Unermüdlicher Heimatforscher

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Dr. Peter Engels, Leiter des Stadtarchivs Darmstadt, stellte diese Woche den neuen Sammelband mit den wichtigsten Ergebnissen des Langstädter Heimatforschers Wolfgang Martin in der Stadtmühle vor.

Babenhausen - „Heimatforscher machen Geschichte transparent und verständlich. Wolfgang Martin war ein Musterbeispiel dafür“, sagte Dr. Peter Engels am Mittwochabend in der Stadtmühle. Von Michael Just

Dort stellte der Leiter des Stadtarchivs Darmstadt einen Sammelband mit fast 40 Aufsätzen des Langstädter Heimatforschers in einer Veranstaltung des Heimat- und Geschichtsvereins vor.

Martin starb vor sechs Jahren, seine Erkenntnisse, die mit einer unermüdlichen Forschungstätigkeit gepaart waren, wirken bis heute nach (wir berichteten). „Jeden Montag sah man ihn im Stadtarchiv, aber auch an vielen anderen Tagen war er da“, berichtete Engels. Mit dem Langstädter verbindet er einen Heimatforscher der besonderen Art: „Er hat sich dem Spätmittelalter gewidmet. Das ist eine spannende Zeit, aber auch eine der schwierigsten für Hobbyhistoriker überhaupt, da die Vielzahl der Quellen äußerst schwer zu interpretieren sind.“ Während viele hier einen Bogen machten und das Spätmittelalter den Hauptamtlichen überließen, habe sich Martin reingearbeitet und die Materie verstanden.

400 Seiten umfasst das Buch mit einer Auflage von 500 Stück. Mit Hilfe des Hessischen Ministeriums für Kultur und Wissenschaft sowie diversen Stiftungen, darunter der Babenhäuser Aumann-Stiftung, kam es zustande. Das Interessensgebiet von Martin war breit gefächert, umfasste die Landes- und Regionalgeschichte mit Städtebünden, Adelsgeschlechtern, Burgen und Höfen. Ebenso vielfältig ist auch das Buch, das allerdings die Ortsgeschichte von Langstadt nicht beleuchtet. Babenhausen kommt in vier der mehr als drei Dutzend Aufsätzen vor. Das ist nicht viel, dafür sind die darin enthaltenen Forschungsergebnisse umso interessanter: Beispielsweise geht es um das „Gasthaus zum Adler“, oder mit den Blenckener um eine Babenhäuser Familie, aus der ein Abt des Klosters Amorbach entsprang. Besonders bedeutend: Die Entdeckung der ersten urkundlichen Erwähnung von Babenhausen im Jahre 1211. Damit sorgte Martin dafür, dass die Stadtgeschichte neu geschrieben werden muss. Zuvor machte man die erste Nennung 1236 fest. Dass dieses Jahr keine 800-Jahr-Feier angesetzt wurde, kann Georg Wittenberger vom Heimat- und Geschichtsverein erklären: „Mit Blick auf einen Aufsatz von Dr. Klaus Lötzsch haben wir uns darauf verständigt, die Verleihung der Stadtrechte 1295 als das große Ereignis in den Mittelpunkt zu rücken.“ Dass Babenhausen noch weit älter als 1295 oder 1211 ist, lässt sich laut dem ehemaligen Journalisten am Schloss nachweisen: Hier habe die Untersuchung des Holzes Jahreszahlen Anno 1187 ergeben. „Die ältesten Vorzeichen deuten sogar auf 1176 hin“, so Wittenberger.

Das Buch mit den Erkenntnissen von Martin, der bei der Firma Merck in Darmstadt beschäftigt war, erweist sich als ein Muss für jeden, der an der Landes- und Regionalgeschichte interessiert ist. Glücklich zeigte sich die Witwe des Heimatforschers, Helene Martin, bei der Buchpräsentation: „Das ist eine Würdigung und ein guter Abschluss seiner drei Jahrzehnte währenden Arbeit. Das Ergebnis ist großartig, ich bin sehr zufrieden.“

Quelle: op-online.de

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