Stärken und Schwächen erkennen

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Während eines Ortsrundgangs wurden Problempunkte angesprochen, wie hier die Nahversorgung, die in Harpertshausen durch den Lebensmittelladen noch gewährleistet ist.

Harpertshausen - Eher positiv bewerten die Harpertshäuser die Entwicklung ihres Stadtteils in der Zukunft. Auch wenn so manches auf dem vorhergehenden Ortsrundgang doch eher nachdenklich stimmen konnte. Von Ulrike Bernauer

Die zweite Veranstaltung zum integrierten kommunalen Entwicklungskonzept (Ikek) fand am Donnerstagabend in Harpertshausen statt. Am Mittwoch in Hergershausen startete damit der Beginn einer Untersuchung, die nicht nur den Entwicklungsstand von Babenhausen und seinen Stadtteilen zeigen, sondern bei Problemen möglichst auch Abhilfe schaffen soll.

Hartmut Kind vom Beratungsbüro SP Plus aus Bad Nauheim, das den langwierigen Prozess begleiten wird, stellte das Konzept vor. „Was in 700 Jahren gewachsen ist, kann man nicht innerhalb von kurzer Zeit verändern“, erklärte der Planer. Schon beim Startpunkt am DRK-Heim zeigte er Probleme auf. Das DRK-Heim, das fast als „Bürgerhaus“ fungiert, habe den Charme der 70er-Jahre, funktional und nicht besonders einladend. Möglicherweise könne eine Umgestaltung dem Haus mehr Besucher und Benutzer bringen.

Ortsvorsteher Kurt Kratz führte die Gruppe an, die den Besuchern vom Planungsbüro, neben Kind auch Lisa Peter, die schönen und weniger schönen Ecken von Harpertshausen zeigte. Lange blieb die Gruppe aus gut 40 Personen, hauptsächlich Harpertshäuser, die sich für die Entwicklung ihres Stadtteils interessieren, beim Kinderschwimmbad stehen, dessen außergewöhnliches Konzept erklärt wurde. Schwimmen dürfen dort aus versicherungsrechtlichen Gründen nur Mitglieder des extra dafür gegründeten Vereins. Dafür ist der Mitgliedsbeitrag denkbar niedrig, ein Kind bezahlt sieben Euro im Jahr. Stolz und dankbar verwies Kratz auch auf den Kindergarten, der seit einigen Tagen nach Jahren des Leerstands wieder geöffnet hat und einer Gruppe aus 15 Ü3- und U3-Kindern Raum bietet. Aber das Gebäude war auch Anlass, auf ein Problem in Harpertshausen hinzuweisen, viele der Häuser im alten Ortskern sind extrem sanierungsbedürftig. Dazu gehört nicht nur das Gebäude, in dem sich der Kindergarten befindet, sondern zahlreiche alte Fachwerkhäuser an der Wegesstrecke, die die Gruppe abschritt. „Hier müsste sich das Stadtmarketing einschalten“, befand Planer Kind, das dürfe sich nicht nur um das Gewerbe kümmern. Sonst würde der Ortskern immer mehr verfallen und der Ort insgesamt an Attraktivität für Hinzuziehende verlieren.

Ängste der Dorfbewohner

Noch hat Harpertshausen einen Lebensmittelladen, in dem nach Bekunden der Rundgangsteilnehmer auch viele Harpertshäuser noch einkaufen. Da die Besitzer aber in den nächsten Jahren in das Rentenalter kommen werden, sprach ein Rundgangsteilnehmer die Ängste der Dorfbewohner an. „Was passiert, wenn der Laden geschlossen wird und sich kein Nachfolger findet?“ Kind riet zu frühzeitigen Gesprächen mit den derzeitigen Betreibern, um Problembewusstsein bei ihnen zu wecken und schon frühzeitig für eine Nachfolge sorgen zu können.

Wieder im DRK-Heim angekommen, zeigte der Planer die Aufgaben von IKEK. Mit breiter Bürgerbeteiligung sollen erst einmal die Stärken und Schwächen der beteiligten Orte herausgearbeitet werden, um dann künftige Handlungsschwerpunkte zu definieren. Diese könnten dann als Grundlage für die Förderung im Rahmen des Programms der Dorfentwicklung in Hessen dienen. „Dies ist allerdings kein Wunschprogramm“, so Kind und es gehe im ersten Schritt auch nicht um private, sondern um öffentliche Projekte. Kind verwies auf die Bevölkerungsentwicklung in Babenhausen, die sich in den einzelnen Stadtteilen zwischen 1995 und 2012 sehr unterschiedlich gestaltet habe. So habe Sickenhofen in diesem Zeitraum um 31 Prozent zugenommen, Babenhausen um sechs Prozent und Harpertshausen um knapp ein Prozent abgenommen. Um diesem Trend entgegen zu wirken, müssten die Stärken der einzelnen Stadtteile herausgearbeitet werden. Die Rundgangsteilnehmer hatten die Möglichkeit, Stärken und Schwächen, aber auch Projektideen auf Kärtchen zu schreiben, die dann an einer Pinnwand aufgehängt wurden. Das Planungsbüro wird sich diese Kärtchen vornehmen und daraus ein Meinungsbild zu verschiedenen Themen wie Leerstand, Verkehr und Mobilität, Gewerbe, Handwerk und Bildungsangebote erstellen. Anfang Oktober sollen diese dann auf einer gemeinsamen Veranstaltung für alle Stadtteile vorgestellt werden.

Quelle: op-online.de

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