„Stadt soll Einfluss geltend machen“

+
Michelsbräu-Chefin Dr. Susan Schubert erläuterte beim Ortstermin die Pläne für die Senioren-Residenz.

Babenhausen - „Kompromiss“ war ein häufig bemühtes Wort an diesem Abend. Zwar ging es formal nur um einen bürokratischen Akt. Nämlich für die Senioren-Residenz auf dem Michelsbräu-Gelände das so genannte Bauleitverfahren auf den Weg zu bringen, das den Weg vom unbeplanten Grundstück bis hin zum Bebauungsplan aufzeigt. Doch stand Grundsätzliches im Vordergrund. Von Stefan Scharkopf

Mehr zu den Sorgen der Anwohner lesen Sie unter „Anwohner äußern ihre Bedenken

Die Anwohner der benachbarten Spessartstraße hoffen auf Nachbesserung an den Plänen, erwarten einen für alle Seiten tragfähigen Kompromiss. Und so traten sie am Dienstagabend beim Ortstermin auf dem Brauerei-Areal und anschließend bei der Sitzung des Ortsbeirats dafür ein, dass sich die Lokalpolitiker für ihre Belange einsetzen und ihren Einfluss beim Investor geltend machen.

Ortsbeiräte empfehlen Beginn der Planungen

Mit großer Mehrheit haben die Ortsbeiräte dem Magistrat die Empfehlung ausgesprochen, das Planverfahren einzuleiten. Die endgültige Entscheidung darüber trifft die Stadtverordnetenversammlung heute Abend.

Michelsbräu-Chefin Dr. Susan Schubert hatte vor der Ortsbeiratssitzung eine stattliche Anzahl Interessierter über ihr Gelände sowie an der Lache entlang geführt und die Pläne erläutert. Wie bereits im Bauausschuss ließ Schubert erkennen, dass aus ihrer Sicht an eine Verschiebung des Baukörpers - etwa in die Nähe ihres Wohnhauses - auf dem Areal nicht gedacht ist. Ein Investor beabsichtigt, auf dem Brauerei-Gelände ein 55 Meter langes und etwa 15 Meter hohes Gebäude für rund 80 Betten nach dem Wohngruppenkonzept zu errichten. Aus Sicht von Bürgermeisterin Gabi Coutandin und vieler Lokalpolitiker ist der Investor den Anwohnern bereits entgegengekommen. Der Baukörper sei in einer zweiten Planung kleiner ausgefallen, dafür aber eben 15 Meter hoch. Eine Andienung erfolge nicht mehr über die Spessartstraße, sondern über die Michelsbräu selbst. Statt auf eine Wand würden die Anwohner künftig auf Hecken schauen. Das avisierte Ärztehaus, das im Plan auftauche, sei nur eine Option.

Anwohner befürchten Schatten auf ihre Häuser

Die Anwohner haben dennoch bedenken. Etwa die, dass der Bau zu hoch sei, das Bild der Altstadt beeinträchtigt werde und einige Häuser beschattet würden - was einen Wertverlust für die Immobilie bedeute. Die Anwohner erwarten, dass die Stadt ihre Möglichkeiten nutzt, den „Klotz-Charakter des Seniorenheims zu entschärfen“. Gegen eine Residenz auf dem Brauerei-Gelände sei im Grunde nichts zu sagen, wenn denn der Investor seine Pläne ändere. Sorgen bereitet den Spessartsträßlern aber auch, dass es noch mehr Verkehr, zugeparkte Flächen nicht nur vor ihrer Haustür, sondern auch im Ostring und in der Justus-Arnold-Straße, geben werde.

Einige sprechen sich gegen Vorlage aus

Allerdings gab es in der Sitzung auch andere Stimmen. So votierten die Ortsbeiräte Ingrid Schumacher („Bürger für Babenhausen“) und Ina Donnhauser (parteilos) gegen die Vorlage. Donnhauser lehnt den Platz als solchen ab. „Das Gelände ist für eine Residenz unsäglich, egal in welcher Höhe.“ Kritik wurde von einer Anwohnerin geäußert, dass die Wohnungen der alten Menschen laut Plan nach Norden ausgerichtet sind, sie folglich kein Sonnenlicht abbekämen.

Nicht zu viele Vorgaben machen

Einige Lokalpolitiker fühlen sich in einem Dilemma. So beispielsweise Adolf Breer (SPD). Zwar habe die Stadt Möglichkeiten der Einflussnahme, wenn die Vorgaben an den Investor aber zu groß würden, verfolge der das Projekt nicht weiter. Dann würde es heißen, die „Politiker haben das Seniorenzentrum verhindert.“ Schon einmal, nämlich auf dem ehemaligen Feuerwehrgelände sei das Projekt gescheitert.

Ortsvorsteher Reinhold Gottstein, der ebenfalls in der Spessartstraße wohnt, sagte, dass es „nicht darum geht, dass jetzt gleich gebaut wird, sondern nur die Bauleitplanung eröffnet wird“. Am Ende des Verfahrens steht die Offenlegung der Pläne. Dann könnten die Anwohner zu den konkreten Vorlagen ihre Bedenken äußern.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare