Pachtvertrag mit sofortiger Wirkung aufgehoben

Stadt kündigt der SV Germania

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Das Sportgelände am Ostheimer Hang am Sonntagnachmittag. Die Stadt hatte kurz zuvor den Pachtvertrag mit dem SV Germania fristlos gekündigt.

Babenhausen - Bei dem schon länger schwelenden Streit um die Pflegemaßnahmen auf dem Sportgelände am Ostheimer Hang hat die Stadt die Reißleine gezogen und dem Pachtvertrag mit der Germania gekündigt. Der Fußballverein fühlt sich „erpresst“. Von Jens Dörr 

Streng genommen hätten die beiden Aktiventeams des SV Germania Babenhausen ihre Heimspiele am vergangenen Sonntag wohl gar nicht mehr auf dem Sportgelände am Ostheimer Hang austragen dürfen. Bereits vier Tage zuvor hatte die Stadt Babenhausen als Eigentümer des Areals den Pachtvertrag mit dem traditionsreichen Fußball-Verein gekündigt – fristlos. Damit hatte die Germania auf dem Gelände im Prinzip nichts mehr verloren, trug die Spiele dennoch aus. Das Verhältnis zwischen Rathaus und Verein ist derzeit ziemlich vergiftet.

Bürgermeister Joachim Knoke (SPD) hat die Kündigung durch den Magistrat – das Schreiben liegt unserer Zeitung vor – unterschrieben. Man kündige das seit 2011 bestehende Pachtverhältnis „aus wichtigem Grund“ und „fristlos“. Der SV Germania sei den Verpflichtungen aus Paragraf 5 des Pachtvertrags nicht nachgekommen und werde dies auch künftig nicht tun können.

Knoke erläutert, was konkret dahinter steckt: Der SV Germania pflege das Gelände, zu dem ein Naturrasen-Großfeld, ein Naturrasen-Trainingsfeld, ein Basketball-Feld, Kabinen, Sanitäranlagen, Parkplätze, eine Gaststätte sowie eine Laufbahn und eine Weitsprung-Anlage gehören, nicht wie vereinbart. Vor allem daran, wie sich der Verein um die Leichtathletik-Anlagen und den Baumschnitt (nicht) kümmere, stößt sich die Stadt. „Man hat sich bei der Germania immer mit Herzblut ums Gelände gekümmert“, sagt Knoke, schießt jedoch sofort nach: „Aber nur um den Bereich zwischen den Eckfahnen.“ Soll heißen: Der Zustand etwa der Laufbahn, die die Fußballer nicht brauchen, die aber mehrere Babenhäuser Schulen für ihren Sportunterricht nutzen, habe den Verein kaum mehr geschert.

Bilder: Ostermarkt in Babenhausen

Dass die Laufbahn, die die Stadt nun schnellstmöglich für das Sportabitur der Oberstufe, die Bundesjugendspiele und auch die Abnahme von Sportabzeichen herrichten will, aktuell in einem schlechten Zustand ist, bestreitet auch der stellvertretende Germania-Vorsitzende Antonio Coppoleccia nicht. Für ihn ist der Knackpunkt aber, dass die Stadt 2016 einen mit dem Germania-Förderverein geschlossenen Pflegevertrag zum Ostheimer Hang kündigte und trotzdem weiter die Pflege auch jener Infrastruktur vom Verein verlange, die dessen Kicker gar nicht nutzen. „Die Stadt hat uns das Geld aus dem Pflegevertrag gestrichen und verlangt trotzdem weiter umfangreiche Pflegemaßnahmen – auch für Bereiche, die uns gar nichts angehen“, klagt Coppoleccia: „Wir wurden praktisch erpresst. Entweder wir pflegen gratis weiter, oder man kündigt uns den Pachtvertrag, wie es jetzt ohne eine mit uns abgestimmte Ersatzregelung geschehen ist.“

Im Rahmen des einstigen Pflegevertrags erhielt die Germania über ihren Förderverein monatlich 800 Euro von der Stadt, die sie insbesondere in einen Platzwart investierte. Wie gut der sich ums Gelände gekümmert habe, darüber gehen die Meinungen auseinander. Während Coppoleccia der Ansicht ist, die Stadt habe die jährlich 9.600 Euro an der falschen Stelle eingespart und das Areal läge im Falle der Fortzahlung heute wesentlich besser da, findet Knoke: „Das Gelände wurde auch zu Zeiten des Pflegevertrags nicht ordentlich gepflegt. Irgendwann ist auch mal Schluss.“ Zumal die Germania ihm bei einem Treffen im Februar gesagt habe, dass sich seitens des Vereins am momentanen Umfang der Geländepflege aus finanziellen und personellen Gründen nichts ändern werde. Coppoleccia ist indes der Ansicht, dass die einst jährlich gezahlten 9.600 Euro – eine sogenannte freiwillige Leistung der Stadt – gut investiert waren. „Heute zahlt die Stadt viel mehr für die Pflege des Geländes“, ist er sich sicher.

Knoke nennt allein für den Anfang des Jahres vorgenommenen Baumschnitt einen Betrag in Höhe vom 20.000 Euro. Inwiefern die Germania diese Arbeit früher zufriedenstellend übernommen hatte, darüber gehen die Meinungen wiederum weit auseinander.

Abiplakate an der Bachgauschule in Babenhausen: Fotos

Für die Zukunft möchte die Stadt das Verhältnis zur Germania über einen neuen Vertrag regeln, der nur noch das Nötigste – so die Rasenplätze, Kabinen und Sanitäranlagen – berücksichtigen soll, nicht aber etwa die Gaststätte. „Wir brauchen eine saubere, neue Lösung“, so Knoke. Wie die genau aussehen soll und was sie die Germania monatlich kosten würde, wüsste Coppoleccia gern: „Man hätte ja mal mit uns über einen solchen neuen Vertrag reden können, ehe man den alten Pachtvertrag kündigt.“

Dies sei nicht geschehen, man sei vergangene Woche stattdessen vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Nicht sein einziger Vorwurf gen Rathaus: „Wir kommen uns vor wie bei einem Schildbürger-Streich. Streng genommen hat man nun uns und vor allem unsere Junioren – die Kinder der Babenhäuser Steuerzahler – auf die Straße gesetzt.“

Quelle: op-online.de

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