Stilsicherer Umgang mit der Pasta

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Kurz vor den Ferien lernen Bachgau-Schüler Benimmregeln nach Knigge. Der richtige Verzehr einer Banane kann zur Herausforderung werden. Die Erben des Freiherrn von Knigge: An der Bachgau-Schule versuchten sich Schüler während der Kulturtage an Stil und Etikette, darunter auch beim „richtigen“ Essen von Spaghetti.

Babenhausen - Wie esse ich eine Banane? „Wie schon? Schälen und rein damit!“, sagt eine Schülerin lachend. In der Regel ist das Verspeisen der länglichen Südfrüchte völlig problemlos. Von Michael Just 

Anders sieht‘s aus, wenn dabei Benimmregeln, für die der Name Freiherr von Knigge steht, eingehalten werden sollen. „Ich lege die Banane auf den Teller, schneide die beiden Enden mit dem Messer ab, schäle sie dann mit den Händen, zerteile alles in kleine Stücke und nehme dann die Gabel zum Essen“, schlägt eine Schülerin nach kurzer Denkpause vor. Ein Ansatz, der nur zum Teil richtig ist: „Die Enden bleiben dran“, klärt Lehrerin Angela Valter auf.

Kurz vor Ferienbeginn waren am Bachgau-Gymnasium die hohe Schule der Manieren angesagt. Die zeigten sich als Teil der Kulturtage, bei der sich die Schüler in insgesamt zwölf interessante Projekte einwählen konnten. Unter anderem dabei: Schnupperkurs zur chinesischen Kultur im Konfuzius-Institut in Frankfurt, „Götter wie wir…“ im Pompejanum Aschaffenburg (inklusive Fotoshooting in Götterposen) oder „Reptilien - Vielfalt und Anpassung an Lebensräume“ im Vivarium Darmstadt. Des Weiteren: Jugend in der DDR oder ein Knigge-Crashkurs, für die es in beiden Fällen das Verlassen der heimischen Schule nicht bedurfte.

Zum Erklären der Benimmregeln boten sich die beiden Lehrerinnen Angela Valter und Anja Feder an. Valter machte sich frühmorgens zu Hause extra die Mühe, Spaghetti zu kochen und mitzubringen. Die waren zwar bis zum Einsatz in der Schule kalt, das war für das Erlernen des stilsicheren Umgangs mit Pasta aber nicht bedeutend. Wer „richtig“ Spaghetti essen will, der dreht diese im Uhrzeigersinn - und das nicht im Löffel, sondern am Tellerrand. „Dafür werden die langen Nudel exta im tiefen Teller serviert. Natürlich setzt man nur die Menge ab, die auch in den Mund passt“, erklärte Valter. Dass die Nudel mit dem Messer geschnitten werden geht natürlich gar nicht. Vom Salat bleibt das Messer ebenfalls fern: Hier wird nämlich gefaltet. Als Angela Valter kürzlich einen Artikel über die Nachkommen des Freiherrn von Knigge las, kam ihr die Idee, dass man daraus etwas für die Kulturtage machen könnte. Und noch ein anderer Aspekt spielte eine Rolle: „Es gibt ein Verhalten, bei dem sich viele Lehrer immer wieder mal über ihre Schüler ärgern: Es geht ums Grüßen.“

Der große Facebook-Knigge

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So war der Crashkurs in drei Teile aufgebaut: Kommunikation/Begrüßung, Essen und Trinken sowie der Weg in die Berufswelt/Bewerbung. Bei der Begrüßung wird zwischen privat und geschäftlich unterschieden: Während im Geschäftsbereich die Hierachie zählt, beachtet man im Privatbereich das Alter oder das Geschlecht („Ladies first“). In punkto Berufswelt/Bewerbung bekam die Gruppe wichtige Tipps beim Dresscode und der Körpersprache vermittelt, die später vielleicht bei der Vergabe des Jobs ausschlaggebend sein können. Die Mehrheit waren Schülerinnen, die interessiert und amüsiert, den Ausführungen der Lehrerinnen lauschten.

Beruhigend für das Auditorium: Die Lehrerinnen wussten auch nicht alles aus dem Stehgreif und hatten dafür die entsprechende Literatur dabei. „Man lernt doch ziemlich viel: etwa beim Besteck, dass man hier von außen nach innen ist, oder dass es eine Vielzahl von Gläsern für verschiedene Getränke gibt“, sagt Rana Karakaya (18). Die erlernte Etikette glaubt sie künftig vorrangig im Restaurant anwenden zu können. Dazu gehören schon einfachste Dinge, wie etwa, dass man benutzte Papierservietten nach dem Essen nicht in, sondern neben den Teller legt. Auch Hähnchenschenkel werden nicht in die Hand genommen, sondern das Fleisch mit Messer und Gabel vom Knochen getrennt. Damit erweist sich die Annahme als falsch, dass das weiße, runde Papierchen am Knochen zum Anfassen ist. „Reine Deko“ würde die richtige Antwort lauten.

„Wir beschäftigen uns in diesem Kurs vorrangig mit der Theorie, ab und an auch mit der Praxis. Zwischendurch wird immer mal wieder herzlich gelacht“, berichtete Angela Valter. Die Pädagogin war bemüht aufzuklären, ihre Schützlinge aber nicht völlig verunsichert nach Hause gehen zu lassen. Verständlich, wenn bereits das Verspeisen einer Banane zur ungeahnten Herausforderung werden kann.

Quelle: op-online.de

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