Kurz vor Erntebeginn

Spargelbauern in Langstadt bei Babenhausen stehen noch allein da

Stephan Funk aus Langstadt hofft auf eine gute Spargelernte, doch noch fehlen die Erntehelfer. 
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Stephan Funk aus Langstadt hofft auf eine gute Spargelernte, doch noch fehlen die Erntehelfer. 

Die Suche nach Erntehelfern wird für die Spargelbauern in Langstadt bei Babenhausen zu einem Wettlauf gegen die Zeit.

Langstadt – Auf den Feldern zwischen Langstadt und Harpertshausen sieht man bereits deutlich: Hier wächst Spargel. Auf vier Hektar sind die typischen Reihen gezogen, die meisten sind mit Folie bedeckt. Stephan Funk hebt ein Stück der schwarzen Folie von einem langen, aufgeschütteten Erdwall und schaufelt mit bloßen Händen ein Loch in den sandigen Boden. Der junge Landwirt ist zufrieden.

„Eine Woche wird es sicher noch dauern, bis wir mit der Spargelernte beginnen können“, urteilt der Landwirt und Juniorchef im Familienbetrieb Funk in Langstadt. Sonst ist ein früher Beginn der Spargelsaison sehr willkommen – bei Kunden und Produzenten. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Das Corona-Virus grassiert weltweit. Der Hotspot aber ist derzeit Europa, was die EU-Länder zu drastischen Maßnahmen veranlasst hat.

So haben Rumänien, Tschechien und Polen ihre Grenzen geschlossen. An den Übergängen herrschten in der vergangenen Woche Verhältnisse wie zur Zeit des Eisernen Vorhangs. Während der Warenverkehr inzwischen weitgehend gesichert ist, können Personen nicht mehr so ohne Weiteres die Ländergrenzen übertreten. Mit erheblichen Konsequenzen für die Menschen auf beiden Seiten der Schranken.

So steht Spargelbauer Funk bisher nahezu allein da. „Momentan fehlen uns die Erntehelfer, die mit Beginn der Saison immer aus Polen kommen“, erzählt er. Besonders belastend sei, dass täglich anderslautende Meldungen eingelaufen seien. „Wir haben keine Planungssicherheit. Und auch für die Erntehelfer aus Polen ist die Situation schwierig. Sie rechnen ja jedes Jahr fest mit einem Arbeitsplatz bei uns“, schildert Stephan Funk das Problem, das für alle ein Novum ist.

Die neue und außergewöhnliche Situation, von der niemand sagen kann, wie lange sie noch bestehen bleibt, stelle alle vor große Herausforderungen. „Der Beginn der Spargelsaison und der Ertrag sind stark vom Wetter abhängig“, erklärt Funk. Wie viele andere Landwirte hofft auch er, dass das „Königsgemüse“ erst erntereif ist, wenn die Erntehelfer gefunden sind. Das wird in diesem Jahr eine anspruchsvolle, aber vielleicht doch lösbare Aufgabe.

„Anders als bei Erdbeeren kann man die Kunden nicht selbst den Spargel stechen lassen“, sagt der Landwirt aus Langstadt. Während das Erdbeerenpflücken selbst für Kinder einfach ist und die Pflanzen dabei nicht verletzt werden, erfordert das Spargelstechen eine gründliche Einarbeitung und Geschick. „Eine Spargelpflanze bringt etwa acht Jahre lang Ertrag. Wird bei der Ernte die Wurzel verletzt, wird die Pflanze im Folgejahr keinen Ertrag mehr bringen. Man muss das Spargelstechen also erst lernen.“

Außerdem kommen weitere Arbeiten hinzu wie das Säubern des geernteten Spargels, das Sortieren in Güteklassen sowie die Vorbereitung für den Verkauf. „Traditionell ist das Ende der Spargelsaison der 24. Juni. Wer sich für die Arbeit auf dem Spargelfeld entscheidet, sollte also etwa ein Vierteljahr einplanen und zur Verfügung stehen“, sagt Stephan Funk. Die ersten vier bis sechs Wochen seien Einarbeitungszeit. „Deshalb macht es wenig Sinn, wenn jemand seine Hilfe auf dem Feld anbietet, aber nur zwei oder drei Wochen überbrücken möchte.“

Derzeit gibt es aber sehr viele Menschen, die von einem auf den anderen Tag arbeitslos wurden, weil sie beispielsweise in der Gastronomie arbeiteten. Seit die Gaststätten geschlossen haben, suchen die ehemaligen Köche und Küchenhilfen, Bedienungen und manchmal sogar die Gastwirte selbst nach einer neuen Beschäftigung, bis die harten Einschränkungen wieder aufgehoben werden.

Auf der Seite www.daslandhilft.de können sich deutschlandweit alle – vom Tellerwäscher bis zum Taxifahrer, vom Studenten bis zum Solo-Selbstständigen – registrieren und ihre Arbeitskraft anbieten. Auch bei Stephan Funk sind viele Anfragen eingegangen. „Die Idee ist gut und zumindest ein Anfang“, findet der Landwirt. Nun müssten aus der Vielzahl von Anfragen die am besten geeigneten Bewerber gefunden werden. Jeder kommt aus einem anderen Beruf und nur wenige bringen Erfahrung in der Landwirtschaft mit.

„Wir werden es aber versuchen“, sagt Funk. Schließlich bestehe die Alternative in einem kompletten Ausfall der Ernte und großen finanziellen Verlusten. In die Pflege der Spargelfelder müsse man mehrere Monate Zeit, Arbeit und Geld investieren.

zeta

Quelle: op-online.de

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