Starres Modell abgewendet

Elternvertreter der Kitas erfreut über Kompromisse

Babenhausen - Die von Lokalpolitik und Verwaltung angedachten Einschnitte im Kita-Bereich sind weit weniger drastisch ausgefallen als vorgesehen. Dies ist unter anderem dem Wirken der Elternbeiräte geschuldet. Von Norman Körtge 

„Nein zur Wucher-Kita“ und „Läuse, Krätze und Viren – willkommen! Stadt spart an Reinigung“ stand auf den Plakaten, die empörte Eltern in der Hand hielten, als es im Dezember in der Stadtverordnetenversammlung um neue Kita-Satzungen gehen sollte. Ziel: Kosten reduzieren und den Eigenanteil der Eltern erhöhen. An vorderster Front des Protestes damals der Kita-Gesamtelternbeirat um Vorsitzende Magdalena Aitken. Der sah sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Der vorweihnachtliche Aufschrei hat sich aus Sicht der Elternvertreter gelohnt. Nicht nur, dass seinerzeit die Abstimmung vertagt wurde. Elternbeiräte waren in der extra gebildeten Arbeitsgruppe vertreten und durften Vorschläge einbringen. „Wir haben um jede halbe Stunde mehr an Betreuung gekämpft“, berichtet Aitken. Sichtlich stolz ist sie auf das Erreichte, das in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung mit großer Mehrheit beschlossen wurde (wir berichteten).

„Wir haben ein gewisses Maß an Flexibilität erhalten können und die Einkommensstaffelung teilweise erhalten“, gibt Aitken als die größten Verhandlungserfolge an. So gibt es, obwohl die Abschaffung der Einkommensstaffelung bei den Gebühren bereits beschlossen war, nun ein Modell mit zwei – anstatt vorher fünf – Stufen: die Einkommensgrenze für eine ermäßigte Gebühr liegt bei 50.000 Euro im Jahr. „Alles andere wäre weder fair noch sozialverträglich gewesen“, sagt Elternvertreter Andreas Heymann, der bei den Gesprächen mit am Tisch saß. Zu den großen Erfolgen zählt, dass das angedachte starre Stufenmodell mit fünf, sieben oder neun Stunden täglicher Betreuungszeit in ein wöchentliches Stundenkontingent-Modell von 25, 30 (nur Harpertshausen), 35, 44,5 und 47,5 Stunden umgewandelt wurde.

Eingeschränkt sei man zwar nun, weil sich Eltern auf ein Jahr festlegen müssten, aber dafür könne man die Stunden innerhalb der Wochentage flexibel verteilen. „Wenn eine Familie an zwei Tagen eine längere Betreuungszeit benötig, an drei anderen nicht“, sei dies nun machbar. Beim Stufenmodell wäre das nicht möglich gewesen. Um den tatsächlichen Bedarf der Eltern in Erfahrung zu bringen, hatte der Gesamtelternbeirat eine Umfrage gestartet. Die Auswertung floss in die Neugestaltung der Kita-Satzungen ein. So etwa, dass statt einer Bringzeit für alle Kindergärten sich auf mehrere mögliche Bringzeiten geeinigt werden konnte. Außerdem wird in Harpertshausen täglich eine sechstsündige Betreuungszeit angeboten, statt wie vorgesehen nur fünf Stunden. Und die Öffnungszeiten in Harreshausen und Langstadt wurden nur um eine statt zwei Stunden gekürzt.

Unbefristeter Kita-Streik hat begonnen

Auch was es bedeutet, wenn an den Reinigungskosten gespart werden soll, haben sich die Elternvertreter aufzeigen lassen. „Wir hatten Einsicht in den detaillierten Reinigungskatalog“, berichtet Heymann. Ihnen sei versichert worden, dass die Hygienestandards gerade im Sanitärbereich weiter eingehalten werden, aber zum Beispiel die Schlafräume nur noch jeden zweiten Tag feucht gewischt werden würden oder die Fenster weniger oft. Es gebe bis zu fünf Meter hohe Fenster, da müsse nicht immer alles bei einem Durchgang gereinigt werden, sondern nur der Bereich, wo die Kinder drankämen. „Ja, es wird teuerer. Und ja, es gibt weniger Flexibilität wie bisher“, resümieren Aitken und Heymann. In Anbetracht der Ausgangslage hätten die Elternbeiräte aber in wichtigen Punkten Kompromisse aushandeln können.

Quelle: op-online.de

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