Stadtbüro und neues Gewerbegebiet

Gabi Coutandin am Schreibtisch.Foto: Scharkopf

Babenhausen - Ihre Einarbeitungszeit von 100 Tagen ist vorbei. Wie ist Ihr Eindruck?

Coutandin: Die Arbeit macht Spaß, und ich habe das Gefühl, vieles bewegen zu können. In der Verwaltung habe ich viel positive Resonanz erfahren und ich habe die hohe Kompetenz der Mitarbeiter kennengelernt.

Wo haben Sie bislang Akzente setzen können?

Das fängt schon im Kleinen an. Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel: Am Dienstag hat der Magistrat beschlossen, das Damenmode-Geschäft Fendt & Rausch, das ja aufgegeben wird, anzumieten, um dort künftig das Stadtbüro unterzubringen, das noch in der Stadtmühle zu finden ist. Touristen gehen ja meist zuerst in die Fußgängerzone. Dort sollten die Besucher auch Ansprechpartner haben. Der Heimat- und Geschichtsverein hat zugesagt, zunächst zweigleisig zu fahren und in der Stadtmühle sein Angebot weiterzuführen, um sich später in der Fußgängerzone zu präsentieren. Genutzt werden könnten die Räume auch vom Frauenforum, das seine Öffnungszeiten anpassen und ebenfalls Aufgaben eines Stadtbüros übernehmen würde, also Stadtpläne ausgeben könnte, aber beispielsweise auch städtische Formulare oder Gelbe Säcke. Die 160 Quadratmeter des Gebäudes könnten auch als erste Ausstellungsräume für den HGV dienen. Dass wäre ein erster Schritt für ein Heimatmuseum. Gedacht ist auch an eine kleine Galerie für unsere heimischen Künstler.

Es gibt aber auch größere Brocken...

Sicher. Dazu gehört natürlich der Haushalt. Den Etat für 2008 haben wir erst im November verabschiedet und in wenigen Wochen einen neuen Haushalt erstellt. Dazu kommt noch, dass wir im Rahmen des Konjunkturprogramms alles Notwendige an die Geldgeber von Land und Bund weitergeleitet haben. Auf diese Arbeit bin ich zusammen mit der Verwaltung stolz. Die Arbeit an den Zahlen hat klar gemacht, wie nötig ein Controller ist. Wir brauchen mehr Einnahmen und müssen die Ausgaben in den Griff bekommen. Und das alles bei gleichem Service für die Bürger.

Wie soll mehr Geld in die Kasse kommen?

Wir brauchen dringend mehr Gewerbegebiete. Das zeigen auch die Anfragen an die Stadt. Wir haben bei den Gewerbeflächen seit 1999 einen Zuwachs von gerade mal 0,86 Prozent. Das ist ein Grund dafür, warum die Branchenvielfalt zu gering ist und wir zu wenige Arbeitsplätze haben und natürlich zu geringe Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Deshalb wollen wir das Gelände an der Aschaffenburger Straße gegenüber des China-Restaurants mit seinen rund 41 000 Quadratmetern entwickeln. Das heißt natürlich, dass wir die Ostumgehung nicht weiter verfolgen. Die hätte ohnehin nur mehr Verkehr in die Bouxwiller Straße gebracht. Wir müssen jetzt Nägel mit Köpfen machen.

Apropos Controller: Da gab es heftigen Gegenwind aus den Reihen von CDU und Grünen, die die Bevorteilung eines Parteifreundes mutmaßen.

Ich kenne Herrn Kirchschlager nunmal persönlich und er ist Mitglied der SPD. Beides ist für ihn offenbar von Nachteil. Im behördeninternen Auswahlverfahren mit den Fachleitern ist er auf Platz eins der Liste gesetzt worden, ebenso im Magistrat. Seine Kompetenz ist unbestritten. Ausgeschrieben wurde die Stelle in drei Regionalzeitungen, im Internet und bei der Arbeitsagentur. So wie es seither üblich war. Eine Ausnahme gab es nur beim Umweltkoordinator. Diese Stelle haben wir auch in überregionalen Blättern annonciert. Im Übrigen arbeiten im Rathaus auch Leute mit CDU-Parteibuch - wogegen es nichts zu sagen gibt.

Vergangene Woche haben Sie die erste themenbezogene Stadtverordnetenversammlung erlebt mit allerlei Kontroversen. Ihr Eindruck?

Ich war natürlich enttäuscht über das Verhalten von CDU und Grünen beim Thema Abwasser. Wir waren in der Betriebskommission der einhelligen Meinung, in dieser Frage an einem Strang zu ziehen und die Erhöhung gemeinsam zu tragen. Und das hat auf einmal keinen Wert mehr. Mein Blick richtet sich auf die Finanzen der Stadt, aus populistischen Gründen sollte man nicht drüber hinwegsehen. Die Erhöhung kommt zum 1. Juli. Wenn die Kaserne entwickelt wurde und die Einnahmen steigen, können wir die Erhöhung wieder zurücknehmen.

In welchen Bereichen werden die Bürger noch zuzahlen müssen?

Bei den Bestattungsgebühren. Wir haben sechs Friedhöfe. Die müssen unterhalten werden. Allerdings wollen wir nur eine moderate Erhöhung, eine Kostendeckung wird es nicht geben können. Wir haben viele Liegenschaften zu unterhalten und stecken in einem Sanierungsstau, weil jahrelang nichts getan wurde.

Über das Schwimmbad wird immer wieder diskutiert, voran geht wenig...

Im August oder September wollen wir mit der Sanierung beginnen. Das Ingenieurbüro hat noch keinen Bauantrag eingereicht. Am 11. Mai werden wir in der Betriebskommission darüber beschließen müssen. Wenn es bei den 75 000 Euro Mehrkosten für den Schiffstransport bleibt, wird die Betriebskommission entscheiden müssen, wo das Geld herkommt, und ob beispielsweise bei Bistro oder Technikgebäude gespart werden kann.

Sie sind ja gerade rund drei Monate im Amt. Wie reagieren die Babenhäuser auf Sie?

Die Leute sind sehr freundlich und die Reaktionen positiv. Aus den Gesprächen nehme ich viele Anregungen auf, die dann in den Fachbabteilungen besprochen werden. Derzeit klagen seit der Einrichtung der Baustelle viele über zu schnelles Fahren in Bummelgasse und Schlossgasse. Bis jetzt haben wir bei Rasern und Falschparkern mit Hinweisen reagieren. Ab sofort werden Bußgelder verhängt. Wir müssen da ein Zeichen setzen. Die Hilfspolizistin wird von einem Kollegen stundenweise unterstützt.

Quelle: op-online.de

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