Hofgut in Harreshausen

Wenig Glück mit „Fortuna“

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Pächterin Klaudia Skotnik muss nach einem Jahr das Hofgut verlassen. Die Besitzer steigen selbst wieder ein.

Harreshausen - Vor einem Jahr waren alle zufrieden: Besitzer und Pächter des Reiterhofs am Rande von Harreshausen. „Der Kontakt war sofort sehr innig“, erzählte Klaudia Skodnik damals, kurz nachdem sie den ehemaligen Hartmann-Hof im Eichen gepachtet hatte. Von Daniel Schmitt

Unter dem neuen Namen „Hofgut Fortuna“ wollte die 33-Jährige einiges verändern. So sollte der Reiterhof um ein Begegnungs- und Therapiezentrum erweitert werden. Nach rund einem Jahr scheint dieses Vorhaben trotz einiger Fortschritte gescheitert, am 1. April muss Skodnik den Hof verlassen – gegen ihren Willen. „Es sind schlimme Zeiten“, sagt Skodnik und wirft den beiden Hofbesitzern Silvia und Hans Helmuth Hartmann vor, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben.

Demnach habe der 70-jährige Hartmann, dem der Reiterhof seit 1963 gehört, ursprünglich vorgehabt, kürzer zu treten und den Hof aus Altersgründen zu verkaufen. Über Bekannte wurde die aus Bad Homburg stammende Skodnik Anfang 2012 aufmerksam. Sie wollte sofort kaufen. „Da ich aber noch keine landwirtschaftlichen Tätigkeiten vorzuweisen hatte, einigten wir uns auf eine einjährige Pacht mit der Absprache, dass der Hof danach für mich zum Kauf bereit steht“, berichtet Skodnik.

Die Unternehmerin hat Abitur, Industriekauffrau gelernt und dann eine Kfz-Werkstatt samt Autohandel besessen. Es folgte ein Studium der Architektur und die Arbeit als Dozentin an der FH Frankfurt. Die Kenntnisse für die Arbeit auf einem Reiterhof holte sie sich bei einer Ausbildung zur Tierheilpraktikerin und Pferdephysiotherapeutin. Die Voraussetzungen waren also positiv.

Mündliche Absprachen

Das sahen vor einem Jahr auch die Hartmanns so und bestreiten deshalb nicht, die mündlichen Absprachen getroffen zu haben. „Ich habe ihr den Hof sehr billig angeboten, vor einem Jahr war alles gut“, sagt Hans Helmuth Hartmann. Mittlerweile hat das Ehepaar seine Meinung aber geändert. Die 56-jährige Eva Hartmann will ab 1. April den Betrieb auf dem Reiterhof selbst fortführen.

„Mit Frau Skodnik ging es leider voll in die Hose“, begründet das Paar diesen Schritt und führt mehrere Gründe auf: Zum einen habe Skodnik völlig überraschend die Wohnung auf dem Hof gekündigt, in der sie seit Anfang 2012 wohnte, zum anderen habe die Pächterin erst am 22. Februar Geld zum Kauf des Reiterhofs in Aussicht gestellt. Letzteres sei laut Skodnik aber ein völlig normaler Ablauf. Hans Helmuth Hartmann meint dagegen: „Es wurde alles zu einem großen Durcheinander. Dann haben wir es lieber gelassen.“

Für Skodnik bedeutet dies jedenfalls das Aus zum 31. März. „Wenn kein Wunder mehr passiert, dann ist das leider so“, bestätigt die Pächterin. Dabei habe sie alles dafür getan, dass das Geschäft klappe. Aus 65 Einsteller-Pferden seien 106 geworden. Zudem habe sie Praktikanten und Auszubildende mit langfristigen Verträgen ausgestattet, „weil ich ja davon ausgegangen bin, dass es weitergeht“.

Furcht um Arbeitsplätze

18 Mitarbeiter hat Skodnik mittlerweile um sich versammelt und fürchtet nun auch um deren Arbeitsplätze. Außerdem seien auch die Einsteller betroffen, die nun nicht wüssten, wohin mit ihren Pferden. „Und für meine eigenen Schul- und Therapiepferde muss ich auch einen neuen Platz finden“, listet Skodnik auf.

Wer in diesem Streit letztlich Recht hat, das muss wohl bald ein Gericht entscheiden. Skodnik will gegen die Hartmanns vorgehen. „Die Anwälte sind dabei, alles zu überprüfen und es vor Gericht zu bringen. Aber selbst wenn ich Recht bekommen sollte, würde das eine Ewigkeit dauern.“ Und auch die Hartmanns haben einen Anwalt eingeschaltet. Sie wollen sich nicht in die Rolle des Täters drängen lassen. So beruhigte Hofbesitzerin Silvia Hartmann nun die Mitarbeiter des Reiterhofs: „Wenn die Leute wollen, können sie auf jeden Fall bleiben.“

Quelle: op-online.de

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