrennen lassen. Hier war es wichtig, welcher Kranz zuerst erlischt: War es die untere Reihe, bedeutete das, dass das Geld nicht ausgeht, die obere Reihe besagte das Gegenteil.“

Anja Bernhardt

Anja Bernhardt, Modellbauerin, 53: „Aberglaube braucht kein Mensch – einfach feiern, essen, trinken und sich danach ins Bett legen. Es zählt der Spaß, wie der von paar Freundinnen, die seit Jahren planen, beim Feuerwerk mal nackt durch den Garten zu flitzen. Aberglaube kann stressig sein, deshalb kann ich sowas nicht auch noch gebrauchen. Das interessiert mich das ganze Jahr nicht, ob eine Katze vor mir von links nach rechts über die Straße läuft. Beim Sauerkraut und der Theorie, dass dann das Geld kommt, stehen die Erfahrungswerte obenan. Und die besagen: Es hat noch nie funktioniert.“

Jens Kattner (30), Schreiner: „Ich bin nicht abergläubig, auch weil ich mir aus Silvester nichts Großes mache. Wenn ich feiern will, kann ich das das jede Woche tun. An Silvester sind alle gezwungen, dauernd auf die Uhr zu gucken. Ich werde mir mit meiner Frau einen gemütlichen und entspannten Abend mit gutem Essen zu zweit machen. Nach Mitternacht werden wir dann mal durch den Ort gehen. Wo wir stehen bleiben und Freunde oder Bekannte treffen, wird was getrunken. Das sind oft die schönsten Feiern. Wenn du was planst, wird es meist nicht so wie erhofft.“

Harald Weidler -  Fotos: Just

Harald Weidler (47), Arbeitsvorbereiter: „Bleigießen hat wohl jeder schon gemacht. Irgendwie ist das Ergebnis immer unkenntlich und man braucht viel Fantasie. Selbst wenn man die Ergebnisse mit den beigefügten Listen vergleicht, kommt wenig dabei raus. Trotzdem gehört es dazu, und ich habe für die Familie dieses Jahr wieder eine Packung gekauft. Mit diesem Ritual ist stets die Hoffnung verbunden, dass es im neuen Jahr besser läuft. Ich bin in vielen Vereinen aktiv, was zum Beruf jede Menge Arbeit und Stress bringt. Man nimmt sich jedes Jahr vor, weniger zu machen. Meist ist aber das Gegenteil der Fall und es wird immer mehr.“

Quelle: op-online.de

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