"Bereits gute Versorgung"

Stadtverordneten: Kein Glasfaser für Babenhausen

In Babenhausen werden flächendeckend keine Glasfaserleitungen verlegt. Foto: P/Deutsche Glasfaser

Die Stadtverordneten in Babenhausen möchten kein Glasfasernetz in ihrer Stadt.

Babenhausen – Ein digitaler Ruck soll durch den Landkreis Darmstadt-Dieburg gehen – mit großem Tamtam haben Entega und Deutsche Glasfaser Anfang des Jahres angekündigt, in den kommenden Jahren alle 23 Kreiskommunen mit reinen Glasfasernetzen („Fiber To The Home“ – Glasfaser bis ins Haus) auszustatten (wir berichteten). Wenn sie es denn wollen. Babenhausen möchte es nicht. Zumindest haben die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit (CDU, SPD, Grüne und FDP) das Angebot abgelehnt. Die Freien Wähler enthielten sich.

Es sind vor allem Bedenken aus dem städtischen Fachbereich Bauwesen, die Bürgermeister Joachim Knoke (SPD) in der Sitzung kurz anriss und detaillierter in der Sachdarstellung des gemeinsamen Antrages von Magistrat und den Fraktionen von CDU, SPD, Grünen und FDP nachzulesen ist. Demnach befürchten die Fachleute, dass beim Verlegen der Glasfaserkabel – vor allem unter Gehwegen – bereits beschädigte Fußwegoberflächen oder der Unterbau dermaßen in Mitleidenschaft gezogen werden, dass Reparaturmaßnahmen seitens Stadt notwendig würden. Und damit Kosten verbunden sind. Außerdem würden durch das Aufbrechen intakter Oberflächen die „Funktionalität und Lebensdauer des Anlagenvermögens“ leiden. Darüber hinaus müsste die fachgerechte Wiederherstellung durch die Stadt begleitet und überwacht werden. Dafür sei die personelle Ausstattung nicht vorhanden.

Babenhausen: Kein Glasfasernetz in der Stadt

Ein weiterer baulicher Aspekt: Da die Glasfaserkabel lediglich in 20 bis 30 Zentimeter Tiefe verlegt werden müssten, so Knoke, andere Versorgungsleitungen aber etwa 80 Zentimeter unter der Oberfläche liegen, müssten bei zukünftigen Baumaßnahmen erst in Handschachtungen die Kabel freigelegt und hochgebunden werden („extrem erschwerte Tiefbauarbeiten“). „Damit einhergehen höhere Kosten, längere Bauzeiten, zusätzlicher Planungs- beziehungsweise Abrechnungsaufwand bei der Abrechnung gegenüber der Deutschen Glasfaser“, heißt es in der Drucksache: „Alleine der Aufwand zur Bezifferung von zusätzlich entstehenden Kosten und des höheren Verwaltungsaufwandes kann voraussichtlich bei der bestehenden Personaldecke nicht bewältigt werden.“

Da durch den Breitbandausbau im Rahmen des Zweckverbandes NGA-Netz Darmstadt-Dieburg nahezu flächendeckend Bandbreiten von 50 Mbit/s zur Verfügung stehen, mit dem „Vectoring“-Verfahren Geschwindigkeiten bis zu 100Mbit/s erreicht werden und viele Haushalte auch über das Unitymedia-Netz ins Internet gehen würden, habe man „bereits jetzt eine relativ gute Versorgungslage“.

FWB-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Heil kritisierte, dass das Thema Glasfaserausbau nicht in öffentlich tagendenden Ausschuss-Sitzungen beraten und diskutiert worden sei, sondern lediglich in einer Arbeitsgemeinschaft mit Fraktionsvorsitzenden, Ortsvorstehern und weiteren interessierten Stadtverordneten. Solche nicht-öffentlichen Gremien lehne Heil ab, machte er im Stadtparlament deutlich und begründete damit zugleich die Enthaltung seiner Fraktion.

Wie Entega-Unternehmenssprecher Michael Ortmanns auf Anfrage mitteilt, ist Babenhausen der erste Fall im Landkreis Darmstadt-Dieburg, bei dem der Kooperationsvertrag abgelehnt wurde. Darüber, mit wie vielen Kommunen bereits Verträge geschlossen worden sind, gibt er keine Informationen: „Dies unterliegt aus Konkurrenzgründen der Geheimhaltung.“ Öffentlich ist derzeit lediglich, dass in Eppertshausen das Ausbauprojekt erfolgreich gestartet wurde und in Schaafheim derzeit die Nachfragebündelung läuft. In zwei weiteren Landkreis-Kommunen soll diese in diesem Jahr ebenfalls noch starten.

Trotz der Absage aus Babenhausen ist man bei der Entega positiv gestimmt: „Wir befinden uns mit der Stadt Babenhausen weiter in Gesprächen. Hier geht es aktuell nicht um den Glasfaserausbau an sich, sondern um die Fragestellung der Verlegetiefe.“ Bürgermeister Knoke sagte dazu, dass nicht ausgeschlossen sei, dass in Babenhausen Glasfaseranschlüsse bis ins Haus gelegt würden. Als mögliche Orte nannte er das Kasernengelände, das ehemalige Michelsbräu-Areal sowie die Pläne für die Gärtnerei Grünewald. Also überall da, wo demnächst neue Straßen entstehen und das Glasfaser gleich in tieferen Schichten verlegt werden könnte.

Quelle: op-online.de

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