Die Sternenzauberer

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Ohne diese Mörserrohre läuft bei den Pyrotechnikern aus Babenhausen und Dieburg nichts. -  Fotos (2): Dörr

Babenhausen - Ein Trio aus Babenhausen und Dieburg zündet in seiner Freizeit Feuerwerke in der Region. Von Jens Dörr

Was haben der Jahreswechsel von 1999 auf 2000 und ein Bericht in der „Bild am Sonntag“ damit zu tun, dass ein Trio aus Babenhausen und Dieburg seither ein optisches Spektakel am Himmel der Region veranstaltet? Sei es am Babenhäuser Schloss, im Dieburger Fechenbach-Park oder beim Kleinkrotzenburger „Teich in Flammen“?

„Einerseits nahte Millenium, andererseits erschien in der Zeitung ein Artikel mit dem Titel ,Schule der Böllermänner’. Die Begeisterung für Pyrotechnik kriegt man aber schon mit in die Wiege gelegt“, sagt Uwe Kloos (52) und schaut über den mit Zwetschgenkuchen gedeckten Tisch. Dort sitzen Rolf Kreisel (64) und Holger Kern (43) und sind sich in der Regel mit Kloos einig. Unter dem Namen „Sternenzauber“ sorgen die Babenhäuser Kloos und Kreisel sowie der Dieburger Kern in ihren Heimatstädten und um sie herum für –im wahrsten Wortsinn – zündende Ereignisse: Einen Gutteil ihrer Freizeit verbringen sie mit dem Planen und Abbrennen von Feuerwerken.

Das letzte ist noch gar nicht lange her: Anfang August waren die drei gestandenen Männer – obwohl Kreisel augenzwinkernd meint, er sei der Senior und müsse auf die „Buben“ aufpassen – erstmals mit einem Feuerwerk beim „Seebeben“ am Hardt-See nahe Sickenhofen mit von der Partie. Für das Trio ein neuer Höhepunkt in seiner Pyrotechnik-Laufbahn, die neben dem eigentlichen Erwerbsleben stattfindet. Kloos ist Werkzeugmacher bei Continental, Kern Fachangestellter im Dieburger Freibad, Kreisel nach seiner Arbeitszeit in der Industrie und als Amtsleiter im Babenhäuser Rathaus inzwischen Ruheständler.

„Es kam sehr gut an, was wir am See gemacht haben“, meint Kreisel. Eine Wiederholung des Auftrags im kommenden Jahr scheint denkbar, auch wenn das Trio den Mund selbst so voll gar nicht nehmen möchte. Stattdessen erzählt es lieber über seinen Werdegang und sein außergewöhnliches, herausforderndes Hobby.

Im Zeitungsartikel hatte Kloos vor 14 Jahren also von anderen „Böllermännern“ gelesen. Die gingen nach Peisenberg nahe München – auf die erste staatlich anerkannte Pyrotechnikschule. „Früher haben die Feuerwerke meist die Leute gemacht, die auch in Steinbrüchen gesprengt haben“, erzählt Kern. Der Dieburger ist als Feuerwehrmann vom Fach, lernte Kloos und Kreisel 2004 kennen. Kloos, bis dato eher mit Tischfeuerwerken befasst, erlangte 2001 die Befähigung in Peisenberg: „Staatlich geprüfter Großfeuerwerker“ darf er sich seitdem nennen. Teil der Ausbildung neben einiger Theorie: das Aufbauen und Abbrennen von 26 Feuerwerken. „Damals wurde noch mit der Hand gezündet“, berichtet er. Heute sorgen „Sternenzauber“ via Funkzündung fürs „Ah“ und „Oh“ der Zuschauer. Zwei Dinge brauche man als Feuerwerker aber noch wie eh und je: „Helfer und Klebeband“, rufen die drei unisono und lachen.

Lassen den Himmel erleuchten (von links): Der Dieburger Holger Kern sowie die Babenhäuser Jasmin Kloos, Uwe Kloos und Rolf Kreisel.

Einer von vielen Unterschieden auch zu jenen, die mutmaßen, an Silvester der Nachbarschaft fast schon professionelle Shows zu liefern: Staatlich geprüfte Feuerwerker wie Kloos dürfen auch Raketen der Klasse IV verwenden. Klasse III gibt es nicht mehr, aus Klasse II sind die meisten Böller und Raketen, die jeder ab 18 Jahren für den Jahreswechsel kaufen kann. Klasse I ist auch Jugendlichen erlaubt. Aus Klasse IV wählt das Trio aus Babenhausen und Dieburg die unterschiedlichsten Effekte für den nächtlichen Himmel aus – mit einer Steighöhe von bis zu 150 Metern. In diesem extrem hoch schießenden Beispiel bedeute das zugleich, dass in einem Radius von 150 Metern um die Abschussstelle herum keine Menschen stehen dürften. Für diese Sicherheit zu sorgen, sei manchmal fast genauso anspruchsvoll wie das eigentliche Wow-Erlebnis. Gut, wer da auf weitere Helfer wie Jasmin Kloos, Andrea Kern und Franz Kloos bauen kann, die das „Sternenzauber“-Trio unterstützen.

Die Pyrotechniker selbst haben über die Jahre hinweg etliche Feuerwerke gezündet, bei „Dieburg in Blau“ etwa vor dem Fechenbach-Schloss, 2010 am Babenhäuser Schloss. „Das Feuerwerk beim Dieburger Schlossgartenfest 2009 war unser bisher aufwändigstes“, meint Kreisel und erhält die Zustimmung seiner Mitstreiter. Eingekauft werde das Material „bei deutschen Firmen, die meist in China kaufen, wo in der Regel produziert wird“, fügt Kern an. Kloos hebt hervor: „98 Prozent des Silvester-Feuerwerks kommt aus China. Das China-Feuerwerk ist toll und wird von der Bundesanstalt für Materialprüfung getestet.“ Einen Unfall haben die drei in all den Jahren nicht erlebt.

Das „Seebeben“ 2013

Seebeben: Beachparty und Festival

So soll es selbstredend auch bleiben, wenn die nächsten Aufträge (Kontakt per E-Mail an uwe_jasmin.kloos@t-online.de) eingehen. Auch dann gelte für die Choreografien: „Sie entstehen vorher im Kopf.“ Am PC wird dann ausgetüftelt, ehe beim Aufbau wieder körperliche Arbeit gefragt ist. Preislich gelte: „Teurer geht immer.“ Die günstigsten Feuerwerke – etwa für Hochzeiten – begännen im mittleren dreistelligen Eurobereich. Die Gewinnerzielung steht bei Uwe Kloos, Rolf Kreisel und Holger Kern nicht im Mittelpunkt. Vielmehr sind es die beseelten Gesichter der Himmelsgucker, wenn das letzte Licht erloschen ist.

Seebeben: Beachparty in Babenhausen

Über drei Tage geht die fünfte Auflage des Seebebens der SG Rot-Weiss Babenhausen am Sickenhöfer See. Dank ihres vielseitigen Beachparty-Programms durften sich die Organisatoren über einen Besucheransturm freuen.

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Quelle: op-online.de

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