Spielplatzprojekt im Erloch

Suche nach der Sonne

Babenhausen - Mit dem November beginnen die dunklen Tage, in denen das Tageslicht ein kurzes Dasein fristet und die Sonne sich meist hinter einer dichten Wolkendecke versteckt. Von Michael Just 

Unter dem Titel „Licht und Dunkelheit“ stellte nun das Spielplatzprojekt im Erloch, hinter dem die städtische Kinder- und Jugendförderung steht, die Auswirkungen der Jahreszeit in den Mittelpunkt. Los ging es mit dem Vorlesen einer Geschichte, zu der Monika Varga und Petra Ortmann-Sieg die Kinder auf und um die Couch im Großen Saal des Sophie-Kehl-Heims baten. Die Geschichte handelte von den Malonen, die einst hinter so hohen Bergen wohnen, dass dort niemals die Sonne hinkam. Ohne die Sonne waren die Menschen finster und niemand konnte den anderen leiden. Eines Tages kam ein Wanderer und erzählte wunderbare Geschichten über die Sonne. Daraufhin trugen die Malonen die Berge ein wenig ab und riefen immer wieder die Sonne an. Und dann geschah das Wunder: Die Sonne kam und trug die Freude in das Herz der Bewohner.

Während des Vorlesens erklärte Monika Varga die Begriffe Verlangen und Sehnsucht, die aus dem Herzen erwachsen können. Wie sich auf Nachfrage herausstellte, kennen die Kinder das Gefühl. „Mit Gummibärchen und Pferd“ beschrieb Scarlett (8) ihre regelmäßigen Sehnsüchte. Nach dem Vorlesen wurde gemalt: Am Tisch hatte Petra Ortmann-Sieg zuvor schon dunklen Pappkarton zum Bemalen mit Wachsmalkreide ausgeschnitten. Auf den durften die Kinder „Hell- oder Dunkelbilder“ malen. Noch von der Sonnengeschichte der Malonen beeinflusst, benutzten die meisten mit gelb, orange oder rot leuchtende Farben. Beim Anzünden von Kerzen wurde die Wahrnehmung und Bedeutung von Licht weiter geschärft, genauso wie mit dessen Vertonung. Mit Triangel oder Xylophon wurden helle und freundliche Töne erzeugt, denen standen dumpfe und dunkle Töne mit der Trommel gegenüber.

Das Spielplatzprojekt gibt es seit 2010. Jeweils einmal im Monat, am 2. Donnerstag, trifft man sich nachmittags auf dem Spielplatz in der Luisenstraße oder im Sophie-Kehl-Heim. Das Motto des Nachmittags für die Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren ist meist der Jahreszeit angepasst. Für das Halloween-Fest im letzten Monat maskierte sich die riesige Zahl von 35 kleinen Erloch-Bewohnern. Sonst rangiert die Zahl der Kinder zwischen acht und 16. Die Kinder mit Migrationshintergrund nehmen dabei einen Schwerpunkt ein. In den letzten Monaten wurde der Treffpunkt von 15.30 auf 16 Uhr verlegt. „Wir merken deutlich den Trend zu den Ganztagsschulen, welche die freie Zeit der Kinder am Nachmittag minimieren“, sagt Petra Ortmann-Sieg. Einige Kinder kämen auch verspätet, um zwischen Schule und Projekt überhaupt noch ein paar Minuten zu Hause zu verbringen. Neben dem Spielen wird in letzter Zeit auch verstärkt getanzt. „Die Kinder wollen tanzen und danach soll eine Jury entscheiden, wer"s am besten gemacht hat. Das TV-Programm zu Hause lässt grüßen“, berichtet Monika Varga. Mit der jüngsten November-Ausgabe des Spielplatzprojekts werden einige der jungen Erloch-Bewohner das Licht und die Sonne sowie deren Bedeutung für den Menschen fortan in anderen Augen sehen. Das Bewusstsein öffnete schon die einfache Feststellung, was Kinder machen, wenn die Sonne scheint: „Natürlich draußen spielen.“

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Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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