Gefahren der Abhängigkeit

Statt Sucht: Wirklichkeit, ich komme

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Kim Manuel Reuter vom Galli-Theater spielte vor den Neuntklässern der Offenen Schule ein Ein-Mann-Stück rund um das Thema Lebensflucht und Süchte.

Babenhausen - Mit dem Ein-Mann-Stück „Die Tüte“, das Lebensflucht, Alltagssüchte und Cannabisabhängigkeit thematisiert, gastierte das Galli-Theater aus Wiesbaden an der Offenen Schule. Von Petra Grimm

Eine Gesprächsrunde mit dem Darsteller und Workshops mit Trainern zur Nachbereitung und Vertiefung gehörten zum Präventionsprogramm. Mit einem großen Koffer stürmt Freddy, dargestellt von Kim Manuel Reuter, ins Foyer der Joachim-Schumann-Schule. Aus dem Requisit holt er im Verlauf des rund 40-minütigen Theaterstücks nach und nach diverse Suchtmittel, darunter auch einiges, was die rund 170 zuschauenden Neuntklässer möglicherweise gar nicht mit dem Begriff Abhängigkeit in Verbindung bringen würden.

Organisiert von der Lehrerin Heike Vogel, die für die Präventionsarbeit an der Gesamtschule im Einsatz ist, zeigt das Galli-Theater aus Wiesbaden das Stück „Die Tüte“, in dem es um Flucht aus der Wirklichkeit und ihre Folgen geht. Temperamentvoll spielt der junge Schauspieler den Freddy, der lieber in Tagträumen lebt, als sich den Mühen und auch Frustrationen des Alltagslebens auszusetzen. Er ist auf der Suche nach seinen Talenten und jagt Lebensträumen hinterher, kapituliert aber, sobald große Anstrengungen von ihm verlangt werden oder etwas anders läuft, als er es sich wünscht. So greift er vor den Augen der Schüler bei den verschiedensten Gelegenheiten – beispielsweise nach dem zu anstrengenden Sporttraining, als es mit der Musiker- und Schauspielerkarriere nicht klappt oder wenn er Streit mit seiner Freundin hat – zu Flucht- und damit potenziellen Suchtmitteln.

Zigaretten, Süßigkeiten, sein Handy, Alkohol und schließlich auch Marihuana „helfen“ ihm, den Alltag zu ertragen. Am Ende merkt er aber, dass sein Leben ihm völlig entgleitet. Er fliegt von der Schule, die Freundin ist weg und mit den Eltern hat er nur noch Zoff. Er will so nicht mehr weiterleben und schreit ins Publikum: „Ich will nicht süchtig sein, ich schmeiß mein Leben nicht einfach weg. Wirklichkeit, ich komme!“

Eindrücklich erleben die Schüler, wie schnell es gehen kann, dass man in einer Sucht festhängt, und auch in welchen Situationen Menschen schwach werden und anfällig für Suchtverhalten sind.

In der anschließenden Gesprächsrunde zeigen sich die Neuntklässer eher zurückhaltend, vor allem als der Darsteller Fragen nach ihren eigenen Erfahrungen stellte. In diesem Rahmen kaum verwunderlich: Denn wer will sich hier verwundbar zeigen? „Was tut ihr, wenn es euch zu viel wird, wenn ihr vergessen wollt?“, fragte Reuter. Eine mutige Antwort aus dem Publikum kam von einem Jungen, der sagte, dass er dann zockt. „Was war Ihre Botschaft bei dem Stück?“, wollte eine Schülerin wissen, „dass wir unser Leben nicht wegwerfen sollen?“ Reuter antwortete: „Ja, aber es gibt nicht nur eine gültige Botschaft. Das Stück soll etwas auslösen und euch zum Nachdenken bringen, zum Beispiel darüber, warum ihr etwas konsumiert“, so der Darsteller. „Habt ihr euch denn an irgendeiner Stelle erkannt?“

In vier Workshops eingeteilt, bereiten die Schüler mit Darsteller Reuter und weiteren Trainern des Galli-Theaters das Thema mit Ausdrucksspielen und Gesprächen dann noch nach. Dabei üben sie auch, sich mit Körpersprache, beispielsweise ihrer Haltung, Bewegung, Atmung oder dem Blick, gegen Versuchungen abzugrenzen und ihr Umfeld intensiver wahrzunehmen. „Wir spielen in Kleingruppen auch Alltagsszenen, in denen es um die eigenen Wünsche und Talente geht und die Frage, was kann uns daran hindern, sie zu verwirklichen und was kann mich bestärken“, so der Schauspieler.

Quelle: op-online.de

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