Großes Bürgerinteresse

Streit um Kostensteigerung für Kita

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Frei gemacht für die neue Evangelische Kindertagesstätte: das Grundstück in der Martin-Luther-Straße.

Babenhausen - In Babenhausen wird investiert, geplant und gebaut. Das stößt auf reges Interesse bei den Bürgern, wie sich bei der ersten Stadtverordnetensitzung 2018 am Donnerstag Abend an den vollen Rängen im Sitzungssaal des Rathauses abzeichnete.

Auf der Agenda der Kommunalpolitik standen zur jüngsten Parlamentssitzung unter anderem der Neubau der evangelischen Kindertagesstätte und der Aufstellungsbeschluss eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans für das Gelände der ehemaligen Gärtnerei Grünewald.
Der Gärtnereibetrieb will mit seinem Unternehmen von der Martin-Luther-Straße an die Bouxwiller Straße umsiedeln. Auf der frei werdenden, 6400 Quadratmeter großen Fläche möchte ein Aschaffenburger Investor Wohn- und Gewerberaum schaffen (wir berichteten).

Die politische Diskussion zur Neubebauung des Gärtnereigeländes war kontrovers. Bürgermeister Joachim Knoke erklärte nun, es gebe noch erheblichen Informationsbedarf, etwa was die Höhe und Außenansicht der Baukörper angehe. „Wir wollen das Thema in Ruhe und Gründlichkeit beraten“, so der Verwaltungschef. Die Drucksache wurde von der Tagesordnung genommen und zurück in den Bauausschuss verwiesen.

Auf den Weg gebracht wurde die Ausschreibung für den Neubau der evangelischen Kita an der Martin-Luther-Straße. Ein Totalunternehmer soll die vierzügige Betreuungseinrichtung für 1,91 Millionen Euro schlüsselfertig bauen, darin war sich die Politik einig. Vorlauf des einstimmigen Beschlusses war massive Kritik der Union. Stein des Anstoßes: Das Gesamtvorhaben wird teurer (wir berichteten). Die Kostenprognose von 2015 (2,4 Millionen Euro) wurde inzwischen auf 2,76 Millionen Euro angepasst. „Wir wollen nicht die Buhmänner sein, die die Kita verhindern“, erklärte Unionsmann Günter Eckert. Dass die Abrisskosten für das Bauareal von prognostizierten 66 000 auf 360 000 Euro kletterten, monierte Eckert ebenso wie die 98 000 Euro für Kampfmittelsondierungen. „Dies einzukalkulieren wurde schlicht vergessen“, behauptete der Christdemokrat.

Jörg Kurschildgen, Fraktionsvorsitzender der SPD, hielt dagegen: „Als 2015 der Beschluss gefasst wurde, konnte niemand ahnen, dass unter dem Gebäude eine massive Bodenplatte ist.“ Und die Auflage des Regierungspräsidiums (RP), im Boden nach Kampfmitteln zu suchen, gelte für Babenhausen erst, „seit wir 2017 einen Blindgänger gefunden haben.“

Wie Bau-Fachbereichsleiter Christian Heinemann bereits im Fachausschuss ausgeführt hatte, führten mehrere Faktoren zur Abrisskostensteigerung: Die Stadt wollte am Ursprungsgelände der Kita in der Martin-Luther-Straße 1 bauen, das sich als zu klein für eine vierzügige Einrichtung entpuppte. Der Grundstückstausch mit dem Landkreis (Fläche vor der Schule im Kirchgarten) und der Abriss der „Kinderkiste“ schuf ausreichend Fläche – und Mehrkosten.

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Dass der Kreis die Abrissarbeiten vornahm, hätte nun zur Folge, „dass die umliegenden Häuser in Mitleidenschaft gezogen würden“, wusste Günter Eckert, „auf der Baustelle soll Baustopp herrschen.“ Mit einem Fragenkatalog an die Verwaltung wünscht die Union unverzüglich Aufklärung.

Dass der Architektenentwurf, wie von der Union postuliert, gar ein ganzes Jahr in der Schreibtischschublade geschlummert habe, wies der Bürgermeister entschieden zurück, „wir haben in jeder freien Minute an diesem Thema weitergearbeitet.“

Einig war man sich, die Ausschreibung für die Kita auf den Weg zu bringen. Sobald das Unternehmen Baurecht hat, soll die Ausführungszeit ein Jahr umfassen, zumal der evangelische Kindergartenbetrieb in das Übergangsdomizil Sophie-Kehl-Heim ausgelagert wurde. Mit den Stimmen von CDU, FDP und Freien Wählern wurde außerdem ein CDU-Änderungsantrag gefasst, dass die Gesamtprojektkosten 2,76 Millionen Euro (brutto) nicht übersteigen dürfen. (zah)

Quelle: op-online.de

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