Verkauf der Kaserne: Startschuss nach vier Jahren

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Startschuss für den Verkauf: Katharina Zysk, Gabi Coutandin sowie Harald Nickel und Dr. Jürgen Schmitt (jeweils von links).

Babenhausen - Das Drücken einer Computer-Taste ist eigentlich nichts Außergewöhnliches. Besonders wird die Sache aber dann, wenn vier Jahre darauf gewartet wurde. So lange hat es nämlich von dem Abzug der Amerikaner im Jahre 2007 bis zum aktuellen Ereignis gedauert. Von Michael Just

Dann betätigten Bürgermeisterin Gabi Coutandin, Katharina Zysk von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Stadtentwickler Dr. Jürgen Schmitt und der Rechtsanwalt für Vergaberecht, Harald Nickel, jenen Knopf am Computer, der den Startschuss für den Verkauf der Kaserne mittels einer EU-weiten Ausschreibung im Internet bedeutete.

Die nächsten drei Monate, genauer gesagt bis zum 15. Februar, haben Investoren nun Zeit, ihr Interesse zu bekunden. 2012 soll dann ein Käufer präsentiert werden, der die drei Kernpunkte „Wirtschaften, Arbeiten und Wohnen“ auf den rund 60 Hektar realisiert. „Wir hoffen im nächsten Sommer zu wissen, wohin die Reise geht“, sagte Coutandin. Gesucht wird ein Großinvestor oder eine Investorengemeinschaft, damit „Filetstücke“ nicht herausgetrennt werden und es auch nur einen Ansprechpartner gibt.

Dem Quartett war der Stolz über das bisher Erreichte sichtlich anzusehen, inklusive des Erfolges auf der Expo Real vor wenigen Wochen in München: Hier wurde der Rahmenplan für die Kaserne mit Silber ausgezeichnet und zertifiziert. Mit diesem Modellprojekt, das Ökologie und Ökonomie verbindet, steht Babenhausen in einer Reihe mit dem Potsdamer Platz in Berlin, dem Offenbacher Hafen oder dem Frankfurter Europaviertel. „Das ist bundesweit einzigartig, da bisher noch keine ehemalige Militärfläche so etwas erhalten hat“, führte die Bürgermeisterin an.

Während die BImA das Vergabeverfahren durchführt, wird die Stadt mit den potenziellen Käufern in Gespräche über deren Konzepte treten. Ein Verkauf soll nur an einen Bieter erfolgen, den auch die Stadt will. Damit hat man sich ein größtmögliches Mitspracherecht eingeräumt. „An vielen anderen Konversionsstandorten stand oft nur im Vordergrund, wie der Bund einen hohen Erlös erzielt. In diesem Fall hat Babenhausen den Daumen drauf wie keine andere Stadt“, weiß Rechtsanwalt Harald Nickel. Wie es bei der Auswahl des Investors zwischen Babenhausen und der BImA weitergeht, das sei für ihn äußerst spannend. „Das ist das erste Mal, dass die Bundesanstalt im Vorfeld bei einer Ausschreibung so weit gegangen ist“, führte Zysk zu dem zeit- als auch kostenintensiven Weg an. Für Stadtentwickler Dr. Jürgen Schmitt dennoch ein logischer Schritt: „Nachhaltigkeit ist derzeit das große Thema, das die Branche umtreibt.“

Der vorliegende Rahmenplan bedeutet aber nicht, dass nun jedes neue Haus in der Kaserne ein Gründach, eine Fotovoltaikanlage oder Passivhausstandard bekommt. Vielmehr wird eine Auswahl an Möglichkeiten vorgegeben, was beispielsweise regenerative Energien oder das Abwasser angeht. „Allem liegen natürlich Berechnungen zur Wirtschaftlich- und zur Marktgängigkeit zugrunde“, sagt Schmitt. Laut Nickel könne man einen Investor nicht zu sehr einschränken.

Als Konsequenz eröffne man den potenziellen Investoren einen weiteren Spielraum, sodass sie in einem separaten Verhandlungsverfahren eigene Vorschläge einbringen beziehungsweise den Rahmen modifizieren können.

„Zwar bietet die Kaserne lukrative Möglichkeiten für Investoren an, andererseits wird sie diese nicht derart vielfältig anziehen, als wenn das Areal auf der Frankfurter Zeil läge. Wenn wir ein bis zwei brauchbare Anfragen von Großinvestoren haben, wäre das schon der erwünschte Erfolg“, sind sich die Verantwortlichen einig.

Quelle: op-online.de

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