Steife Brise weht „Jenny“ entgegen

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Mit Plakaten und Trillerpfeifen gegen „Jenny“: Bürger demonstrierten gegen das ehemalige Küstenmotorschiff als Technikgebäude fürs Freibad. Viele trugen sich in Unterschriftenlisten ein (links).

Babenhausen ‐ Ob „Jenny“ wirklich im Freibad andockt? Gestern machten rund 120 Bürger ihrem Ärger Luft und brachten ihren Unmut gegen die Pläne zum Ausdruck, das ausgediente Schiff im Freibad zum Technikgebäude umzufunktionieren. Von Stefan Scharkopf

Mit Trillerpfeifen und Rufen kommentierten die Babenhäuser die Pläne und machten vornehmlich die CDU/Grünen-Mehrheit in Stadtparlament und Betriebskommission verantwortlich. Dicht umlagert war ein Tisch mit Unterschriftenlisten, in die sich die teils sehr aufgebrachten Schiffsgegner eintrugen.

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Aufgerufen zur Demonstration auf dem Marktplatz hatten Reinhard Weitzel und die „Gegner von Jenny“. Wie Weitzel sagte, sei die Idee zur bei einem Glas Wein mit Freunden entstanden. Nachdem in den Zeitungen viel geschrieben und sich die Parteien dazu geäußert hatten, sei es nun Zeit, dass die Bürger ihre Meinung sagten. Die Babenhäuser waren zum Marktplatz gekommen, weil zur gleichen Zeit im Rathaus der Magistrat zu seiner wöchentlichen Sitzung zusammengekommen war.

Es gibt eine neue Anhörung zum Thema „Jenny“

Auch Unterschriften wurden gesammelt.

Bürgermeisterin Gabi Coutandin sagte, dass der Magistrat die „Notbremse gezogen“ habe. Am 19. November wird die Betriebskommission, die mehrheitlich den Ankauf von „Jenny“ abgesegnet hatte, im Magistrat zu einer Anhörung gebeten, um nochmal die Kostenstruktur zu erklären; auch für ein herkömmliches Technikgebäude mit Bistro. Die vorgesehene und von der Kommunalaufsicht gedeckelte Gesamtsanierung von 3,5 Millionen seien schon jetzt um 20.000 bis 30.000 Euro überschritten und ein Ende der Zusatzkosten noch nicht absehbar. Bislang gebe es noch keine belastbaren Zahlen was den Transport betrifft. Danach müsse abgewogen werden, was die wirtschaftlichere Variante sei.

Coutandin sagte, dass die Sanierung komplett über Kredite finanziert werde. So kämen zu den jährlichen Betriebskosten (die nach der Sanierung geringer werden) noch 300.000 Euro pro Jahr an Rückzahlung hinzu.

Wetzel kritisiert Entscheidungsprozess

Wie Demo-Organisator Weitzel waren die auf dem Marktplatz versammelten Babenhäuser der Meinung, dass ein herkömmliches Gebäude billiger gewesen wäre: 150.000 Euro statt der 330.000 für den Kutter - alles in allem. „Warum machen sich eigentlich CDU und Grüne mit einer gewissen Sturheit für diesen Kutter stark, obwohl seit 2000 ein Plan existiert, der von einem Architekten gezeichnet wurde. Es ist eine Schande, wie hier mit Steuergeld umgegangen wird“, so Weitzel, und weiter: „Warum wird an ‚Jenny‘ festgehalten, obwohl die Gastronomie entfällt. Diese Fragen werden sich unsere Stadtverordneten gefallen lassen müssen.“ Kritisiert wurde auch, dass die Entscheidung pro Schiff in der nicht öffentlich tagenden Betriebskommission getroffen wurde.

„Trotzige Kinder“ wollen an Spielzeug festhalten

Am kommenden Samstag (14.) sammeln die Gegner von „Jenny“ ab 10 Uhr auf dem Marktplatz weitere Unterschriften.

Grünen-Magistratsmitglied Manfred Nodes und CDU-Fraktionschef Friedel Sahm wollten als Befürworter von „Jenny“ ebenfalls Stellung nehmen. Besonders Nodes hatte es schwer, seine Argumente vorzubringen. „Kleine, trotzige Kinder, die an ihrem Spielzeug festhalten wollen“, war noch der harmlosere Vorwurf, den die Vertreter der politischen Mehrheitsfraktion sich anhören mussten. Sahm sagte, dass die nach der Bürgerinformation in der Stadthalle bekannt gewordenen Mehrkosten mit dem finanziellen Aufwand für Umplanungen im Freibad verglichen worden seien. Erneute Planungen käme teurer.

Quelle: op-online.de

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