Streetworker organisieren neuen Jugendtreff

„Wir verschließen uns niemandem“

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Ahmet Ögretmen (rotes T-Shirt) und Negjmedin Saitaj (rechts daneben) riefen und 25 Jugendliche kamen ins Babos zum ersten Jugendtreff.

Babenhausen - Unter dem Sparzwang der Stadt Babenhausen leiden viele. Auch die Jugendarbeit erhält weniger Mittel. Mit Hilfe von Negjmedin Saitaj arbeitet Ahmet Ögretmen in seiner Freizeit daran, Jugendlichen trotzdem zu helfen. Von Yvonne Fitzenberger 

Von außen ist das Gebäude unscheinbar: Das helle Steingemäuer erinnert an ein altes Bahnhofsgebäude, das noch in einem sehr guten Zustand ist. Statt des Namens der Haltestelle prangt der Schriftzug „Babos“ über dem Eingang. Innen ist es dunkel, es riecht nach süßem Tabak. Musik dröhnt aus den Boxen. Junge Erwachsene gehen durch die Bar nach draußen auf die Terrasse. Auch hier dominieren dunkle Farben.

Die Shisha-Bar von Negjmedin Saitaj und Rapper Haftbefehl zieht Jugendliche und junge Erwachsene gleichermaßen an. Und genau das nutzen Saitaj und Ahmet Ögretmen: Die Shisha-Bar soll eine Anlaufstelle für Kinder und Heranwachsende gleichermaßen werden. Wer Hilfe braucht, soll sie im Babos beim offenen Jugendtreff und auch darüber hinaus finden.

Das erste Treffen gab es schon. Die Idee stammt von Saitaj. Angeregt von Ögretmens Beobachtungen an Schulen – vor allem Mobbing belastet Jugendliche – suchten die beiden Männer nach einer Lösung, durch die sie möglichst viele ansprechen. „Wir müssen erst einmal ihre Aufmerksamkeit kriegen“, ist sich Saitaj sicher. Daher engagierte der 34-Jährige neben einem Magier auch den Offenbacher Rapper Soufian, um bei dem ersten offenen Jugendtreff aufzutreten.

Das Konzept geht auf: 25 Teilnehmer im Alter zwischen 14 und 18 Jahren versammelten sich auf der Terrasse des Babos – der Innenraum war strikt tabu, da Shisha rauchen und Alkohol trinken erst ab 18 Jahren erlaubt sind. Vor den Türen warteten sogar noch jüngere, berichtet Ögretmen: „Da waren Zwölfjährige, die auch gerne mit dabei gewesen wären. Damit haben wir nicht gerechnet.“

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Mit dem jüngsten Treffen sollte der erste Schritt gemacht werden, das Babos als Anlaufstelle zu etablieren. „Die Jugendlichen sollen wissen, dass sie zu uns kommen können und das jederzeit“, betont der 49-Jährige. „Wenn wir nicht helfen können, wissen wir aber, an wen sie sich wenden können.“

Wichtig sei den beiden Streetworkern dabei, dass es egal ist, um welche Probleme es sich handelt. „Jeder erzählt soviel, wie er möchte. Wir wollen keinem zu nahe treten, sondern helfen“, sind sich die beiden einig. Denn „wir leben in einer Zeit, in der Eltern durch ihre Arbeit überfordert sind.“ Daher sehen sie sich als Unterstützer und nicht als Ersatz. Sie haben auch ein offenes Ohr für Ältere. „Wir verschließen uns niemandem“, sagt Saitaj. Ihr Vorteil dabei, sagen sie, sei, dass sie in Babenhausen verwurzelt sind. Sie kennen die Schulen, die Lehrer und die Probleme. Vor allem Saitaj will seine Lebenserfahrung teilen: „Ich habe selbst Mist gebaut und will andere davor bewahren.“

Quelle: op-online.de

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