Mehrgenerationenspielplatz in der Potsdamer Straße sorgt weiterhin für Auseinandersetzungen

Weg mit dem Sportparcours

Die Spielanlage ist geschlossen: Der Parcours muss, laut eines Richterbeschlusses, abgebaut werden. -  Foto: bea

Babenhausen -  Unrühmliche Bekanntheit hat der Mehrgenerationenspielplatz in der Potsdamer Straße inzwischen sogar hessenweit erlangt. Das Problem: Er soll ohne Genehmigung erbaut worden sein.

Vor einer Woche schaffte er es in die Online-Ausgabe der Hessenschau. Allerdings hauptsächlich mit einem Teilaspekt der Beschwerde von zwei Anwohnern, die die Thematik des Wildpinkelns auf dem Platz zwar nicht als nebensächlich erachten, aber eben nicht als ihren Hauptkritikpunkt.

Der ist eher, dass der Spielplatz unerlaubt gebaut wurde, wie die zwei Anwohner (die Namen sind der Redaktion bekannt) nicht nur behaupten, sondern was inzwischen auch das Verwaltungsgericht Darmstadt bestätigt hat.

Zwar sei im Bebauungsplan der Stadt ein Spielplatz an dieser Stelle ausgewiesen, allerdings deutlich kleiner, als er dann gebaut wurde. Dies ist aber auch noch nicht der eigentliche Knackpunkt. Ausgewiesen war ein Kleinkindspielplatz, realisiert wurde ein Platz für mehrere Generationen. Während die Spielwiesen für Kleinkinder keiner Baugenehmigung bedürfen, sieht das bei solchen für mehrere Altersgruppen anders aus. Sie müssen genau wie Abenteuerspielplätze oder Skater-Anlagen genehmigt werden. Vor allen Dingen, wenn sie sich, wie in der Potsdamer Straße, in einem reinen Wohngebiet befinden. Diese Baugenehmigung einzuholen, hatte die Stadt Babenhausen ganz offensichtlich versäumt.

Sie muss nun auch nicht den Spielplatz räumen, das verlangen weder das Verwaltungsgericht Darmstadt, bei dem noch ein Teilaspekt des Verfahrens anhängig ist, noch die beiden Anwohner. Allerdings verfügte das Gericht, dass ein Sportparcours und eine Laufkatze abgebaut werden müssen. Letztere hat die Stadt schon entfernt, der Sportparcours wird demnächst abgebaut und ist jetzt schon abgesperrt. Stein des Anstoßes: Die Geräte befinden sich viel zu nah an der Terrasse des Anwohners. Wenn dieser am Wochenende auf seiner Terrasse saß, konnte er das Gefühl haben, die Kinder, die den Sportparcours nutzten, nahmen fast auf seinem Schoß Platz. Noch nicht geklärt ist, ob auch eine Sitzgruppe weichen muss. Hier will das Gericht noch beraten, die Entscheidung steht noch aus.

Bürgermeister Joachim Knoke sind die Probleme mit dem Spielplatz bewusst. Bezüglich der Sitzgruppe will er noch den abschließenden Richterspruch abwarten. Die Forderung der Anwohner, des Wildpinkelns Herr durch den Bau einer Toilettenanlage zu werden, kann Knoke nur abschlägig bescheiden. In Babenhausen gebe es 19 Spielplätze, die Stadt sehe sich angesichts ihrer finanziellen Situation nicht in der Lage, eine Toilettenanlage zu errichten. Sollten solche Forderungen Schule machen, dann würden eher Kinderspielplätze geschlossen. Knoke staunt aber auch über „die Unverfrorenheit von Eltern“, die ihre Kleinkinder fünf Meter von einer Terrasse eines Anwohners erleichtern lassen.

Auch die Forderung der Kläger, den Spielplatz außerhalb der Öffnungszeiten von 9 bis 20 Uhr abzuschließen, weist Knoke zurück. Auch hier mangele es an Personal. Knoke erkennt das Dilemma der Anwohner, an wen sie sich wenden sollen, wenn sich auch um 22 Uhr noch Jugendliche auf dem Platz aufhalten. Im Ordnungsamt ist dann niemand mehr zu erreichen, die Polizei wendet zu Recht ein, sie habe andere Aufgaben. Knoke appelliert an alle Mitbürger, sich so zu verhalten, wie sie sich das auch selber von ihren Mitmenschen wünschen würden. J bea

Quelle: op-online.de

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