Staub macht Instrument zu schaffen

+
Keine Zuschüsse vom Bistum Die Pfarrgemeinde St. Josef lässt 874 Orgelpfeifen reinigen und Verschleißteile ersetzen. Die Arbeiten dauern vier Wochen an. Orgelbauer Christian Heinbuch nimmt alle Pfeifen unter die Lupe.

Babenhausen - Wer die Kirche St. Josef betritt und zur Empore hochschaut, entdeckt ein riesiges, 50 Kubikmeter großes Loch. Die riesigen Orgelpfeifen, die dort sonst zum Himmel streben, sind verschwunden, genauso wie fast das gesamte Instrument, das sich dahinter verbirgt. Von Michael Just 

Die Leere hat einen Grund: Die Orgel wird die nächsten vier Wochen umfänglich gereinigt und renoviert. Beim Erhalt des Kircheninstruments wird zwischen zwei Maßnahmen unterschieden: „Zum einen haben wir eine jährliche Wartung, bei der kleinere Reparaturen ausgeführt werden. In größeren Abständen, in der Regel alle 15 bis 20 Jahre, ist eine Grundrenovierung notwendig“, erzählt Pfarrer Ferdinand Winter. Der reduzierten Reinigung mit Klangoptimierung aus 2004 folgt nun ein Auftrag, der eine technische Instandsetzung als Schwerpunkt hat.

Seit letzter Woche sind die Arbeiten der Firma Förster und Nicolaus aus dem oberhessischen Lich in vollem Gange. Die Endabrechnung wird rund 27.000 Euro ausweisen, die St. Josef komplett selbst aufbringen muss. Denn für sämtliche Kosten, die Erhalt oder Anschaffung einer Orgel betreffen, gibt es vom Bistum keine Zuschüsse. „Mainz schickt aber einen Experten, der untersucht, ob die Orgel einer Generalüberholung bedarf. In unserem Fall waren die Untersuchungen positiv“, ergänzt der Pfarrer. Damit die Gottesdienste nicht ohne musikalische Begleitung auskommen müssen, hat Förster und Nicolaus eine kleine, transportable Truhenorgel bereitgestellt, die neben dem Altar steht und den Organisten gut sichtbar macht. Während der Arbeiten bleibt die Kirche für die Gläubigen geschlossen. Alleine der Ein- und Ausbau der 874 Orgelpfeifen dauert vier Tage. Im Kirchenraum wurden sie aufgereiht, ein Teil der rechteckigen Holzpfeifen wurde auf den Schiffen abgelegt. Die größte Pfeife, die „Subbass 16’“ misst stolze 2,50 Meter, der kleinste Vertreter bringt es gerademal auf 15 Zentimeter. Die Töne der kleinsten Pfeifen erreichen, ähnlich wie bei einer Hundepfeife, fast die obere menschliche Hörgrenze.

„Unsere Hauptarbeit liegt in der Reinigung und dem Austausch der Verschleißteile“, erzählt Orgelbauer Christian Heinbuch (48). Er weiß, dass vor allem der Staub dem Instrument zu schaffen macht. Dazu kämen der Weihrauch und der Ruß der Kerzen. „Nicht umsonst gibt es in einigen Kirchen einen Rußfang“, erläutert der Experte. Kleinste Partikel würden sich im Orgelwerk festsetzen und die Töne beeinträchtigen. Als Beispiel hebt Heinbuch eine Reihe mit Registereinschaltbälgen hoch. Vormals hatten sie eine helle Haut, jetzt ist diese so schwarz, als hätte sie ein Schornsteinfeger in den Händen gehabt. Wie oft Orgeln gereinigt werden müssen, hängt nicht zuletzt von der Stadt oder dem Ort ab, wo sie ihren Dienst verrichten: „Beispielsweise im Vogelsberg, und damit in den Mittelgebirgen, ist die Luft viel sauberer“, erklärt der Fachmann. Hier müsse nur alle 20 bis 30 Jahre grundgereinigt gereinigt. Anders in Frankfurt-Höchst: Hier sei die Luft regelrecht sauer und die Abstände bei Weitem kürzer.

Neuer Wohlklang für Kirchenorgel in Urberach

Neuer Wohlklang für Kirchenorgel

Die Orgelspezialisten bauen auch die Membranleisten aus, um an die für die Tonerzeugung wichtigen Ledermembranen zu gelangen. Jedes der kleinen, geschmeidigen Blättchen aus Schafsleder kostet um die acht Euro, so dass hier bei über 800 Pfeifen bereits ein wesentlicher Teil der Gesamtkosten entsteht. Die Reinigung des Pfeifenwerks geschieht mit Industriestaubsaugern, aber auch ganz althergebracht mit einer Laschenbürste. Bei den Kernspalten der Labialpfeifen kommen weiche Pinsel zum Einsatz. Zudem werden die Holzpfeifen auf Rissbildung untersucht. Wo vorhanden, werden diese verleimt.

Die Babenhäuser Orgel ist rund 80 Jahre alt. Gebaut hat sie die Firma Link aus Giengen an der Brenz (Schwäbische Alb) für die evangelische Kirchengemeinde Alsbach (Bergstraße). 1983 wurde sie von St. Josef erworben und in die hiesige Kirche eingebaut. Mit ihren 14 Registern ist sie eine Orgel mittlerer Größe. Groß wäre sie mit 25 Registern. Das Orgelwerk hat drei Windladen, zwei werden per Hand, eines wird per Pedal bedient. Sie bringen den Wind zu den Pfeifen, von denen nicht alle arbeiten: „Ein kleiner Teil sind Attrappen und damit Blender. „Auch damals legte man schon viel Wert darauf, dass es schön aussieht“, so Heinbuch.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare