Stadtparlament macht Weg frei

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Für seine Pläne hat der Schleifmaschinenhersteller die Zustimmung der Parlamentsmehrheit erhalten.

Babenhausen - Die ELB-Schliff kann weiter an der Umwandlung ihres Geländes planen. Die „Allianz“ aus SPD, FWB und FDP sowie die „Bürger“ stimmten der Änderung des Flächennutzungsund des Bebauungsplans zu. Von Stefan Scharkopf

Somit kann ein Teil des Gewerbegebiets in eine Fläche zur Wohnbebauung umgewandelt werden. CDU und Grüne lehnten das ab; ein Christdemokrat enthielt sich.

Wie berichtet, plant Elb-Schliff nicht nur einen kompletten Firmen-Neubau auf der westlichen Seite der Langstädter Straße, sondern auch rund 150 Wohneinheiten für Mitarbeiter des Unternehmens und von Zulieferern, die sich ebenfalls auf dem Betriebsgelände ansiedeln, und zwar auf der östlichen Straßenseite. Für die neue Fabrik sollen 15 Millionen Euro investiert werden, für das Gesamtkonzept „Arbeit und Wohnen“ wurden 50 bis 70 Millionen Euro anberaumt. Die Investitionen sollen durch die teilweise Umwidmung von Gewerbe- in Wohnbauland und Verwertung der Grundstücke zu einem guten Teil refinanziert werden, so die Überlegung.

Die derzeitige Bausubstanz fast aller Firmengebäude gilt als „desolat.“ Mit der angekündigten Gesamtentwicklung, die eine komplette Umgestaltung der derzeitigen Firmenfläche beinhaltet, soll eine Expansion einhergehen. Auch von 100 neuen Arbeitsplätzen ist die Rede; derzeit hat das Unternehmen etwa 150 Mitarbeiter.

In einem neu entstehenden modernen Gewerbepark sollen auf der westlichen Seite Verwaltungs-, Produktions- und Lagerbereiche zusammengeführt und neu konzipiert werden. Platz für weitere Betriebe ist ebenfalls vorgesehen. Der zweite Schritt zur Umstrukturierung wird dann getan, wenn der Gewerbepark bezogen und der jetzige Gebäudebestand abgerissen ist. Soll heißen: Zuerst wird die Gewerbefläche entwickelt und bebaut, erst danach geht es an die gewünschte Wohnbebauung. Dies ist ohnehin so vorgesehen, soll aber auch vertraglich fixiert werden.

Die Aussicht auf Arbeitsplätze war auch das treffendste Argument aus Sicht der Befürworter. „Wer die Strukturschwäche der Stadt mit ihren vergleichsweise vielen Arbeitslosen und vielen Beziehern staatlicher Leistungen bekämpfen will, muss eben Kompromisse schließen“, sagte Bürgermeisterin Gabi Coutandin.

ELB-Schliff habe sich mit den Neubauplänen für den Standort Babenhausen entschieden, argumentierte Oliver Bludau (FWB). Jetzt bestehe die Aussicht auf ein modernes Unternehmen. „Worin besteht das Risiko für die Stadt?“, fragte er. Bludau hielt die Pläne für städtebaulich ausgereift. Der Gewerbepark sorge auch für Dynamik auf dem benachbarten Kasernengelände.

Als zwar nicht ideal gelegen zwischen zwei Straßen sieht Ingrid Schumacher („Bürger“) das Wohngebiet an, doch sie stimmte „mit Bauchschmerzen“ zu. Sollten andere Unternehmen auch Pläne haben, Gewerbe- in Wohngebiet umzuwandeln, sollte die Stadt ihre Zustimmung von der Anzahl neuer Arbeitsplätze abhängig machen.

Wer Arbeitsplätze will, braucht Gewerbegelände und kein Wohngebiet, argumentierte dagegen Friedel Sahm (CDU). Für die Union und die Grünen widersprechen die ELB-Pläne der Stadtentwicklung. Die Stadt müsse außerdem mit Kosten für den Lärmschutz rechnen und der Ausbau der B26 beziehungsweise die Südumgehung könnten das „K.O.-Kriterium“ für den Umbau von ELB sein.

Die Ergebnisse der vorgezogenen Behördenbeteiligung zur Bauleitplanung beurteilten die Fraktionen unterschiedlich. Während die Befürworter daraufhinwiesen, dass Regierungspräsidium, IHK, Handwerkskammer den Plänen zustimmten, argumentierten CDU und Grüne, dass die Behörden dennoch Bedenken hätten. So sehe der Regionalplan Südhessen für die vorliegende Fläche die Ausweisung eines Vorranggebietes für Industrie und Gewerbe vor, also keine Wohnbaufläche. Zudem seien die Gewerbeflächen in der Stadt knapp. Das Amt für Straßen- und Verkehrswesen sieht Konflikte beim Lärmschutz.

„Wenn der Bedarf an Wohnbebauungsfläche von Babenhausen im Zeitraum 2002 bis 2020 mit gerade mal 40 Hektar angegeben wird und es auch Erweiterungsbedürfnisse in den Ortsteilen und in den Lachewiesen gibt, vom Kasernenareal ganz zu schweigen“, müsse man die ELB-Pläne ablehnen, argumentierte Irmgard Petit (Grüne).

Quelle: op-online.de

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