Stolz auf kleine Kostbarkeiten

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Ine Reichart freut sich über die vielen positiven Rückmeldungen, die die Besucher der Cellba-Puppen-Ausstellung ins Gästebuch geschrieben haben.

Babenhausen ‐ Mit dieser großen Resonanz hatten die Veranstalter vom Heimat- und Geschichtsverein gar nicht gerechnet. Rund 3000 Besucher, viele auch von auswärts, bestaunten die große Cellba-Puppen-Ausstellung. Von Petra Grimm

Sie war vom Weihnachtsmarkwochenende bis zum vergangenen Sonntag in der Stadtmühle aufgebaut. Etwa 250 Puppen aus vier Jahrzehnten, außerdem Produktionswerkzeuge, alte Plakate und Fotos von Puppen waren zu sehen.

Die Ausstellung in Bildern:

Cellba-Puppen-Ausstellung

„Allein am ersten Ausstellungswochenende haben wir fast 2000 Gäste gezählt“, sagt Ine Reichart, die zweite Vorsitzende des Vereins, die zahlreiche Details über die Puppen und die Celluloidwarenfabrik Babenhausen, kurz Cellba genannt, zusammengetragen und ausgewertet hat. Ohne ihr unermüdliches Engagement und ihre fünf Jahre dauernde Recherche hätte es die Ausstellung nicht gegeben. Beim Aufbau und der Aufsicht während der Öffnungszeiten hatte sie die Unterstützung einiger Vereinsmitglieder. Die Stadt hatte das kleine Häuschen, das ein passendes Ambiente bot, zur Verfügung gestellt und den Druck der Plakate gesponsert.

Nun wird abgebaut und aufgeräumt. „Die meisten der geliehenen Puppen wurden von ihren Besitzern inzwischen wieder abgeholt. Alle haben die Ausstellung gut überstanden. Keine Puppe wurde beschädigt. Das war mir sehr wichtig“, sagt Reichart, die dankbar für das Vertrauen der Leihgeber ist. Die waren teils mit Freunden und Verwandten mehrfach in die Ausstellung gekommen, um „ihre“ Puppe zu zeigen. Stolz sind wohl die meisten gewesen, dass ihre Puppe, die sie über die Jahre gebracht haben, einem großen Publikum präsentiert wurde.

Mehr als die Hälfte der Exponate gehört dem Verein. „Es sind alles Schenkungen“, sagt die Ausstellungsmacherin. Sie werden wieder verpackt und wohl in dem geplanten Territorialmuseum, das dank des Engagements des Unternehmers Dieter Aumann entstehen soll, einen Platz finden.

Ausstellung für viele eine Zeitreise

Nicht nur die Besucherzahlen überraschten die Veranstalter. Erstaunt seien sie auch gewesen, wie sehr dieses Thema viele Besucher berührt habe, sagt Reichart. Viele inzwischen ergraute Puppenmütter erzählten begeistert von den Erlebnissen mit ihren Puppen, die während und nach dem Krieg oft auch als Tauschware dienten. „Einige Besucher brachten ihre eigenen Puppen in großen Tüten mit in die Ausstellung, um sie mir zu zeigen. Wenn ich Zeit hatte, habe ich sie auch fotografiert“, sagt sie. Die Leute schenkten ihr alte Fotos, ein Mann seine Hefte aus der Lehrzeit bei der Cellba. Viele Gespräche der Besucher drehten sich um die Arbeit dort. Schließlich war die von Heinrich Schöberl gegründete Fabrik mit Sitz am Ostheimer Weg, in der von 1924 bis 1966 hauptsächlich Puppen, aber auch Schwimmtiere und Rasseln, aus Zelluloid hergestellt wurden, zeitweise der größte Arbeitgeber der Stadt.

Dass die Ausstellung für viele eine Zeitreise war, spiegelt sich auch in den Eintragungen im Gästebuch, das Ine Reichart erfreut über die positiven Rückmeldungen durchblättert. „Für uns Alt-Babenhäuser ist diese Ausstellung ein Ausflug in die eigene Kindheit“ ist darin zu lesen. Das ist der Tenor vieler Anmerkungen.

Eigentlich habe sie jetzt einen Schlussstrich unter ihre Beschäftigung mit den Puppen ziehen wollen, erzählt Ine Reichart. Aber daraus wird wohl nichts. Die Besucher der Ausstellung haben ihr so viele neue Anregungen und Informationen gebracht, dass sie doch noch eine Weile an dem Thema dran bleiben wird, sagt sie lachend.

Quelle: op-online.de

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