Suche nach Alternativstandort

Babenhausen - Nach dem Atomausstieg sind Kommunen aufgefordert, vor Ort Möglichkeiten für die Gewinnung von Strom aus alternativen Energieträgern zu prüfen und umzusetzen. In Hergershausen will, wie mehrfach berichtet, ein Investor eine Biogasanlage bauen. Von Stefan Scharkopf

Die Wahl des Standortes fiel an den Rand eines Vogelschutzgebiets, in der Nähe des FFH-Areals und in einer von den Hergershäusern zur Naherholung viel genutzten Landschaft. Der Proteststurm der Bürger war dementsprechend.

Derzeit debattieren die politisch Verantwortlichen über den „Leitfaden für das kommunale Handlungsfeld Klimaschutz“, den Tanja Hollenbach, Leiterin der städtischen Stabsstelle Energie und Umwelt, ausgearbeitet hat.

Wünsche der Nutzer berücksichtigen

Einig ist sich die Verwaltung darin, dass die Umsetzung von Projekten aber nicht ohne die Bürger gehe. Nur wenn die Einwohner spürten, so Hollenbach, dass die einzelnen Initiativen dem Nutzen aller dienten, könne man etwas erreichen. Ihre Wünsche zu berücksichtigen, sei die Maßgabe.

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Bei konkreten Projekten zielt die Energiefachfrau Hollenbach auf einen Mix ab, setzt aber besonders auf die Biomasse. Zum einen, weil in Babenhausen über 800 Pferde leben, zum anderen weil die Stadt viel landwirtschaftlich genutzte Fläche hat – eine der größten im Landkreis. Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion der Landwirte soll es nicht geben. Um die Akzeptanz durch die Bürger zu erhöhen, hatte Bürgermeisterin Gabi Coutandin vor, sich mit den Ortsbeiräten abzustimmen, um gemeinsam Standorte für Anlagen zu finden, die von den Bürgern auch mitgetragen werden und nicht auf Ablehnung stoßen. Dieses Treffen gab es nun. Außer den Ortsbeiräten waren auch die Fraktionsvorsitzenden der im Stadtparlament vertretenen Parteien eingeladen.

Wie Coutandin auf Anfrage unserer Zeitung sagte, werden derzeit drei Standorte für Biogasanlagen geprüft. Spruchreif ist aber noch nichts. Zum einen sei denkbar, die Anlage in Hergershausen zu errichten, in der Nähe des ursprünglich angedachten Ortes, aber weiter weg vom Naturschutzgebiet. Die zweite Möglichkeit wäre bei einer Kiesgrube südlich der B26, auf halber Strecke zwischen Harpertshausen und dem Sickenhöfer See, oder als dritte Variante etwas weiter östlich zwischen Kiesgrube und Sickenhöfer See.

Geruch möglicherweise ein Problem

Für den Standort Kiesgrube spricht laut Coutandin, dass es bereits Zufahrtsstraßen für den Kiesabbau gibt. „In diesem Gebiet wird heute schon einiges an Gülle und Silage für die Felder gefahren. Wir werden nun prüfen, was zusätzlich noch auf die Straße kommen müsste“, sagt Coutandin. Obwohl davon ausgegangen wird, dass Biogasanlagen nicht stinken, wird dennoch geprüft, inwieweit mit Geruchsbelästigung gerechnet werden müsse. Weil die Windrichtung ungünstig ist, wäre das ein Argument gegen den Standort Hergershausen, so Coutandin. Bei den Varianten zwei und drei werde eventuell auftretender Geruch von der Bebauung weggeweht.

Entwickelt wird derzeit ein Kriterienkatalog. Darin wird beispielsweise auch beschrieben, eine Biogasanlage auch drei Meter in die Tiefe zu setzen, um das Landschaftsbild nicht zu beeinträchtigen. So werde an einigen Standorten in Nordhessen verfahren.

Bei dem Treffen mit den Ortsbeiräten und Fraktionsvorsitzenden wurden auch andere Alternativen diskutiert. Keine Chance hat demnach die Windenergie. Wie eine entsprechende Karte des Landes Hessen zeigt, weht es über Babenhausen zu schwach. Geprüft wird laut Coutandin auch, ob Fotovoltaikanlagen auf alten Deponien oder an Bahnlinien errichtet werden könnten.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Ulrich Antas Minden/pixelio

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